Überwachung
Nachtsichtgeräte in Kinos geplant
Die ZKM erklärte, der Einsatz der Geräte solle "in unregelmäßigen Intervallen", "punktuell" und bei "begründeten Verdachtsmomenten" erfolgen. Die Geschäftsführerin der ZKM Elke Esser sagte, die "Sicherung im Kino" sei "enorm wichtig". "Wir müssen einfach einen Beitrag dazu leisten, dass beispielsweise der deutsche Ton nicht im Kino aufgenommen werden kann." Daher hätten sich mehrere Kinos zusammengeschlossen und prüften die Bestellungen der 600 Geräte. Absolut oberste Priorität habe dabei aber, "dass das Kino nicht zum Hochsicherheitstrakt" werde, denn der Filmgenuss stehe im Vordergrund. Aus diesem Grund müsse bei einem Einsatz der Nachtsichtgeräte gewährleistet sein, dass der Kinobesucher sich nicht in seiner Intimsphäre gestört fühle.
Bettina Winsemann, Pressesprecherin von stop1984.com sagte: "Das Publikum in dunklen Kinosälen zu überwachen ist wohl das Absurdeste, was der Filmwirtschaft im Rahmen ihrer Kampagne gegen unbescholtene Bürger einfallen konnte." Abgesehen davon, dass hier "einmal mehr" der Kunde unter Generalverdacht gestellt werde, sei der Genuss eines Filmes "in der Gewissheit ständig beobachtet zu werden" unvorstellbar. "Wir empfinden diese Unverschämtheit der Filmindustrie als unakzeptablen Eingriff in unsere Intimsphäre. Der Kinobesucher ist doch kein Freiwild für Voyeure."
In einem offenen Brief forderte stop1984.com den Verband der Filmverleiher auf mitzuteilen, ob und welche Kinobetreiber weiterhin überwachungsfreie Filmvorführungen garantierten. Auch viele Einzelpersonen hätten sich mittlerweile mit ähnlichem Wortlaut an den Verband gewandt. Bis eine Antwort des Verbandes einginge, rät stop1984.com seinen Mitgliedern von jeglichen Kinobesuchen Abstand zu nehmen, beziehungsweise sich vor einem Kinobesuch vom Kinobetreiber bestätigen zu lassen, dass während der Vorstellung keine Nachtsichtgeräteüberwachung stattfindet.
Die Anti-Überwachungsorganisation berichtete auch von radikaleren Ansätzen, die bereits "von aufgebrachten Kunden der Filmindustrie" auf Internet-Mailinglisten diskutiert würden. Dort werde empfohlen, bei Filmbeginn mit einem Blitzlicht in Richtung Leinwand zu blitzen. Der grelle Blitz würde nicht nur den Überwacher für einige Zeit blenden, sondern eventuell sogar die äußerst lichtempfindliche Technik des Überwachungsgerätes ausschalten. Stop1984 distanzierte sich von diesen Vorschlägen ausdrücklich. Der Boykott sei ein "faires und wirksames Mittel um gegen die Einschränkung der Privatsphäre in Kinos zu protestieren."
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