Unseriöser Verkauf von Wildtieren nimmt weiter zu

Tierschutz gefordert

Der Wildtierhandel in Deutschland erreicht neue Dimensionen: Auf regelrechten Flohmärkten werden zunehmend Raubtiere, gefährliche Schlangen und Skorpione sowie gestresste Affen, Chamäleons und Wildvögel verramscht. "Spezialbörsen für Wildtiere schießen in ganz Deutschland wie Pilze aus dem Boden", kritisiert Dr. Sandra Altherr, Biologin bei Pro Wildlife. "Unzählige Wildtiere, die für Privathaushalte völlig ungeeignet sind, werden an ahnungslose Laien verkauft. Das Leiden und Sterben solcher Tiere ist vorprogrammiert." Pro Wildlife kritisiert die erhebliche Gesetzeslücke, die solche Tierbörsen zulässt, und fordert die Bundesregierung auf, endlich tätig zu werden. Besonders alarmierend sei das zunehmende Interesse an exotischen Säugetieren und gefährlichen Arten.

Der Handel mit Exoten als Haustiere boomt: Seit Anfang der 90er Jahre habe die Haltung von Reptilien in deutschen Haushalten dramatisch zugenommen. Allein 200.000 Riesen- und 100.000 Giftschlangen leben nach Schätzungen von Experten unter deutschen Dächern - Tendenz steigend. Neben zahlreichen kleineren Veranstaltungen findet in Deutschland die "weltgrößte Reptilienbörse" statt.

Nun entwickle sich ein neuer Markt: "Exotische Säugetiere sind der letzte Schrei - wegen ihres oft niedlichen Aussehens oder einfach, weil man ein Haustier haben will, das sonst keiner in der Nachbarschaft besitzt", berichtet Altherr. Zu den angebotenen Arten gehörten Kleinbären, Raubtiere, Affen, Gürteltiere, Fledermäuse, Stinktiere und zahlreiche weitere Arten, von denen viele sogar aus freier Wildbahn stammten. "Einige Käufer greifen gezielt auf exotische Fledermäuse oder Igel zurück, weil die bei uns heimischen Arten im Gegensatz zu den Exoten streng geschützt sind. Die Bundesregierung muss diesem Treiben einen Riegel vorschieben", fordert Pro Wildlife.

Die Wildtierbörsen verursachen eklatante Tierschutzprobleme: Zum einen würden die Tiere unter skandalösen Bedingungen verkauft: winzige Behältnisse ohne Rückzugsmöglichkeiten, nachtaktive Arten in gleißendem Licht, gestresste Tiere würden herumgereicht, sogar verletzte oder kranke Tiere verkauft.

Zum zweiten seien viele der angebotenen Tiere Wildfänge, die eigens für den Handel eingefangen wurden. Die Tiere haben schlimme Strapazen hinter sich. Die Auswirkungen auf die Wildtierbestände bleiben oft unbekannt.

Zum dritten würden gefährliche Arten angeboten: Gift- und Riesenschlangen, Skorpione oder Raubtiere wie z.B. Nasenbären: Diese bissigen Kleinbären sehen harmlos aus, können aber mit ihren messerscharfen Zähnen in kürzester Zeit einen ausgewachsenen Schäferhund töten.

Zum vierten würden Arten einzeln verkauft, die eigentlich in großen Gruppen oder Familienverbänden leben (z.B. Affen, Erdhörnchen, Präriehunde). Diese Tiere leiden erheblich unter ihrer isolierten Haltung.

Und zum fünften wären die oft unerfahrenen Halter, die auf Börsen Wildtiere spontan kaufen, schnell den enormen Ansprüchen ihrer Schützlinge nicht mehr gewachsen. Die Tiere würden vernachlässigt, litten an Krankheiten, stürben oder würden ausgesetzt. Tierheime müssten immer häufiger Stinktiere, Kleinbären und andere exotische Tiere aufnehmen.