Kritiker fordern vom Bayer-Konzern ein Ende der Ausbeutung von Kindern

"13 Stunden täglich"

Nach Darstellung der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) sollen rund 500 Kinder zwischen 8 und 14 Jahren im vergangenen Jahr bei indischen Saatgut-Zulieferern des Bayer-Konzerns gearbeitet haben. "Die Kinder stehen bis zu 13 Stunden täglich auf den Feldern, verdienen weniger als 50 Cent am Tag und tragen wegen der hohen Pestizidbelastung oftmals Gesundheitsschäden davon", schreibt die Organisation. Bayer müsse in der nun startenden Pflanz-Saison "sicherstellen, dass bei seinen Zulieferern keine Kinder mehr ausgebeutet werden", fordert Philipp Mimkes von den Bayer-Kritikern. Der Konzern habe im Prinzip zugesichert, das Problem anzugehen.

Alle ehemaligen Kinderarbeiter müssten auf Kosten des Unternehmens eine Schulbildung erhalten, so Mimkes. Wegen der höheren Löhne, die an Erwachsene gezahlt würden, würden diese Maßnahmen in den betroffenen Regionen auch zu einer Verbesserung der sozialen Lage führen.

Nach internationalen Protesten habe Bayer im vergangenen Jahr einen Aktionsplan gestartet, "das Ziel der Eliminierung von Kinderarbeit bei seinen Zulieferern jedoch verfehlt" - meint die Coordination gegen BAYER-Gefahren. Die Organisation fordert den Chemiegiganten nun auf darzulegen, "welche Konsequenzen aus den Fehlern des Vorjahres gezogen wurden".

Bayer habe zwar im Frühjahr 2005 unter dem zynischen Titel "Harvest of Happiness" - "Glückliche Ernte" - eine breit angelegte Medienkampagne gestartet, jedoch erst im Juli die Zulieferer darauf hingewiesen, dass sie ohne Kinderarbeit produzieren sollten. "Zu diesem Zeitpunkt waren aber die Arbeitsverträge bereits unterschrieben, die meisten Zulieferer konnten die Belegschaft nicht mehr austauschen", so Mimkes.

Die Bayer-Kritiker hatten die Problematik vor drei Jahren in Deutschland öffentlich gemacht und eine Kampagne gestartet, der sich inzwischen zahlreiche Verbände angeschlossen haben. Gemeinsam mit dem Global March against Child Labour und Germanwatch reichte der Verein bei der OECD eine Beschwerde wegen Verletzung der Leitlinien für Multinationale Konzerne ein.

Die im letzten Jahr erfolgte Reduzierung der Kinderarbeit bei Zulieferern von BAYER sei "auf den Druck von Nichtregierungsorganisationen aus Deutschland zurückzuführen", meint Davuluri Venkateswarlu vom Glocal Research and Consultancy Service in Hyderabad. Der Arbeitswissenschaftler, dessen Untersuchungen die Kampagne ins Rollen gebracht hatten, fordert weitere Aktionen am Stammsitz von Bayer. "Es war ganz eindeutig, dass die Firma nur aufgrund des Drucks von europäischen Gruppen zu Diskussionen mit uns bereit war", so Venkatesvarlu. Nach Darstellung der Coordination gegen BAYER-Gefahren kennt Venkatesvarlu die Zustände auf den Feldern aus persönlicher Betroffenheit, weil seine acht Geschwister als Kinder auf Baumwoll-Feldern gearbeitet hätten.

Wie schon bei früheren Streitthemen bleibe der Konzern bei der Strategie, seine Kritiker in "gut" und "böse" aufzuteilen, kritisiert die Coordination gegen BAYER-Gefahren. "Während große Verbände zu Gesprächen eingeladen werden, ließ das Unternehmen ein im Bundeswirtschaftsministerium geplantes Gespräch platzen." Der Grund für die Absage sei die geplante Teilnahme der Coordination gegen BAYER-Gefahren gewesen, die "ideologisch motivierte Kampagnen" gegen den Konzern führe. "Dabei hatten die Veröffentlichungen des Vereins die Kampagne in Deutschland überhaupt erst ins Rollen gebracht", schreibt die Organisation.