Deutsche Bahn

Fahrgastverband fordert Länder auf BahnCard-Pläne zu stoppen

Die Deutsche Bahn AG will auf die BahnCard künftig offenbar nur noch einen Rabatt von 25 statt bisher 50 Prozent geben. Dies sei Bestandteil des neuen Tarifsystems, das der Bahn-Vorstand am Dienstag kommender Woche beschließen wolle, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Fahrgäste in Fernzügen könnten mit neuen Sonderangeboten im Vergleich zu den heutigen Preisen bis zu 60 Prozent sparen. Kunden in den Regionalzügen, die dort mit der BahnCard unterwegs seien, müssten dagegen bis zu 40 Prozent mehr bezahlen. Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisierte scharf, die Pläne zu einer "deutlichen Preissteigerung" gerade für Pendler und treue Bahnkunden führen würden. Der Verband fordert die Bundesländer auf, die Pläne zu stoppen.

Die neuen Tarife sollen ab Herbst 2002 eingeführt werden. Die DB wolle neben der neuen BahnCard mit 25 Prozent Preisnachlass übergangsweise das alte Ticket mit 50 Prozent Rabatt noch ein Jahr anbieten, heißt es weiter. Die neue BahnCard solle im Gegensatz zur gegenwärtigen Regelung auch bei Sonderangeboten gelte. Dies verbillige den Fernverkehr. Wer dort im voraus buche und sich auf eine bestimmte Zugverbindung festlege, bekomme künftig hohe Preisnachlässe.

Pro Bahn-Pressesprecher Andreas Barth bemängelte, dass nach allen bisher bekannt gewordenen Informationen für den Nahverkehr, in dem über 90 Prozent der Bahn-Reisenden unterwegs sind, keinerlei Vorausbucherrabatte geplant seien. "Damit bedeutet dies für viele Fahrgäste eine Preissteigerung von knapp 50 Prozent." Das sei "mehr als nur unverschämt". Es treffe vor allem viele Leute, die nur zweimal pro Woche unterwegs sind.

"Eine 630-Mark-Kraft muss mit den neuen Tarifen zukünftig bis zu einem ganzen Monatsgehalt im Jahr an die Bahn abgeben", kritisiert der Pro-Bahn-Sprecher. Der Fahrgastverband warnte davor, dass mit dem neuen Tarif Stammkunden vergrault werden. "Wer mehrere hundert Mark im Jahr mehr zahlen muss, überlegt sich vielleicht seine Verkehrsmittelwahl noch mal", sagte Barth.

Pro Bahn forderte die Länder auf, sich die Verschlechterung im Nahverkehr nicht für die von ihnen bestellten und bezahlten Züge gefallen zu lassen. Der Nahverkehrstarif unterliege der Genehmigungspflicht durch die Länder, betonte der Pro-Bahn-Sprecher. Hier bestehe "die Möglichkeit, die massiven Verschlechterungen zu stoppen".

Die Bahn möchte mit dem neuen System die Auslastung ihrer Fernzüge vorteilhafter steuern. Dies ginge aber nur, wenn viele Kunden frühzeitig buchten und sich so besser auf die einzelnen Züge verteilen ließen. Bei dem momentan hohen Rabatt mit der BahnCard gebe es aber wenig Anreiz, schon Tage vor der Reise ein preiswertes Ticket zu kaufen, argumentiere die Bahn. Sie habe ermittelt, dass in den überfüllten Zügen besonders viele Besitzer der BahnCard mitführen.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) setzt sich auch weiterhin für den Erhalt der BahnCard mit 50% Rabatt ein. Er fordert neben einer klaren Wachstumsstrategie ein einfaches, kundenfreundliches Preissystem. Bahn fahren müsse durch eine "Lichtung des Tarifdschungels" attraktiver werden. "Einfach, transparent, preislich attraktiv und bundesweit einheitlich" seien die richtigen Stichworte. Zudem sollten die Tickets durch großzügige Mitnahmeregelungen und Übertragungsmöglichkeiten aufgewertet werden. Die BahnCard mit 50% Rabatt entspreche einem Großteil dieser Ziele. "Sie ist einfach, verständlich und bietet ganz Deutschland für die Hälfte". Der VCD forderte von der DB AG, dass sie im Sinne der Kunden die genannten Anforderungen im neuen Preissystem berücksichtige.

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