Große Retrospektive zum Werk des Fotografen und Kriegsreportes Robert Capa

Berlin

Er hasste den Krieg und wurde vielleicht gerade deshalb zu einem der bedeutendsten Kriegsfotografen des 20. Jahrhunderts. Robert Capa bannte den Spanischen Bürgerkrieg, den chinesischen Widerstand gegen die japanische Besetzung, den Zweiten Weltkrieg und die Landung der Alliierten, den israelisch-arabischen Krieg und schließlich den Krieg in Indochina auf Fotopapier. Er war ein Spieler und riskierte für ein Foto immer wieder sein Leben. Am 25. Mai 1954 trat der gebürtige Ungar, der mit bürgerlichem Namen Endre Ernö Friedmann hieß, in Indochina auf eine Mine - er wurde tödlich verletzt.

Anlässlich seines 50. Todestages im vergangenen Jahr konzipierte die Bibliotheque Nationale de France in Paris eine umfangreiche Retrospektive zum Werk Capas, die ab Samstag auch im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen ist. Die Schau zeigt rund 300 Arbeiten des Foto-Journalisten und ist die erste große Retrospektive der Werke Capas in Deutschland. Nach Paris ist die deutsche Hauptstadt die zweite und letzte Station der Präsentation, die wegen der Empfindlichkeit der Fotografien nicht weiterreisen kann.

Capa sah sich selbst als Journalist und nicht als Künstler. 1947 gründete er zusammen mit seinem Freund Henri Cartier-Bresson in Paris die legendäre Agentur Magnum Photos. Dass seine Bilder einmal gerahmt im Museum hängen könnten, hätte Capa nie im Leben gedacht, sagte der Biograf und Nachlassverwalter des Fotografen, Richard Whelan, am Freitag in Berlin. Vielleicht wäre es ihm sogar peinlich gewesen.

Zu der deutschen Hauptstadt hatte Capa eine besondere Beziehung. Hier lebte und studierte er von 1931 bis zu seiner Flucht vor den Nationalsozialisten 1933, und hier erschienen in der Illustrierten "Weltspiegel" auch seine ersten Fotos - unter anderen sein berühmtes Trotzki-Porträt von 1932. 1945 kam Capa noch einmal nach Berlin zurück - an seiner Seite seine Geliebte Ingrid Bergmann, mit der er laut Whelan in Berlin "sehr schöne Tage" verbrachte.

Die Ausstellung, die bis zum 18. April läuft, zeigt neben Capas berühmten Kriegsbildern auch unbekannte, zum Teil noch unveröffentlichte Fotografien. Capa fotografierte die Tour de France, Pilgergruppen in Lisieux sowie Künstler wie Pablo Picasso und Henri Matisse. Seien es Berühmtheiten, Soldaten, zivile Kriegsopfer oder Bauern in China, immer hat Capa den einzelnen Menschen in seiner Individualität im Blick. Seine Bilder erwecken stets den Eindruck, den stärksten Moment der jeweiligen Situation erfasst zu haben. Beeindruckend belegt dies unter anderen Capas berühmtes Foto "Tod des Milizionärs" (1936), das einen spanischen Freiheitskämpfer in genau dem Moment zeigt, in dem ihn eine tödliche Kugel trifft.

Capas Art des Fotojournalismus verleihe einer humanistischen Weltanschauung Ausdruck, heißt im Begleitheft zur Ausstellung. Wie keinem anderen sei es ihm gelungen, sowohl den Schrecken des Krieges als auch das Leid der Zivilbevölkerung zu zeigen. Capa dokumentierte, nahm mit seinen Bildern aber auch Anteil. "Wenn Du nicht gut genug bist, bist Du nicht dicht genug dran", sagte er.