Neonazis mussten Leipzig unverrichteter Dinge wieder verlassen

Tausende protestierten gegen Rechts

Zum dritten Mal innerhalb von rund sieben Monaten ist ein rechtsextremistischer Aufmarsch in Leipzig gescheitert. Nach fast sechs Stunden Wartezeit, ausgelöst durch scharfe Polizeikontrollen, traten am Samstagabend rund 1000 Neonazis die Heimreise an. Unter dem Motto "Leipzig lacht über den Karneval in Braun" hatten sich zuvor nach Angaben der Stadt etwa 10 000 Menschen zum friedlichen Protest gegen Rechtsextremismus versammelt.

Mit einem Großaufgebot verhinderte die Polizei Ausschreitungen zwischen linken und rechten Gruppen. Lediglich bei der Abreise der Neonazis kam es im Leipziger Hauptbahnhof zu einer kurzzeitigen Konfrontation mit Linksautonomen. Nach Polizeiangaben gab es keine Verletzten. 76 Personen wurden unter anderem wegen Verstößen gegen das Versammlungsrecht vorläufig festgenommen, 79 kamen in Gewahrsam.

Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee (SPD) sagte bei einer Kundgebung vor dem Hauptbahnhof, es dürfe nicht zugelassen werden, dass braunes Gedankengut Europa überschwemme. "Wir stehen hier, damit Bunt gegen Braun die Überhand gewinnt", betonte er. Pfarrer Christian Führer rief bei einem Friedensgebet in der Nikolaikirche zur Gewaltfreiheit auf. Mit fantasievollem Protest wollten die Leipziger den Aufmarsch zur Groteske machen. Unter anderem streute "Prinzen"-Sänger Sebastian Krumbiegel einen Sack Konfetti auf den von den Extremisten vorgesehenen Demonstrationsweg, Lachsäcke wurden in der Stadt verteilt.

Rund 4000 Beamte von Polizei und Bundesgrenzschutz aus acht Bundesländern waren in Leipzig zusammengezogen worden. Penible Personenkontrollen verzögerten den ursprünglich für 12.00 Uhr vorgesehenen Start des rechten Demonstrationszuges vom Hauptbahnhof zum Völkerschlachtdenkmal erheblich. Bis zum gerichtlich verfügten Ende des Aufmarsches am Samstagabend um 19:30 Uhr wurde damit das Erreichen des Ziels unmöglich.

Versuche der Stadt Leipzig, rechtsextremistische Aufmärsche zu verbieten oder mit noch strengeren Auflagen zu versehen, waren in der Vergangenheit vor den Verwaltungsgerichten gescheitert. Im September wurde eine Demonstration von der Polizei aber unmittelbar nach dem Start aufgelöst, weil Teilnehmer gegen Auflagen verstoßen hatten. Im November verstellten Gegendemonstranten den Weg nach rund 600 Metern und zwangen die Rechtsextremisten zum Umkehren. Die Neonazis haben für dieses Jahr allerdings bereits fünf weitere Demonstrationen in Leipzig angemeldet, unter anderem am 3. Oktober.