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Für Steinkohle und Atom

Wirtschaftsminister Glos für längere Laufzeiten der Atomkraftwerke


03. Januar 2006

Bild: PhotoCase.com[ngo/ddp] Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hat vor dem Hintergrund des Gasstreits zwischen Russland und der Ukraine die Debatte über den Atomausstieg neu entfacht. Darüber müsse man nun "neu nachdenken", sagte Glos am Montag und verlangte, auf in Deutschland verfügbare Energiequellen zu setzen. Neben Steinkohle seien dies Atomkraftwerke, die von der rot-grünen Bundesregierung aus "politischen Gründen zum Abschalten verurteilt" worden seien. Die Grünen verurteilten den Vorstoß als "Griff in die energiepolitische Mottenkiste".

Auch die SPD hatte in den vergangenen Wochen Vorschlägen des Koalitionspartners nach weiteren Laufzeitverlängerungen für die deutschen Atomkraftwerke mehrfach eine klare Absage erteilt. Dessen ungeachtet plädierte Glos für längere Laufzeiten der deutschen Kernkraftwerke. Man müsse noch einmal überlegen, was getan werden könne, um in der Energieversorgung nicht komplett abhängig zu werden.

Für die Grünen kritisierten Fraktionsvize Reinhard Loske und der Energieexperte Hans-Josef Fell diesen Vorstoß. Statt auf erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Energieeinsparung zu setzen, halte Glos an veralteten Technologien fest. Er gefährde damit Sicherheit und Energieversorgungssicherheit in Deutschland und den Klimaschutz weltweit. Deutschland brauche für die Sicherheit der Energieversorgung mehr regenerative Energien und Energieeinsparung, aber weniger Kohle und Atom.

"Wir erwarten, dass die große Koalition nicht immer wieder über Sinn und Nutzen des Atomausstiegs philosophiert, sondern ihn konsequent umsetzt", so Loske und Fell. Atomkraft gefährde die Sicherheit der Bevölkerung, was aufgedeckte terroristische Angriffspläne auf Atomanlagen belegten. Auch besitze Deutschland keinen eigenen Uranbergbau, weshalb auch in Atomenergie Abhängigkeiten in der Rohstoffversorgung von anderen Weltregionen bestünden. Ferner verwiesen die Grünen auf die Risiken der Atomenergie und die "gewaltigen finanziellen Unsicherheiten einer ungelösten Entsorgungsfrage".

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) unterstützte dagegen den Vorstoß von Bundeswirtschaftsminister Glos. Carsten Kreklau, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des BDI, sagte der "Berliner Zeitung": "Zu einer verlässlichen Energieversorgung gehört ein ausgewogener Energiemix. Darin muss auch zukünftig die Kernkraft eine Rolle spielen". Kreklau forderte, eine Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke "ideologiefrei" zu prüfen.

Ähnlich, nur mit dem entgegengesetzten Ziel hatten sich bereits früher Umweltschützer geäußert: Bei der Festlegung der Laufzeit der Atomkraftwerke müsse durchaus die Frage eine wesentliche Rolle spielen, ob die Meiler sicher seien. Weil jedoch - so ein geheim gehaltenes Gutachten der Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) - kein einziges der deutschen Atomkraftwerke einem Terror-Anschlag mit einem Verkehrsflugzeug standhalten würde, müssten alle Atomkraftwerke sofort abgeschaltet werden.

Foto: PhotoCase.com

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