Kulturbesitz-Präsident kritisiert die Dominanz kommerzieller Nutzung

Berliner Stadtschloss

Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann, hat neue Pläne zum Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses scharf kritisiert. Wenn der Wiederaufbau ausschließlich in die Hände privater Investoren gegeben werde, die eine kommerziellen Nutzung beabsichtigten, würden Kunst und Kultur der Rendite geopfert, sagte Lehmann am Montag im Deutschlandradio Berlin.

Er bezog sich dabei auf Planungen des Bundesbauministeriums, wonach es zum Wiederaufbau des Schlosses ein Investorenverfahren mit anschließendem Architektenwettbewerb geben soll. Dem Kabinett soll laut einem Bericht der "Frankfurter Rundschau" eine Vorlage präsentiert werden, die unter anderen Möglichkeiten auch die rein kommerzielle Nutzung durch einen Privatinvestor vorsieht.

Diese Option hätten weder der Bundestag noch die Arbeitsgruppe Schlossareal unter Leitung von Kulturstaatsministerin Christina Weiss jemals angedacht, betonte Lehmann. Diese hatte eine überwiegend kulturelle Nutzung des zu rekonstruierenden Stadtschlosses der Hohenzollern in unmittelbarer Nachbarschaft der Museumsinsel empfohlen.

Lehmann verfolgt die Idee, in der Mitte Berlins mit einem so genannten Humboldt-Forum ein kulturelles Zentrum zu schaffen: In den Schlossneubau sollen demzufolge die Sammlungen für außereuropäische Kunst sowie die wissenschaftshistorischen Sammlungen der Humboldt-Universität einziehen. Es wäre für die internationale Sicht auf Berlin "ein Armutszeichen sondergleichen, wenn wir dort ein Hotel oder ein Spielkasino hinstellen würden", mahnte Lehmann. Die Bundesregierung müsse den Schlossplatz als Prestigeobjekt behandeln, so wie sie es bereits mit der Museumsinsel halte, forderte er. Dazu gehöre, die besten Sammlungen außereuropäischer Kulturen dort anzusiedeln.