Afghanischer Minister fürchtet nach BND-Bespitzelung angeblich um sein Leben

"Absurde Lüge"

Mit Empörung hat der afghanische Handels- und Industrieminister Amin Farhang auf die gegen ihn gerichteten Bespitzelungen des Bundesnachrichtendienstes (BND) reagiert. Gleichzeitig wies er in einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" den unterschwelligen Vorwurf auf das Schärfste zurück, er kooperiere mit den Taliban. Dem Blatt sagte Farhang weiter: "Durch diese absurde Lüge, ich sei eine Art Doppelagent, ist mein Leben und das meiner Familie in größter Gefahr." Der enge Vertraute des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai nannte die Abhörmaßnahme einen "beispiellosen Skandal". Er könne morgen auf der Straße erschossen werden, so Farhang.

Bei der Überwachung des Ministers war auch der E-Mail-Verkehr mit einer "Spiegel"-Reporterin vom BND ausgespäht worden. Die Verbindung zwischen einem Moslem mit einer Christin gilt in Afghanistan als lebensgefährlich.

Farhang sagte der Zeitung, er habe erfahren, dass der BND seinen Computer im Büro manipuliert habe. Er gehe davon aus, dass nicht nur einer seiner Computer für wenige Monate überwacht wurde, wie der BND behauptet. "Ich habe das Vertrauen verloren und nehme an, dass deutsche Agenten alle meine Telefone und E-Mails noch immer überwachen."

Sollte dieser Vorwurf zutreffen, wären auch zahlreiche Telefonate und E-Mails eines Redakteurs der "Neuen Osnabrücker Zeitung" überwacht worden, hieß es weiter.