WWF-Studie zeigt skandalöse Praxis der Beifänge und Rückwürfe in der Fischerei

Fischerei

Die Situation der Fischbestände ist kritisch: Weltweit sind 60 Prozent der Speisefischbestände bereits überfischt oder bis an die Grenzen befischt. Zusätzlich zu den 85 Millionen Tonnen Fisch werden weltweit über 20 Millionen Tonnen Meeressäuger, Seevögel und Fische mitgefangen, die als Beifang meist tot oder sterbend über Bord geworfen werden. Dies führt zu Kosten in Millionenhöhe für Fischer, aber auch für die Steuerzahler. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie, die der WWF am MIttwoch vorgestellt hat.

"Jährlich sterben Millionen Tonnen Fische als Beifang, bevor sie laichfähig sind. Das führt dazu, dass sie keine Nachkommen haben, die Fischbestände schrumpfen und die Fischer immer weniger fangen können. Dieses Verslustgeschäft wird jährlich mit Millionen Euro Steuergeldern subventioniert", kritisierte Heike Vesper vom WWF. Der WWF fordert Verbraucherschutzministerin Renate Künast auf, sich persönlich auf der EU-Fischereiratssitzung nächste Woche für eine neue, umweltverträgliche Fischerei einzusetzen, damit nicht weitere Fischbestände zusammenbrechen und Millionen Meerestiere sinnlos sterben müssen.

Die WWF-Studie ergab, dass die Anzahl der angelandeten Schwertfische, deren Verkaufswert 1997 100 Millionen Euro betrug, niedriger war als die Anzahl der zurückgeworfenen Schwertfische, allein 1983 in der Fischerei auf Nordseekabeljau über 3 Millionen Fische als Beifang verendeten, was einem heutigen Marktwert von etwa 5,4 Millionen Euro entspräche. Außerdem hat der Schollenfang durch die europäische Garnelenfischerei einen jährlichen Verlust von 12.000 Tonnen Schollen als Beifang im Wert von ca.18 Millionen Euro.

Doch nicht alle Kosten von Beifang und Rückwurf sind in Geldmitteln ausdrückbar: So verenden allein in der zentralen und südlichen Nordsee pro Jahr über 7.500 Schweinswale qualvoll als Beifang bei den Fischereien auf Steinbutt und Kabeljau. Weltweit sterben jährlich 12 Millionen Haie sowie 30.000 Karett- und Suppenschildkröten als Beifang.

"Die viel zu hohen Beifänge in der Fischerei müssen schnell reduziert werden", sagte Heike Vesper. Der WWF fordert Renate Künast auf, im Rahmen der Reform der EU-Fischereipolitik sicherzustellen, dass langjährige Bewirtschaftungspläne für Fischbestände eingeführt werden, und Fanggebiete zum Schutz von Jung- und Altfischen geschlossen werden. Auch das bisherige Quotensystem muss verändert werden, so dass alle gefangenen Fische, auch angelandet werden und nicht wie bisher, ein Großteil der Fänge ins Meer zurückgeworfen wird.