Erneute Querelen an der Uni Eichstätt

Vertragsbedingungen

Die krisengeplagte Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt kommt nicht zur Ruhe. Ein Jahr nach dem vereitelten Amtsantritt des zum Uni-Präsidenten gewählten Theologen Ulrich Hemel erschüttert ein neuer Eklat die einzige katholische Universität im deutschen Sprachraum: Der vor knapp drei Wochen zum Präsidenten gewählte Theologe Reinhard Hütter teilte dem Stiftungsrat mit, dass er das Amt nicht antreten wird. Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke sprach am Montag von einem "Desaster". Der Grund für die neuerliche überraschende Wendung im Ringen um die Leitung der KU waren offenbar Differenzen über die Vertragsbedingungen Hütters.

In den üblichen Verhandlungen zwischen dem Gewählten und dem Träger, der Stiftung Katholische Universität Eichstätt, sei "völlig überraschend und trotz Gesprächen im Vorfeld keine Einigkeit über die Bedingungen für das Kommen Hütters erzielt" worden, teilte die Freisinger Bischofskonferenz mit.

Zum Schutz der Universität habe der Träger die von Hütter verlangten persönlichen Konditionen nicht akzeptieren können. "Unter anderem weitgehende Pensionsforderungen und die Bedingungen zur Errichtung eines Stiftungslehrstuhls ad personam, der Hütter nach einem Ablauf der Präsidentschaft bis zu seiner Emeritierung garantiert werden sollte, hätten massive Auswirkungen auf die finanziellen Ressourcen der gesamten Universität gezeitigt", hieß es. Der Träger sei nicht bereit gewesen, die daraus folgenden Einschränkungen für Wissenschaft und Lehre in anderen Bereichen der Hochschule hinzunehmen.

Bischof Hanke bekundete Unverständnis über die Entscheidung Hütters. "Die Gründe ergeben kein stimmiges Bild", sagte der Bischof und verwies auf "exzellente" Referenzen und Empfehlungen für den Kandidaten.

Hütter sollte nach turbulenten Monaten eigentlich wieder für Ruhe an der Universität sorgen und ihr Profil stärken. Vor einem Jahr war die Universität wegen der Querelen um Hemel in die Schlagzeilen geraten. Der Theologe und frühere Top-Manager war im Januar 2008 vom Hochschulrat zum Präsidenten gewählt worden. Einen Tag vor Hemels geplanten Amtsantritt zum 1. April teilte dann die Hochschule mit, es gebe noch keine Bestätigung durch die Kongregation für das katholische Bildungswesen am Heiligen Stuhl. Einige Tage später wurden "Bedenken" des Vatikans gegen Hemels Bestellung bekannt, die offizielle Amtsübergabe wurde abgesagt. Im Mai 2008 teilte dann Bischof Hanke mit, dass er Hemel nicht ernennen werde, weil das erforderliche Vertrauensverhältnis fehle.

Die Turbulenzen hielten auch in den folgenden Wochen an: Zunächst kündigte Anfang Juni der Senatsvorsitzenden Maximilian Fuchs an, aus "beruflichen und persönlichen Gründen" seine Ämter niederzulegen. Wenige Tage später gab auch der kommissarische Vorsitzende der Hochschulleitung, Stefan Schieren, sein Amt auf - wegen unterschiedlicher Auffassungen zwischen ihm und dem Bischof über die konkrete Gestaltung der Übergangszeit bis zur Wahl eines neuen Präsidenten. Keine zehn Tage später wurde der Kanzler der Universität, Gottfried Freiherr von der Heydte, mit sofortiger Wirkung beurlaubt.

Am 6. Mai dann wählte der Hochschulrat Hütter aus drei Kandidaten zum neuen Präsidenten. Der 50-Jährige lehrt katholische Theologie an der Duke University in Durham in den USA und ist außerdem Vizepräsident der Academy of Catholic Theology. Sein neues Amt in Eichstätt sollte er zum 1. August antreten.

Nach seinem Rückzug ist nach Angaben der Freisinger Bischofskonferenz nun eine Neuwahl des Präsidenten erforderlich. Bis zu diesem Wahlverfahren müsse die Position erneut interimistisch besetzt werden, hieß es.