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Hilfe für die irakischen Zivilbevölkerung dringend erforderlich

Reisebericht

In den vergangenen drei Monaten hatten mehrere Mitarbeiter von Haukari e.V. die Gelegenheit, den Irak zu bereisen und sich selbst ein Bild vor Ort zu machen. Dabei erfuhren wir immer wieder, dass ganz elementare Sorgen um sauberes Trinkwasser, Strom, ausreichend Gas für den Herd und die öffentliche Sicherheit besonders für Frauen und Kinder den Alltag der meisten Menschen im Irak beherrschen. Dies insbesondere in den Städten, die bis vor wenigen Monaten vom Baath-Regime kontrolliert wurden.

Eine dieser Städte ist Khanaqin mit ca. 80.000 Einwohner, das unweit der ehemaligen Demarkationslinie zwischen dem kurdisch und dem irakisch kontrollierten Gebiet liegt. Die Stadt mit einem großen Anteil kurdischer Bevölkerung wurde vom Baath-Regime extrem vernachlässigt und heruntergewirtschaftet. Im Rahmen der Arabisierungspolitik wurden auch hier viele kurdische und christliche Familien zwangsumgesiedelt oder vertrieben.

Insgesamt sind bis zum Frühjahr 2003 zwischen 600.000 und 800.000 Menschen vom Baath-Regime aus den kurdischen Gebieten ausgewiesen worden. Zahlreiche kurdische Familien, darunter alleine mehr als 400 alleinstehende Frauen mit Kindern, kehren nun langsam nach Khanaqin zurück. In Khanaqin selbst sind die Spannungen zwischen den ethnischen Gruppen zurzeit gering. Anders sieht es in kleineren Städten und einigen Dörfern in der Umgebung aus. Hier kommt es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen arabischen und kurdischen Familien.

Seit Januar 2003 begannen Mitarbeiterinnen des Frauenzentrums KHANZAD aus Sulaimania, Flüchtlingsfrauen und ihre Kinder in der Region zu betreuen, die vor dem drohenden Krieg geflohen waren. Das Frauenzentrum KHANZAD wurde 1996 von Haukari e.V. initiiert und wird seitdem kontinuierlich unterstützt. Diese Arbeit wird seit Kriegsende auf die neu befreiten Gebiete ausgeweitet.

Mobile Teams bestehend aus Sozialarbeiterinnen und Krankenschwestern bieten Frauen insbesondere in den ärmeren Stadtvierteln Unterstützung in der Umbruchsituation an. Ziel und Prinzip der Arbeit ist die Förderung von Dialog, gewaltfreier Kommunikation und die Aufarbeitung der Vergangenheit ohne neue Gewalt und Rache zu befördern.

Die Teams setzen sich aus arabischen, turkmenischen und kurdischen Mitarbeiterinnen zusammen, Veranstaltungen und Beratung werden in verschiedenen Sprachen stattfinden. Die Anlaufstelle in Khanaqin ist für Frauen aller ethnischen Gruppen geöffnet, alle Ankündigungen und Informationsmaterial werden in drei Sprachen erstellt.

Gewalt gegen Frauen wird eines der Kernthemen der Teams sein, d.h. Aufklärung und Kampagnen gegen Gewalt gegen Frauen, Angebote von Schutz für von Gewalt betroffene Frauen und konkrete rechtliche und materielle Hilfe für diese Frauen. Dieses zunächst auf 6 Monate angelegte Programm wird finanziell unterstützt aus Mitteln der ARBEITERWOHLFAHRT INTERNATIONAL e.V.

Haukari e.V. prüft zur Zeit die Möglichkeit, dauerhaft ein Frauenzentrum in Khanaqin mit einem Bildungs- und Beratungsangebot zu eröffnen. Seitens der Frauen besteht sowohl ein grosses Interesse an Alphabetisierungs-, Englisch- und Computerkursen als auch an einem Ort, an dem sich Frauen ohne Männer treffen und austauschen können. Das Zentrum kann Frauen stärken, sich einzumischen und am Demokratisierungsprozess teilzunehmen. Unter den allgemein schwierigen Bedingungen hält Haukari e.V. solche sozialen Initiativen für besonders wichtig und unterstützenswert.

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