Machtwechsel in Hamburg möglich

Bürgerschaftswahlen

In Hamburg ist nach der Bürgerschaftswahl ein Machtwechsel möglich. Die regierende rot-grüne Koalition büßte am Sonntag ihre Mehrheit ein, obwohl die SPD leicht zulegen konnte und stärkste politische Kraft bleibt. Die Grün-Alternative Liste (GAL) verlor jedoch erheblich an Stimmen. Die FDP schaffte nach einer stundenlangen Zitterpartei erstmals seit acht Jahren wieder den Sprung in die Hamburger Bürgerschaft.

Ein sehr gutes Wahlergebnis von über 19 Prozent verbuchte die "Partei Rechtsstaatlicher Offensive" des "Richters Gnadenlos" Ronald Schill. Schill, der sich den markanten Beinamen wegen seiner harten Urteile als Amtsrichter in der Hansestadt einhandelte, trat erstmals bei den Wahlen an.

Der sogenannte "Bürgerblock" aus CDU, Schill-Partei und FDP liegt trotz großer CDU-Verluste vorn. Erstmals seit 44 Jahren droht den Hamburger Sozialdemokraten somit der Machtverlust. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis entfallen von den insgesamt 121 Sitzen in der Bürgerschaft 64 Sitze auf den Bürgerblock und 57 auf Rot-Grün. Die Wahlbeteiligung lag mit rund 71 Prozent deutlich höher als vor vierJahren.

Die SPD erreicht 36,5 Prozent im Vergleich zu 36,2 Prozent bei der Wahl 1997. Die CDU verliert nach dem vorläufigen Endergebnis deutlich und kommt auf 26,2 Prozent (30,7). Die Schill-Partei wird mit 19,4 Prozent auf Anhieb drittstärkste Kraft. Die GAL bricht auf 8,5 Prozent ein nach 13,9 Prozent 1997. Die FDP kommt auf knapp 5,1Prozent.

Die CDU zeigte sich entschlossen, eine Mitte-Rechts-Regierung zu bilden. Die SPD schloss eine Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP nicht aus. Bürgermeister Ortwin Runde (SPD) sagte, er wolle weiter regieren. Koalitions-Gespräche mit der Schill-Partei schloss er aber kategorisch aus. Auch die Grünen kündigten an, eine Mitte-Rechts-Regierung verhindern zu wollen.