Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp wird entlassen

New Economy?

Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp verläßt den Auto- und Rüstungskonzern noch in diesem Jahr - ohne Abfindung. Entgegen sonst weit verbreiteter Praxis wird der 60-Jährige weder in den Aufsichtsrat des Autokonzerns einziehen, noch einen Beratervertrag erhalten, schreibt das "Handelsblatt". Nach 44 Jahren wird Schrempp, der auf Grund seiner gescheiterten Strategie von einer "Welt AG" und der schlechten Performance der Aktie in den vergangenen Jahren immer wieder Zielscheibe der Kritik von Fondsmanagern und Aktionären war, vielmehr vollständig aus dem Unternehmen ausscheiden. Deutsche Bank-Manager Hilmar Kopper bleibe Aufsichtsratsvorsitzender bis zu seinem Vertragsende im April 2007, hieß es in Kreisen des Aufsichtsrats.

Wie ein Sprecher auf Anfrage erklärt habe, erhalte Schrempp sein Gehalt nur noch bis Ende 2005 und "verzichte" auf weitere Bezüge, die ihm vertraglich bis zum Jahr 2008 zugestanden hätten. "Er ist freiwillig gegangen nach einem Gespräch mit dem Aufsichtsrat", habe der Sprecher gesagt. In der Pflichtmitteilung des Konzerns habe es jedoch ausdrücklich geheißen, dass die Personalentscheidungen auf Beschluss des Aufsichtsrates erfolgen. Zudem fehle jede in solchen Fällen sonst übliche Dankesbekundung in der Ad-hoc-Notiz von Daimler-Chrysler.

Schrempp selbst habe am Nachmittag in einer Telefonkonferenz seinen Rücktritt mit einem strategisch günstigen Zeitpunkt begründet. Hintergründe habe er nicht genannt.

Auch die Nachfolge-Regelung kommt nach Auffassung des "Handelsbatts" einem Nackenschlag für Schrempp gleich. Denn dieser habe in den vergangenen Monaten den neuen Mercedes-Chef Eckart Cordes favorisiert. Sein designierter Nachfolger Dieter Zetsche sei dagegen in Ungnade gefallen, weil er allzu deutliche Kritik wegen des Engagements beim japanischen Autobauer Mitsubishi geäußert habe. Schrempp habe sich damals dem Druck aus den Reihen des Vorstands beugen und den Ausstieg bei Mitsubishi verkünden müssen.

Deutsche Bank-Manager und Aufsichtsratschef Hilmar Kopper sagte, wohl auch zu seiner eigenen Entlastung: "Die Bilanz des Konzerns ist gesund und die Cash-Flow-Entwicklung stabil. Die Ergebnisprognose des Daimler-Chrysler-Konzerns für dieses Jahr steht. Mit deutlichen Ergebnisverbesserungen ist ab dem Jahr 2006 zu rechnen", so Kopper.

Schrempp hat den Posten des Vorstandsvorsitzenden seit rund 10 Jahren inne. Zuvor war er von 1988 bis 1995 in gleicher Funktion bei der Daimler-Benz Aerospace (Dasa) tätig. Spektakulär, so das "Handelsblatt", war 1998 die Übernahme des US-Autobauers Chrysler. Gescheitert sei aber die Beteiligung beim japanischen Autokonzern Mitsubishi Motors.