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Kritik an Flächenverbrauch durch Gewerbegebiete

"Investoren"

Mit der Studie "Gewerbeflächenausweisung und Flächenverbrauch - Beitrag zur naturverträglichen Siedlungsentwicklung" möchte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) den Nachweis führen, "dass den Gewerbegebieten beim Flächenverbrauch die Schlüsselrolle zukommt". Auf der Basis einer Untersuchung von 51 Gebieten in Baden-Württemberg, Bayern und Thüringen kommt der Umweltverband zu dem Ergebnis: "Es gelingt Investoren leicht, die Bauleitpläne oder Regionalpläne in ihre gewünschte Richtung ändern zu lassen. Vorschläge für Alternativflächen werden häufig nicht akzeptiert, selbst wenn diese bereits erschlossen und gut angebunden sind. Gerade größere Unternehmen bevorzugen die grüne Wiese als Standort. Entgegenstehende Pläne werden im Parallelverfahren angepasst. Weiche Faktoren wie den Schutz von Boden, Klima oder Landschaftsbild stufen die Kommunen oft ohne Begründung als nachrangig ein. Ein großes Gewicht hat das Argument der Schaffung von Arbeitsplätzen, ohne dass überprüft wird, ob durch das Gewerbegebiet auch tatsächlich neue Stellen geschaffen oder Jobs nur verlagert wurden."

Gewerbeparks seien ursprünglich "für störende Gewerbebetriebe" ausgewiesen worden, schreibt der BUND, doch mittlerweile fänden sich dort häufig Einzelhandel, Bürobauten oder sogar Arztpraxen. Mit den vielen kostenlosen Parkplätzen würden Kunden aus der Innenstadt abgeworben.

BUND: Subventioniert durch die Allgemeinheit

Die Erschließung nicht ausgelasteter Gewerbegebiete bezahlten die öffentlichen Haushalte, subventioniert würden sie durch die Allgemeinheit. Doch weiterhin konkurrierten die Kommunen, Landkreise und Bundesländer um Betriebsansiedlungen und um neue Gewerbegebiete, auch wenn die schwache Konjunktur den Prozess verlangsamt habe.

Zwar würden Schutzgebiete bei der Ausweisung von Gewerbegebieten noch verschont, doch Biotopverbundflächen, Erholungslandschaften, klimatisch bedeutsame Gebiete und historische Kulturlandschaft würden weiter zerschnitten und entwertet. Rasches Handeln ist nach Auffassung des Umweltverbandes nötig.

Umweltverband kritisiert eine "unangemessene Kostenverteilung"

Eine bessere Entwicklung der Innenstädte lasse sich nur durch die Begrenzung der Gewerbegebiete erreichen. Denn Betriebe in den Innenstädten unterlägen stärkeren Beschränkungen und müssten ihre Produkte teurer vermarkten als Firmen, die auf die grüne Wiese auswichen. Eine "angemessene Kostenverteilung" würde nach Ansicht des BUND für mehr Gerechtigkeit im verzerrten Wettbewerb zwischen den Standorten sorgen.

Auch die "demographische Entwicklung" werde derzeit nicht ausreichend berücksichtigt: Mit knappen Steuermitteln würden heute die Erschließungsstraßen für die Altlasten von Morgen finanziert. Deshalb müssten die stagnierenden und rückläufigen Bevölkerungszahlen auf allen Planungsebenen genauso berücksichtigt werden wie das bereits vorhandene Gewerbeflächenpotenzial.

"Ziele müssen kompakte Siedlungen mit abgestuften Funktionen je nach Zentralität sein, mit kurzen Wegen und funktionierendem öffentlichen Nahverkehr", schreibt der BUND. Nur so könnten ausreichend Erholungsbereiche für die Allgemeinheit, wertvolle Böden, Wasservorräte und andere Ressourcen sowie ein tragfähiges Biotopverbundsystem wirkungsvoll geschützt werden.