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Ex-Umweltminister Töpfer gegen 3000 neue Atomkraftwerke

Siemensianer sprachlos

Der ehemalige deutsche Umweltminister und frühere Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms Professor Klaus Töpfer (CDU) hat auf einer Veranstaltung des Siemens-Konzerns der Atomenergie als Lösung für die Klimaprobleme eine klare Absage erteilt. Der CDU-Politiker war am 21. März in München Hauptredner des SiemensForums mit dem Titel "Nachhaltiges Wirtschaften im Zeichen des Klimawandels". Laut Töpfer bräuchte man weltweit rund 3000 neue Atomkraftwerke und wegen der Uranknappheit zudem noch einen Einstieg in die Brütertechnologie, um die Klimaprobleme mit Atomenergie wirksam zu bekämpfen. So stelle er sich die Zukunft für seine Enkelkinder nicht vor, so der CDU-Politiker, der als Umweltminister vor Jahren noch Stilllegungs-Forderungen für Atomkraftwerke zurückgewiesen hatte. Die auf der Veranstaltung anwesenden Siemensianer waren sprachlos. Die Siemens-Beteiligungsgesellschaft Framaome ANP ist der weltweit führende Anbieter von Atomkraftwerken.

Ganz ähnlich wie Töpfer hatten sich in der Vergangenheit die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW und die europäische Solarenergievereinigung EUROSOLAR geäußert. "Um nur 10 Prozent der fossilen Energie zu ersetzen", so die Verbände, "müssten größenordnungsmäßig 1000 zusätzliche Atomkraftwerke errichtet werden. Das ist absolut unrealistisch." Und selbst wenn es gelänge, "hätte man allenfalls 10 Prozent des Kohlendioxid-Problems vom Tisch".

Nach Darstellung der IPPNW gibt es für den Neubau von 1000 Atomkraftwerken "überhaupt nicht die industriellen Fertigungskapazitäten". Der Bau dieser Großanlagen würde mehrere Jahrzehnte dauern. Selbst in ihrem besten Jahr 1985 habe die Atomindustrie lediglich 34 Gigawatt, entsprechend 26 großen Atomkraftwerken, neu in Betrieb nehmen können. Seitdem seien aber die Fertigungskapazitäten für neue Atomkraftwerke deutlich gesunken. Der Zubau von 1000 neuen Atomkraftwerken würde also größenordnungsmäßig 40 Jahre Zeit beanspruchen, vermutet die Organisation. Auch wegen der knappen Uranvorräte hält die IPPNW die weitere Nutzung der Atomenergie für "den falschen Weg".

In Westeuropa sei derzeit gerade mal ein neues Atomkraftwerk in Finnland in Bau. "Und dort kommt es wegen des Pfuschs am Bau wie üblich zu nicht eingeplanten Verzögerungen."

Zuletzt ist auch Professor Klaus Traube in einer Studie für den Deutschen Naturschutzring (DNR) zu dem Ergebnis gekommen, dass man zustätzlich zu den bisherigen 335 Atomkraftwerken noch weitere 2100 Atomkraftwerke mit einer Leistung von jeweils 1000 Megawatt hinzubauen müsste, um damit die Hälfte der globalen Stromversorgung zu decken. Beim Zubau weiterer 2100 Atomkraftwerke aber würde sich die Reichweite der bekannten Uranvorräte von heute 70 dann auf nur noch 18 Jahre reduzieren, so Traube.

Die IPPNW forderte unlängst eine "ideologiefreie Bewertung" der Atomenergie. Die Atomkraftwerke würden weltweit nur 2,1 Prozent der benötigten Energie liefern und seien somit für die Energieversorgung der Menschheit "praktisch bedeutungslos". Allein Wasserkraftwerke würden schon mehr Strom produzieren als die Atomenergie. Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Energiekonzerne sollten "endlich damit aufhören, sich beständig an dieser 2-Prozent-Technik festzubeißen", fordert die Organisation.

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