Green Economy – mehr als das Begrünen der Wirtschaft

genanet - Gender, Umwelt, Nachhaltigkeit / LIFE e.V.

Die unbezahlt erbrachten Haushaltsleistungen tragen in erheblichem Umfang zur Wertschöpfung bei. So. beläuft sich der Wert der unbezahlten Sorgearbeit in der Schweiz auf 41% des BIP, ohne sich jedoch darin niederzuschlagen. Die „Care Arbeit“ bleibt weitgehend unbeachtet, obwohl feministische Ökonominnen ein wirtschaftliches Umdenken bereits seit vielen Jahren fordern. Die Green Economy, die mit einer grundlegenden Umgestaltung der Wirtschaft einhergehen muss, könnte eine Möglichkeit sein, Care Arbeit einzubeziehen. Den damit zusammenhängenden Fragen widmete sich der Workshop „Sustainable Economy and Green Growth – Who cares?“, der gestern in Berlin zu Ende ging.

VertreterInnen von Frauenrechts- und Umweltorganisationen aus zwölf verschiedenen Ländern, u.a. Mexico, Uruguay, Großbritannien, USA, Indien und der Türkei, diskutierten zwei Tage lang darüber, wie ein nachhaltiges Wirtschaftsmodell aussehen könnte, das die zumeist von Frauen un- oder unterbezahlt geleistete Care Arbeit einbezieht. „Im Zuge der Wirtschafts- und Umweltkrise hat sich das Arbeitsvolumen für Care stark erhöht, gleichzeitig haben sich die Bedingungen, unter denen diese Arbeit verrichtet wird, verschlechtert. Erhöhte Umweltbelastungen erschweren die Care-Arbeit weiterhin und kreieren ein Care-Defizit“ so Nidhi Tandon vom Networked Intelligence for Development aus Toronto, Kanada.

Die Debatte über die Verbindung von Care und nachhaltigem Wirtschaften steckt noch in den Kinderschuhen und ist geprägt durch ein breites Spektrum an Sichtweisen auf Sorgearbeit, die auf den unterschiedlichen kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten basieren. Ist es den einen wichtig, dass die Arbeit von Frauen vor allem in der Sicherung des Überlebens überhaupt als solche wahrgenommen wird, so lehnen andere das Green Economy Konzept grundsätzlich ab. „Wir waren auch mit dem Konzept der nachhaltigen Entwicklung nicht glücklich, aber immerhin verbindet es die sozialen, ökologischen und ökonomischen Dimensionen – auch wenn hier in der Umsetzung Verbesserungsbedarf besteht. Diese Verbindungen fehlen bei der Green Economy völlig“, erläutert Anita Nayar von Development Alternatives with Women for a New Era, ihre Ablehnung.

Bei allen Differenzen – einig war man sich aber darin, dass Care und Nachhaltigkeit zusammengedacht werden müssen, oder, wie Nidhi Tandon es ausdrückte, „dass unser Care Fußabdruck und unser ökologischer Fußabdruck in Einklang stehen müssen.“

Das könnte sich beispielsweise darin niederschlagen, dass zukünftig alle umweltpolitischen Entscheidungen bezüglich ihrer Auswirkungen auf Care-Arbeit untersucht werden, lautete eine der Forderungen, die zum Abschluss des Workshops formuliert wurden. Finanzielle Mittel zur weiteren Erforschung der politischen und sozialen Ökonomie der Care-Arbeit seien ebenso notwendig wie die Bereitstellung von Strukturen und Räumen für kontinuierliche Diskussionen über die Verbindung zwischen Care und nachhaltigem Wirtschaften. Die Vertreterinnen international tätiger Organisationen versprachen, die Erkenntnisse des Workshops auch auf globaler Ebene in die Diskussion zu den Entwicklungszielen der Vereinten Nationen einzubringen.

„Wir haben mit diesem Workshop Neuland betreten und freuen uns jetzt darauf, die Samen, die wir gemeinsam gesät haben, wachsen zu sehen“, fasst Ulrike Röhr von LIFE e.V. am Ende des Workshop ihre Erwartungen zusammen. Der Enthusiasmus der TeilnehmerInnen bezüglich der weiteren Zusammenarbeit war jedenfalls groß, ein Folgeworkshop im Herbst wird bereits anvisiert.

Finanziert wurde der Workshop vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktor-sicherheit.