Ischinger appelliert an Gegner der Münchner Sicherheitskonferenz

"Keine kriegstreiberische Jahresversammlung"

Der neue Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, fordert die Gegner der am 6. Februar beginnenden Veranstaltung zu Fairness auf. Ischinger sagte am Mittwoch der Nachrichtenagentur ddp, er habe zwar Verständnis für kritische Stimmen etwa zur Rolle der NATO. Es sei aber nicht in Ordnung, auf "Diffamierungen" zu setzen. "Diese Konferenz ist entgegen dem Eindruck, den manche erwecken wollen, nun wirklich keine kriegstreiberische Jahresversammlung von Rüstungslobbyisten", verteidigt Ischinger das Treffen.

Das Gegenteil sei vielmehr der Fall. Auch die Zusammensetzung der Teilnehmerliste zeige, dass es um Themen wie Krisenprävention und Konfliktverhinderung sowie die Stärkung internationaler Institutionen gehe.

Als "bösartig" bezeichnete Ischinger das Vorgehen von Vertretern der Gewerkschaft ver.di. Sie hatten in einem "offenen Brief" mit Blick auf seine Arbeit als Generalbevollmächtigter der Allianz Versicherung für Regierungsbeziehungen geschrieben, den Vorsitz der Sicherheitskonferenz habe ein Vertreter des Unternehmens übernommen, "das während des Zweiten Weltkriegs durch die Versicherung der KZs an der Judenvernichtung verdient hat".

Ischinger betonte, er fühle sich dadurch "persönlich beleidigt". "Mir ist im Jahr 2008 in Anerkennung meiner Verdienste für die deutsch-jüdische Verständigung die Leo-Baeck-Medaille in New York verliehen worden. Ich denke, das sagt alles über meine persönliche Einstellung." Er verwahre sich auch als Mitarbeiter des Unternehmens Allianz "gegen die hier gemachten Unterstellungen".

Ischinger erneuerte zugleich sein Gesprächsangebot an die Kritiker der Sicherheitskonferenz. Ein Vertreter dieser Gruppen könne als Beobachter an den dreitägigen Beratungen teilnehmen und sich davon überzeugen, "dass wir nichts zu verbergen haben". Nach dem Ende der Konferenz werde er zudem bei einer Veranstaltung der Petra-Kelly-Stiftung "Rede und Antwort stehen".

In dem Offenen Brief von ver.di München heißt es: "Wir vergessen auch nicht, dass von deutschem Boden zwei Weltkriege ausgegangen sind. Auch deswegen sind wir gegen diese sogenannte Sicherheitskonferenz in München, weil sie doch nur deutschen Machtinteressen und den Firmen, die mit der kriegerischen Durchsetzung von Machtinteressen Profit machen, dient." Die Gewerkschafter wollen sich deswegen mit einem eigenen Gewerkschaftsblock an der Demonstration gegen die Sicherheitskonferenz am 7. Februar 2009 in München beteiligen. "Wir rufen alle auf: Schließt Euch an – die Sache des Friedens ist zu wichtig, um sie denen zu überlassen, die am Krieg verdienen."