Sozialdemokraten holen externen Medienberater für den Bundestagswahlkampf 2009

"Kampa 09"

Knapp 16 Monate vor der Bundestagwahl sind in der Berliner SPD-Zentrale die organisatorischen Vorbereitungen angelaufen. Die Parteispitze beschloss am 2. Juni, sich für die "Kampa 09" professionellen Rat von außen ins Willy-Brandt-Haus holen. Ein erfahrener Medienprofi werde neben ihm als "strategischer Koordinator" an der Spitze der Kampagne stehen, kündigte Generalsekretär Hubertus Heil nach einer Sitzung des SPD-Präsidiums an.

Wer den Posten übernehmen soll, werde erst nach der Nominierung des SPD-Kanzlerkandidaten entschieden, betonte Heil und schloss zugleich einen "frühzeitigen Wahlkampf" aus. Die Sozialdemokraten wollten sich in diesem Jahr ganz der Arbeit in der großen Koalition widmen, wo noch "über 100 Projekte" der Umsetzung harrten. Jetzt gehe es lediglich um organisatorische und inhaltliche Vorbereitungen. Die "heiße Phase" des Wahlkampfes werde dann im Sommer nächsten Jahres beginnen.

Klar sei aber schon jetzt, dass die SPD "auf der Höhe der heutigen Zeit Wahlkampf führen" wolle, sagte Heil. Man werde dafür die Mittel "effektiv einsetzen", nämlich dafür, "was die Menschen direkt erreicht". Ein wichtige Rolle solle das Internet spielen. Die Sozialdemokraten wollten beim Wahlkampf im Netz "neue Standards in Deutschland setzen", kündigte der Generalsekretär an.

Erstmals hatte die Sozialdemokraten im Jahr 1998 mit einer "Kampa" das bürgerliche Lager das Fürchten gelehrt. Der damalige Bundesgeschäftsführer Franz Müntefering und sein Wahlkampfchef Matthias Machnig inszenierten den Triumph Gerhard Schröder und damit seinen Einzug ins Kanzleramt. Frischer, moderner, professioneller und schlagkräftiger war der Wahlkampf der SPD, das musste auch eine staunende Union einräumen, die die Methoden später kopierte.

1998 orientierten sich die Sozialdemokraten an US-Vorbildern. Auch diesmal wird Generalsekretär Heil zum Nominierungsparteitag der Demokraten im August nach Denver reisen, um sich neueste Trends abzugucken. Die SPD werde aber "keinen amerikanischen" sondern einen "modernen deutschen Bundestagswahlkampf" machen, versicherte Heil.

Der Import von Medienprofis in den Politikbetrieb hat auch bei den deutschen Volksparteien Tradition. So arbeitet der langjährige Leiter des Hauptstadtbüros der "Bild am Sonntag", Ulrich Deupmann, seit 2006 als Redenschreiber für Außenminister und SPD-Vize Frank-Walter Steinmeier. Der ehemalige Chefredakteur des Boulevardblattes, Michael Spreng, war Berater von Unions-Kanzlerkandidat und CSU-Chef Edmund Stoiber im Wahlkampf 2002. Ein erfahrener Medienprofi also soll die SPD im kommenden Jahr mit in die Europa- und Bundestagswahlen führen. Das dürfe aber natürlich niemand sein, der nur "sich selbst verkauft", präzisierte Heil die Stellenausschreibung.