Schavan gegen G8-Schulreform

"Diebstahl von Kindheit"

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sieht beim achtjährigen Gymnasium (G8) keinen Änderungsbedarf. Es werde "nirgendwo in Deutschland eine Rolle rückwärts geben", sagte Schavan am Dienstag bei der Eröffnung der Bildungsmesse didacta in Stuttgart. Überlegungen, die Lehrpläne etwa in den Naturwissenschaften zu entrümpeln, wies sie zurück. Wer glaube, die Schüler müssten beim G8 den gesamten Stoff vom neunjährigen Gymnasium lernen, habe die gesamte Reform nicht verstanden. Schavan sieht jedoch die Schulen bei der weiteren Umsetzung des G8 in der Pflicht, die notwendige Logistik zu schaffen und den Weg zur Ganztagsschule einzuschlagen.

Wer das achtjährige Gymnasium einführe, brauche dazu entsprechende Räume und mehr Personal. Die Ministerin appellierte an die Länder, trotz des Rückgangs der Schülerzahlen keine Einsparungen bei den Lehrerstellen vorzunehmen. Wenn die Ressourcen im System blieben, werde dies zu einem enormen Schub führen.

Scharfe Kritik äußerte Schavan an der aktuellen Diskussion um das deutsche Schulsystem. Manche seien der Meinung, die Hauptschule gehöre abgeschafft, die Realschule womöglich auch und das Gymnasium sei ohnehin "verkorkst". Dabei werde vermittelt, dass Schule "schädlich" und ein "Diebstahl von Kindheit" sei. Wer so über Schule rede, handle "fahrlässig", meint die CDU-Politikerin.

Schavan rief dazu auf, das Bildungssystem so weiterzuentwickeln, dass es Kindern und Jugendlichen gerecht werde. Notwendig sei "eine Atmosphäre wie vor 100 Jahren", als die Reformpädagogik ihre Geburtsstunde gehabt habe. Der damalige Leitsatz, wonach Kinder und ihre Erziehung maßgeblich für die Entwicklung einer Gesellschaft seien, müsse auch heute wieder gelten.