Fell erinnerte im Bundestag an die Folgen von Tschernobyl

"Kein Wiederaufbau"

Der grüne Bundestagsabgeordnete Hans-Josef Fell erinnerte am 21. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl im Deutschen Bundestag an die Folgen des Super-GAUs. Auf der Basis eines Besuches von Abgeordneten des Umweltausschusses verglich Fell die Atomkatastrophe mit den Folgen von Kriegen: "Nach jedem Krieg gibt es einen Wiederaufbau", sagte Fell, ohne allerdings differenziert auf die Kriegsfolgen in bombardierten Städten einzugehen. "Nach einem Supergau eines Atomkraftwerks gibt es keinen Wiederaufbau mehr, nur Absiedlung und keine menschliche Lebensgrundlage mehr. Jahr für Jahr räumen Naturbrände und Planierraupen ein Dorf nach dem anderen von der Erde." Allein in Weißrussland seien über 400 Dörfer evakuiert beziehungsweise ausgesiedelt worden. "Davon sind über 170 Siedlungen bis heute völlig begraben. In der konterminierten Zone befinden sich gegenwärtig über 2500 Ortschaften. Die einmal 45.000 Einwohner zählende Stadt Pripjat ist heute eine menschenleere hochverstrahlte Geisterstadt, in welcher alles verfällt und keinerlei Hoffnung mehr besteht."

Noch immer lebten 1,3 Millionen Menschen in radioaktiv konterminierten Gebieten, so Fell. Die Erkenntnisse aus der Region seien deprimierend und ließen alle Unterstützung für Atomkraftwerke "in einem schalen und verantwortungslosen Licht erscheinen".

"Wir haben die sichersten Reaktoren der Welt" - heißt es laut Fell überall auf der Welt

Von der Aussage "bei uns könne so etwas nicht passieren", hält der Abgeordnete nicht viel. Auch nicht von der Aussage, "wir hätten die sichersten Reaktoren der Welt", wie unentwegt behauptet werde. "Ich hörte in meinen Gesprächen in anderen Teilen der Welt, dass die auch die sichersten Reaktoren haben, so in Japan, in den USA und in Frankreich. Selbst der Direktor von Tschernobyl erklärte mir, er hätte die sicherste Reaktoren der Welt. Und auch die Schweden behaupten dies immer noch, obwohl wir doch in Forsmark im Sommer letzten Jahres nur 7 Minuten am Supergau vorbeigeschrammt sind. Dabei hat doch der Betreiber Vattenfall längst zugegeben, dass die Sicherheitskultur in Forsmark desolat ist."

Der gleiche Betreiber Vattenfall habe bis heute die Herausgabe "der nicht abgearbeiteten Mängelliste" des deutschen Atomkraftwerks Brunsbüttel "verweigert, übrigens im Einklang mit Bundesminister Gabriel, der sich bis heute weigert in dieser Sache aufsichtsrechtlich tätig zu werden".

"Lassen Sie uns den heutigen Tschernobylgedenktag als Mahnung nehmen, die furchtbaren Atomgefahren endlich abzuschaffen und die Schritte ins Solarzeitalter wesentlich zu beschleunigen", forderte Fell .