Klimawandel Deutschland - Retrospektive

Klima-Ausbade-Kampagne - Germanwatch: Verursacher des globalen Klimawandels sollen zahlen

"Wir können - gerade auch angesichts der aufrüttelnden Bilder entlang der Elbe - nicht länger der Frage ausweichen: Unser Klima geht baden - Wer haftet?", erklärte GERMANWATCH-Vorstandsmitglied Klaus Milke. "Auch wenn die Aufschiebung der Steuerreform nun kurzfristig die notwendige Hilfe für die Flutopfer bringt, die Verursacher des globalen Klimawandels, die Jahrzehnte lang Rekordgewinne mit fossilen Energieträgern eingefahren haben, können jetzt nicht so tun, als hätten diese Katastrophen mit ihnen nichts zu tun. Und die von Wetterkatastrophen besonders betroffenen Staaten sollten sich auch an diejenigen Regierungen wenden, die trotz extrem hoher pro-Kopf-Emissionen nicht einmal das Kyoto-Protokoll ratifiziert haben, vor allem an die USA und Australien", so Milke weiter. "Hier klafft eine riesige Gerechtigkeitslücke".

Die derzeitige Hochwasser-Solidarität in Deutschland sei beeindruckend. So könnten die aktuellen Schäden in vielen Einzelfällen gelindert werden. Da aber in Zukunft verstärkt mit Wetterkatastrophen zu rechnen sei, müssten auch strukturelle Lösungen gefunden werden. "GERMANWATCH fordert einen deutschen und europäischen Klima-Schadens-Fonds, der nach dem Verursacherprinzip gespeist wird", erklärt Milke. Anders als es sich in der derzeitigen Debatte abzeichnet, solle nicht einfach "der" Steuerzahler einzahlen oder weitere Bundeskredite zu Lasten künftiger Generationen aufgenommen werden. Vielmehr sollten die Unternehmen und Verbraucher, die besonders stark zum globalen Klimawandel beitragen, auch besonders viel einzahlen.

"In den Fonds sollten die Energieversorger je nach der Treibhausgas-Intensität der von ihnen in den letzten fünf Jahren angebotenen Energie, die Autohersteller je nach dem durchschnittlichen CO2-Ausstoß (und damit Spritverbrauch) ihrer Fahrzeugflotte einzahlen", erklärt Milke das Prinzip an zwei Beispielen. Durch solche Zahlungen der Verursacher des globalen Klimawandels werde nicht nur Klimaopfern geholfen, sondern auch ein Anreiz zur Verringerung des Treibhausgas-Ausstoßes gesetzt.

Eine Kommune oder ein Bauherr solle aber nur dann in den Genuss der vollen Entschädigung kommen, wenn die Risiken nicht unnötig gesteigert wurden. "Wer trotz bekannter Hochwassergefährdung wegen des hohen Freizeitwertes unbedingt in Wassernähe bauen musste, der sollte jetzt diese Risiken nicht auf andere abwälzen können.. Sonst entsteht ein weiterer Anreiz zu risikosteigerndem Verhalten, weil andere die Schäden bezahlen."

Auch auf globaler Ebene fordert GERMANWATCH, dass die einzelnen Staaten je nach ihrem Treibhausgas-Ausstoß in einen internationalen Klimaschadensfonds einzahlen. "Es kann nicht sein, dass der gegenüber dem Klimawandel besonders verletzliche Süden die Konsequenzen vorrangig ausbadet, obwohl er am wenigsten dazu beigetragen hat", so Milke. Alleine in China sind parallel zu den Unwettern in Deutschland bereits mehr als 1000 Menschen durch die Fluten umgekommen, 100 Millionen Chinesen könnten ernsthaft betroffen sein.

Im Osten Indiens werden inzwischen 550 Menschen tot gemeldet. Bangladesh wurde jetzt bereits von der zweiten großen Flutwelle in diesem Jahr getroffen. An der Ostküste Südafrikas gab es die heftigsten Regenfälle seit 30 Jahren. Die Landbevölkerung, die am wenigsten zum globalen Klimawandel beigetragen hat, ist am stärksten betroffen. Der Umwelt- und Entwicklungsgipfel in Johannesburg solle den Einstieg in das Verursacherprinzip gegenüber dem globalen Klimawandel bringen.

Entschieden weist GERMANWATCH die Forderung der CDU-Politikerin Erika Steinbach (Präsidentin des Bundes der Vertriebenen) zurück, Hilfen für die Flutopfer aus dem Entwicklungshaushalt zu finanzieren. "Die schwächsten Opfer des Klimawandels dürfen nicht auch noch die Konsequenzen der Flutkatastophe in Deutschland tragen, - die Verursacher müssen zahlen."

Am 21-08-2002

Klimawandel

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel plädiert als Ersatz für abzuschaltende Atomkraftwerke für erneuerbare Energien und für neue fossile Kraftwerke. "Was die Reaktoren produzieren, die bis 2012 vom Netz gehen, wird locker durch den Zuwachs an konventionellen Kraftwerken und durch erneuerbare Energien aufgefangen", sagte Gabriel der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Bei der Energieversorgung misst der Minister Kohle auch künftig "eine wichtige Rolle" zu. Der Europäische Solarenergieverband EUROSOLAR hatte kürzlich gefordert, die Atomkraftwerke weit überwiegend durch den Zubau erneuerbarer Energien und durch Kraft-Wärme-Kopplung zu ersetzen und diesen Vorschlag durch eine Studie untermauert. Die Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen sollten wiederum großteils durch erneuerbare Energien gespeist werden.

Nach der Vorstellung von Gabriel soll bis 2020 ein Viertel des Strombedarfs in Deutschland durch erneuerbare Energien wie Wasser-, Wind-, oder Sonnenkraft gedeckt werden. "Für den verbleibenden Anteil brauchen wir hocheffiziente Kohle- und Gaskraftwerke", meint der Minister und sprach zugleich von "aktivem Klimaschutz". Dieser bringe "Wettbewerbsvorteile" und schaffe Arbeitsplätze.

Die Vorstellungen des Umweltministers kommen den großen Energiekonzernen entgehen. Diese bauen oder planen derzeit 20 fossile Großkraftwerke auf der Basis von Braunkohle, Steinkohle und Erdgas und erwarten hierbei entsprechende Rückendeckung von der Politik: "Die Stromwirtschaft vertraut bei ihren Planungen darauf, dass die Politik mit langfristig verlässlichen Rahmenbedingungen ein solides Fundament für die Investitionen bietet", hatte VDEW-Hauptgeschäftsführer Roger Kohlmann kürzlich gefordert.

EUROSOLAR hingegen hält auf der Basis des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) bis 2020 eine Stromerzeugung ohne Atomkraftwerke und mit nur noch wenigen alten fossilen Großkraftwerke für möglich. Die erneuerbaren Energien könnten laut EUROSOLAR-Studie schon im Jahr 2012 mit 20 Prozent zur Stromerzeugung beitragen. Man müsse nur das derzeitige jährliche Einführungstempo beibehalten. Bis 2020 seien dann weitaus höhere Anteile erreichbar. Auf den Neubau fossiler Großkraftwerke - wie von den großen Energiekonzernen geplant - kann nach Auffassung des Verbandes verzichtet werden.

30 Prozent des derzeitigen Stromverbrauchs - so viel wie die deutschen Atomkraftwerke zur Versorgung beitragen - könne man allein durch die Windenergie decken. Nach Darstellung von EUROSOLAR-Präsident Hermann Scheer könnte man mit 20.000 neuen Windkraftanlagen mit einer Kapazität von jeweils 4,5 Megewatt eine Gesamtstrommenge von 200 Milliarden Kilowattstunden erzeugen. Die Leistungsklasse dieser Windkraftanlagen sei "teilweise auch grundlastfähig".

Ein derartiger Ausbau der Windenergie in Deutschland hält Scheer für gut machbar. Er verweist darauf, dass in Deutschland über 200.000 Hochspannungsmasten stünden, von denen sogar ein Großteil abgebaut werden könne, "wenn Großkraftwerke durch Windkraftanlagen und andere Anlagen erneuerbarer Energien ersetzt werden". "Die ambitionierte Windkraftnutzung führt also zu Landschaftsgewinnen", so Scheer.

Politische Voraussetzung dafür sei, die Planungshemmnisse zu beseitigen, "die vielerorts willkürlich den Bau von Windkraftanlagen verhindern und dabei insbesondere Nabenhöhen für Windkraftanlagen der 4,5 Megawatt-Klasse ausschließen". Windkraftanlagen dieser Größe hätten eine höhere "Anlagen- und Standorteffizienz". Scheer plädiert für eine "Standortrahmenplanung" für Windkraftanlagen, die "alle windgünstigen Standorte entlang der Bundesfernstraßen und der Eisenbahnlinien" erfasse und zu Vorranggebieten mache.

Am 18-05-2006

Klimawandel

Der rasante ökonomische Aufholprozess der E7-Staaten ("Emerging Economies") beschleunige die globale Klimaerwärmung nach Berechnungen der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC). Ohne eine wirksame Strategie zur Begrenzung der Emissionen drohe bis 2050 eine Verdoppelung der Kohlenstoffkonzentration in der Erdatmosphäre, deren ökologische und ökonomischen Folgen kaum absehbar seien. Dies geht aus der aktuellen PwC-Studie "The World in 2050: implications of global growth for carbon emissions and climate change policy" hervor.

So erreichten die E7-Staaten (Brasilien, China, Indien, Indonesien, Mexiko, Russland und die Türkei) derzeit nur rund 20 Prozent der Wirtschaftsleistung der G7 (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und USA). Dabei liege der Anteil der Schwellenländer am globalen Kohlenstoffausstoß bei 32 Prozent, verglichen mit knapp 39 Prozent für die G7-Staaten. Im Jahr 2050 dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der E7 allerdings um 25 Prozent über demjenigen der G7 liegen. Während der Anteil der etablierten Industriestaaten an den Kohlenstoffemissionen bis dahin auf knapp 24 Prozent sinken sollte, wären die E7 bei einer Fortschreibung des bisherigen Energieverbrauchs ("Baseline Scenario") für fast 50 Prozent der weltweiten CO-Emissionen verantwortlich.

Das globale Wirtschaftswachstum müsse jedoch nicht notwendigerweise zu Lasten des Klimaschutzes gehen. "Unsere Analysen zeigen, dass der Kohlenstoffausstoß durch die stärkere Nutzung alternativer Energiequellen, effizienteren Energieeinsatz und die Einrichtung von CO2-Speichern begrenzt und bis 2050 sogar unter das gegenwärtige Niveau gedrückt werden könnte", erläutert Manfred Wiegand, Global Utility Leader und Partner im Bereich Energy von PwC. Dabei läge das weltweite BIP im Jahr 2050 lediglich leicht unter dem Wert, der sich im "Baseline Scenario" ergäbe.

Zur Umsetzung dieser sogenannten "Green Growth Plus"-Strategie müssten die G7-Staaten jedoch ihre Schrittmacherfunktion noch stärker als bislang wahrnehmen. Innerhalb der Wirtschaftsgruppen entfalle auf einzelne Staaten eine besondere Verantwortung für die Begrenzung der Kohlenstoffemissionen. So trügen die USA im Jahr 2004 mit fast 23 Prozent zum globalen Ausstoß bei, auf die übrigen G7-Staaten entfielen zusammen lediglich weniger als 16 Prozent (Deutschland: 3,2 Prozent). Innerhalb der E7-Gruppe verursachten China und Indien nahezu 21 Prozent der weltweiten Emissionen.

Die von den PwC-Experten favorisierte "treib Growth Plus"-Strategie setze auf drei wesentliche Aspekte: Die Substitution fossiler Brennstoffe durch alternative Energiequellen, die Vermeidung von Emissionen durch sogenannte "Clean Coal Technologien" und den effizienten Energieeinsatz durch die Nutzung neuer Technologien zur Kohlenstoffspeicherung, bei der bereits freigesetzte Emissionen wieder gebunden werden. Im Ergebnis prognostiziert die Studie bei konsequenter Umsetzung der Strategie für 2050 eine Kohlenstoffkonzentration in der Atmosphäre von etwa 450 ppm (Parts per Million). Diese Konzentration läge zwar noch immer über dem aktuellen Wert von 380 ppm, wäre jedoch zur Stabilisierung der Klimaentwicklung voraussichtlich gering genug.

Demgegenüber würde die Kohlenstoffkonzentration im "Baseline-Szenario" bis 2050 auf rund 550 ppm ansteigen. "Damit würde sich das Klima global um voraussichtlich mehr als zwei Grad Celsius erwärmen. Nach Ansicht der meisten Klimaforscher wären ein Anstieg des Meeresspiegels, Überflutungen sowie extreme Wetterverhältnisse mit Dürren und Missernten unausweichliche und kaum kontrollierbare Folgen", so Dr. Moritz Nill.

Am 29-09-2006

"Veränderungen bereits heute spürbar"

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und der dänische Ministerpräsident Fogh Rasmussen wollen vom 24. bis 26. Juni Grönland besuchen, um sich persönlich von den Folgen des Klimawandels zu überzeugen. Zugleich wollen sie deutlich machen, "wie ernst es der Europäischen Union mit der Intensivierung der Bekämpfung des Klimawandels ist". Der Kommissionspräsident weiß breits, was ihn bei seinem Besuch erwartet: "Grönland ist vom Klimawandel mit am stärksten betroffen, denn die damit verbundenen dramatischen Veränderungen sind dort bereits heute spürbar. Wir werden im wahrsten Sinne des Wortes erleben, wie alles dahin schmilzt, wenn wir jetzt nicht handeln, und zwar nicht nur im Interesse Grönlands, sondern auch im Interesse Europas, ja der gesamten Welt. Das muss man mit eigenen Augen gesehen haben."

Barroso möchte eigenen Angaben zufolge "soviel wie möglich bei diesem Besuch lernen, der mir dabei helfen soll, andere davon zu überzeigen, dass der Klimawandel ein globales Problem ist, das globale Lösungen erfordert, und zwar nicht erst in zehn oder zwanzig Jahren, sondern jetzt", so der Kommissionspräsident.

Die G8-Staaten hätten sich darauf geeinigt, bis 2009 eine globale Einigung zu erzielen, so Barroso.

Diese Verpflichtung sei ein wichtiger Impuls für die Verhandlungen der Vereinten Nationen über den Klimawandel, die im Dezember 2007 in Bali beginnen "und die 2009 in Kopenhagen hoffentlich mit einer Post-Kyoto-Vereinbarung enden werden".

Während seines Besuchs wird Präsident Barroso mit Ministerpräsident Fogh Rasmussen und Premierminister Enoksen außerdem über die Beziehungen zwischen der EU und Grönland sprechen, insbesondere über Themen wie Wirtschaftsfragen, Meeressäugetiere und EU-Arktispolitik.

Die Europäische Union unterhält vielfältige Beziehungen zu Grönland, obwohl das zu Dänemark gehörende Land die EU bereits vor Jahren wieder verlassen hat. Zu diesen Beziehungen gehören unter anderem ein Partnerschaftsabkommen und ein Fischereiabkommen. Grönland besitzt den ÜLG-Status und gehört damit zu den überseeischen Ländern und Gebieten, die besondere konstitutionelle Bindungen zu EU-Mitgliedstaaten haben.

Am 20-06-2007

Mücken, Zecken, Ratten

Das Klima ist wesentlich für das Überleben und die Verbreitung von Krankheitserregern mit verantwortlich – auch für die Anzahl der im Freiland lebenden Überträger (Vektoren), beispielsweise Mücken, Zecken oder Nagetiere. So lautet das zentrale Ergebnis einer internationalen Tagung mit rund 140 Fachleuten, die das Umweltbundesamt (UBA) in Berlin organisierte. Für die menschliche Gesundheit haben von Tieren übertragene Krankheiten eine besondere Bedeutung, weil im Freiland lebende Überträger nach Auffassung der Wissenschaftler unmittelbar auf klimatische Veränderungen reagieren.

Mit dem Klimawandel steige das Risiko, dass neue und teilweise gefährlichere Krankheiten in Deutschland heimisch werden könnten. Im Freiland lebende Überträger würden zudem über globale Transportwege in entfernte Regionen verschleppt. "Treffen beispielsweise Mücken, Zecken oder Nagetiere am Ankunftsort auf für sie passende klimatische Bedingungen, Biotope und Wirte, so können sich die Überträger vermehren und verbreiten." Daher ist es nach Meinung der Expertinnen und Experten wichtig, auch in Deutschland systematisch im Freiland lebende Überträger zu überwachen. Nur so ließen sich mögliche Gefahren frühzeitig erkennen und Gegenmaßnahmen entwickeln.

Den Angaben zufolge gibt es Anzeichen, dass einheimische Mücken- und Zeckenarten bereits auf die sich ändernden klimatischen Bedingungen reagieren. "So verkürzen Zecken, die unter anderem Borreliose sowie Hirnhaut- und Gehirnentzündungen übertragen, regional ihre Winterruhephase." Infolge des letzten, milden Winters habe es dieses Jahr in Deutschland mehr Zecken gegeben.

Schmetterlingsmückenart - Leishmaniose

Mücken konnten offenbar zeitiger im Frühjahr erscheinen oder schneller ihre Entwicklung abschließen. "Regional kam es diesen Sommer häufiger zu Mückenplagen. Eine in Deutschland neuerdings vereinzelt nachgewiesene Schmetterlingsmückenart überträgt die ursprünglich im Mittelmeerraum heimische Leishmaniose. In Deutschland erworbene Leishmanioseerkrankungen bei einem Kind und bei einigen Hunden zeigen, was geschehen kann, wenn bisher hier nicht heimische Vektoren und Krankheitserreger klimatisch passende Bedingungen vorfinden", so der Umweltbundesamt.

UBA: Tiertransporte verbreiten Blauzungenkrankheit

Auch für die Ausbreitung der Blauzungenkrankheit bei Wiederkäuern soll der beobachtete Klimawandel eine wichtige Bedeutung bei der Ausbreitung von Nordafrika nach Süd- und Südwesteuropa haben. Die Temperaturabhängigkeit der Erreger "sowie Verschleppungen, die mit Tiertransporten entstehen, gelten als wesentliche Ursachen dafür, dass sich die Erreger seit dem letzten Jahr in Belgien, den Niederlanden, in Deutschland und in England verbreiteten".

Um mögliche Gefahren frühzeitig zu erkennen und Gegenmaßnahmen entwickeln zu können, halten es Klima- und Insektenforscher, Zoologen sowie Mediziner aus 14 europäischen Ländern für notwendig, die Vorkommen von Mücken, Zecken und Nagetieren systematisch zu überwachen. "Die nationalen Überwachungsprogramme für übertragbare Krankheiten befassen sich bisher überwiegend mit den Erkrankungen des Menschen. Überwachungsprogramme für Überträger - wie Mücken oder Zecken - gibt es nur in einzelnen europäischen Ländern. In Deutschland fehlen sie."

Sie sind aber nach Meinung der Fachleute erforderlich, um Gegenmaßnahmen frühzeitig mit Infektionsschutz und dem Umweltschutz in Einklang zu konzipieren und bei Bedarf anwenden zu können.

Am 18-10-2007

Konjunkturkrise und Klimawandel

Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace sind am Montag (16. März) auf die Türme der Deutschen Bank-Zentrale in Frankfurt am Main geklettert und haben dort ein riesiges Plakat angebracht. Auf dem zwölf Mal dreizehn Meter großen Banner hieß es: "Wäre die Welt eine Bank, hättet Ihr sie längst gerettet". Greenpeace fordert Bundesregierung damit auf, mehr Geld für Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern auszugeben.

Die Türme der Deutschen Bank stehen laut Greenpeace symbolisch für Banken, die wiederholt Unterstützung in Milliardenhöhe durch die Regierung erhalten haben. Während der Klimaschutz unter der fehlenden Handlungsbereitschaft der Bundesregierung leide, seien zum Beispiel für die Rettung der Hypo Real Estate einmalige Garantien in Höhe von 102 Milliarden Euro bereitgestellt worden, kritisierte die Umweltorganisation.

"Konjunkturkrise und Klimawandel lassen sich gemeinsam bekämpfen", sagte Greenpeace-Klimaexperte Karsten Schmid. Es sei Zeit für ein Investitionsprogramm in grüne Technologien, einen grünen "New Deal".

Nach Berechnungen der Organisation müssten die Industrieländer jährlich mindestens 110 Milliarden Euro aufbringen, um den weltweiten Treibhausgasausstoß wirksam zu begrenzen. Auf Europa, wo die Staats- und Regierungschefs diese Woche beim Frühjahrsgipfel über ihre Position zur Finanzierung des weltweiten Klimaschutzes entscheiden, entfallen den Angaben zufolge Zahlungen von 35 Milliarden Euro pro Jahr. Die Umweltschützer forderten, Deutschland müsse in der EU eine Führungsrolle einnehmen und mindestens sieben Milliarden Euro im Jahr bereitstellen.

Am 16-03-2009

Klimawandel

Das Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung geht davon aus, dass die Hitzewelle, die zum Beispiel 2010 zu verheerenden Waldbränden in Russland geführt hat, auf den Klimawandel zurückzuführen ist. Extreme Hitzewellen stellen aber nur eines der möglichen Extremwetterphänomene dar. In Zukunft wollen die Potsdamer Wissenschaftler auch die zu erwartende Häufigkeit anderer Wetterextreme untersuchen.

Inzwischen bestreiten fast nur noch Lobbyisten und Verschwörungstheoretiker, dass Wetterextreme durch den Klimawandel zunehmen. Worüber Wissenschaftler sich nur noch nicht einig sind ist, ob sich ein einzelnes Extremereignis generell auf den Klimawandel zurückzuführen ist. Die Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung haben nun eine Formel entwickelt, die genaue Aussagen ermöglichen soll.

Die Häufigkeit ist der Maßstab

Das klimatische System ist viel zu komplex, um sichere Aussagen treffen zu können. Die Einschätzungen der Klimaforscher zu den Ursachen und Folgen des Klimawandels unterliegen jedoch Wahrscheinlichkeiten, die bedrohlich sind. So behaupten die Wissenschaftler des Potsdamer Instituts, dass z. B. die Hitzewellen in Russland eine Folge des Klimawandels gewesen seien. Damit widersprechen sie einer Studie der University of Colorado, nach der dieses Extrem lediglich eine kurzfristige Klimaschwankung gewesen sei.

Wetterextreme sind an sich ein natürliches Phänomen. Die Häufigkeit ihres Auftretens kann aber der Maßstab für eine Unnatürlichkeit sein. Wann ist dann ein extremes Wetterphänomen eine normale Schwankung und wann der Ausdruck der fortschreitenden Erderwärmung?

80 Prozent mehr Extremwetter

In vielen Regionen der Erde waren in der letzten Vergangenheit noch nie dagewesene Wetterextreme zu beobachten, dabei steigt die weltweite Mitteltemperatur seit Jahrzehnten steil an. Die Untersuchungen der Forscher des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung haben nun ein Ergebnis: Die Häufigkeit von Wetterextremen ergibt sich aus dem Verhältnis des allgemeinen Erwärmungstrends zu den Schwankungen, die sich um diesen Trend herum bewegen. Das bedeutet, dass die Schwankungen innerhalb einer steigenden globalen Temperatur auch in ihren Extremen steigen. Es werden, je wärmer es wird, immer neue Rekordmarken erreicht werden.

Die Formel der Potsdamer setzt Erwärmungstrend und Schwankungen miteinander ins Verhältnis und ermittelt hieraus die Häufigkeit von Klimaextremen. Die Studie bestätigt dieses Verhältnis zu 80 Prozent. Von 100 Wetterextremen gäbe es nur 20 ohne Klimaerwärmung.

Katastrophen in Deutschland

Extreme Hitzewellen stellen aber nur eines der möglichen Extremwetterphänomene dar. Nun wollen die Potsdamer Wissenschaftler auch die zu erwartende Häufigkeit anderer Wetterextreme untersuchen. Auf ihrem Programm dürften dann etwa folgende extreme Wetterereignisse stehen, die es bislang 2011 zu beobachten galt: Extreme Hitzewellen stellen aber nur eines der möglichen Extremwetterphänomene dar. In Zukunft wollen die Potsdamer Wissenschaftler auch die zu erwartende Häufigkeit anderer Wetterextreme untersuchen.

Auf ihrem Programm dürften dann etwa folgende extreme Wetterereignisse stehen, die es bislang 2011 zu beobachten galt: Flut in Thailand, Extremwetter in Hessen, Dürre im Südpazifik, Taifun in Japan, Tornado-Alarm in den USA, zu warmer Sommer in Deutschland. Die Liste extremer Wetter, die auf das Konto der Erderwärmung gehen, ließe sich deutlich erweitern. Die Liste extremer Wetter, die auf das Konto der Erderwärmung gehen, ließe sich deutlich erweitern. Sturm, Hagel und Hochwasser werden auch in Deutschland in den kommenden Jahrzehnten häufiger und heftiger auftreten. Sturm, Hagel und Hochwasser - das sind die in Deutschland am häufigsten vorkommenden Naturkatastrophen.

Schadenerstatz der Energiekonzerne

Bis zum Ende des Jahrhunderts rechnet eine weitere Studie des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung mit einer Verdopplung oder sogar Verdreifachung von Schäden durch Überschwemmungen in Deutschland. Vor allem im Westen Deutschlands werden Winterstürme wie "Jeanette", "Lothar" oder "Kyrill" deutlich häufiger wüten.. Im Osten des Landes werden dagegen vor allem heftige Sommergewitter mit Starkniederschlägen und Hagelschlag öfter vorkommen. Die beste Prävention gegen Schäden durch den Klimawandel sei die Vermeidung von Kohlendioxid-Emissionen - etwa durch den Umstieg auf erneuerbare Energien. Je größer der Kohlenstoffdioxid-Ausstoß, desto extremer werden auch Unwetterschäden. Mag sein, dass der Klimawandel lange Zeit vor allem 'anderswo' stattzufinden schien - auch in Deutschland ist er längst angekommen. Diese extremen Wetter verursachen unter anderem bei den Versicherern hohe Kosten. Wenn nun die deutschen Energiekonzerne rund 15 Milliarden Euro Schadensersatz für den Atomausstieg einklagen und dieser ihnen gewährt wird, sollte dieser Betrag dann nicht dazu verwendet werden, einen Teil der Kosten zu begleichen, die durch kommende Extremwetterschäden entstehen?

Uwe Koch

Am 16-06-2012