Chemikalien in Haus und Garten gefährden die Gesundheit

Warnung vor hormonell wirksamen Pestiziden und Bioziden

Tausende Tonnen Pestizide und Biozide werden in Deutschland jährlich auf Feldern, in Gärten oder Wohnräumen eingesetzt, um Menschen, Pflanzen, Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände vor Schädlingen zu schützen. Doch viele Stoffe sind hochgiftig, beeinträchtigen den Hormonhaushalt und können dadurch die menschliche Gesundheit und die Umwelt schädigen. Säuglinge und Kleinkinder sind besonders betroffen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie, die der WWF und die Verbraucher-Zentrale NRW heute vorgestellt haben. Die Studie beruht auf aktuellen Daten der Europäischen Kommission und des Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BGVV).

Stoffe wie Vinclozolin, Diuron, Lindan oder Pyrethroide werden gezielt versprüht, vergossen oder ausgelegt. Die Gifte verbleiben auf gespritzten Lebensmitteln, behandelten Gegenständen und in der Luft und werden vom Menschen über die Nahrung, Atemluft und Hautkontakt aufgenommen. Der WWF und die Verbraucher-Zentrale NRW fordern deshalb Verbraucherschutzministerin Renate Künast auf, hormonell wirksame Pestizide und Biozide zu verbieten und sich in der Agrarpolitik verstärkt für einen Rückgang des Pestizideinsatzes stark zu machen. Industrie und Handel müssen dringend hormonell wirksame Stoffe durch ungefährliche Alternativen ersetzen.

"Es ist unverantwortlich, dass Menschen nicht vor der Belastung mit hormonell wirksamen Bioziden und Pestiziden geschützt werden. Unsere Studie nennt deutliche Hinweise, dass die Abnahme der Fruchtbarkeit und die Zunahme von Brust- und Hodenkrebs auf die Belastung mit diesen Stoffen zurückzuführen ist", kritisierte Patricia Cameron vom WWF.

In Deutschland werden jährlich rund 30.000 Tonnen Pestizidwirkstoffe verkauft und hauptsächlich von Landwirten auf Feldern ausgebracht. Darunter sind giftige Stoffe wie das Vinclozolin, von denen laut EU-Kommission häufig Rückstände auf Erdbeeren, Johannisbeeren, Kirschen, Salat, Spargel oder Tomaten gefunden werden. Tierversuche haben gezeigt, dass dieses Gift die Entwicklung der Fortpflanzungsorgane verhindert und die Spermienproduktion und die Fruchtbarkeit vermindert.

Aber auch Privatpersonen greifen oft nach der chemischen Keule, um ihren Traumgarten zu verwirklichen oder Schädlinge aus ihrer Wohnung zu vertreiben. So wurden im Jahr 2000 in deutschen Gärten 470 Tonnen Pestizidwirkstoffe gegen Blattläuse, Schnecken oder Unkraut verteilt. Besonders problematisch ist Diuron, das von Hobby-Gärtnern oft gegen Unkraut auf Terrassen und Wegen verteilt wird. Von hier gelangt Diuron, das auch von der EU-Kommission und dem Umweltbundesamt als hormonell wirksam bewertet wird, ins Grundwasser und belastet europaweit das Trinkwasser.

In mehr als der Hälfte aller deutschen Haushalte werden Gifte gegen Fliegen, Kakerlaken und andere Schädlinge eingesetzt. Immer noch wird Holz im Wohnraum behandelt. Wollteppichböden sind meist gegen Motten- und Käferfraß ausgerüstet. Dabei werden häufig synthetische Pyrethroide eingesetzt, die als Nervengift wirken und in den Hormonhaushalt eingreifen können. Besonders problematisch ist auch Lindan, das als Pestizid nicht mehr zugelassen wird, aber als Biozid z.B. in Shampoos gegen Kopfläuse verwendet wird, obwohl es sehr giftig und hormonell wirksam ist.

"Verbraucher können auch sehr gut ohne chemische Mittel in Haus und Garten auskommen", so Chemiker Joachim Dullin von der Verbraucher-Zentrale NRW und nennt Beispiele: "Hacken, Ausstechen oder Abflammen sind giftfreie Methoden gegen Unkraut. Holzschutzmittel sind im Wohnraum überflüssig. Wollteppiche sind auch ohne Mottenschutzausrüstung erhältlich. Gegen Kopfläuse gibt es Shampoos mit unbedenklicheren Stoffen wie Neem oder Pyrethrum. Wer sich gesund ernähren will, sollte ökologisch angebautes Obst und Gemüse kaufen, das ohne Einsatz von Pestiziden angebaut wird."

Zusätzliche Tipps und Informationen liefert ein gemeinsames Faltblatt, das beim WWF und Verbraucher-Zentralen kostenlos erhältlich ist.