Sudan Rückblende

Sudan - Sicherheitslage für Helfer und Flüchtlinge in Darfur dramatisch verschlechtert

Die Sicherheitslage in der sudanesischen Krisenregion Darfur hat sich dramatisch verschlechtert. "Es kommt täglich zu Überfällen auf Lastwagen mit Hilfsgütern", berichtet der Projektleiter der Deutschen Welthungerhilfe in Nord-Darfur, Jonas Wiahl. "Die Versorgung der Flüchtlinge ist massiv bedroht." Die wichtigste Verbindungsstraße in Nord-Darfur musste aus Sicherheitsgründen mehrere Tage gesperrt werden. Beim jüngsten Vorfall wurde ein Konvoi der Deutschen Welthungerhilfe nördlich der Stadt Kutum in Nord-Darfur von 11 Männern auf Pferden angegriffen. Die zu Hilfe gerufenen Soldaten der sudanesischen Regierung vertrieben die Angreifer. Bei dem Schusswechsel wurde niemand verletzt.

Die Deutsche Welthungerhilfe kritisiert, dass der Einsatz der Truppen der Afrikanischen Union (AU) bislang ohne sichtbare Wirkung geblieben ist. Zur Zeit umfasst die AU-Mission in Darfur ungefähr 750 Sicherheitskräfte, Beobachter und Verwalter. "Es sind keine Soldaten in den Flüchtlingslagern, um für Schutz und Sicherheit zu sorgen", sagte Wiahl.

Die Hilfsorganisation fordert die deutsche Regierung dazu auf, sich für einen effektiven Einsatz der AU-Truppen einzusetzen. Neben der Versorgung der Flüchtlinge dürfe auch das Ziel nicht aus den Augen verloren werden, die Menschen wieder in ihre Heimatdörfer zurückzuführen, damit sie sich wieder selbst versorgen können. "Ohne Schutz und Sicherheit ist keine geordnete Rückführung möglich", sagte Wiahl. "Die Menschen in Darfur leben noch immer in Angst und Schrecken."

Am 11. Nov. 2004 unter: welt-online

Regierung will UN-Sanktionen

Unicef, die Bundesregierung und die diesjährige Unicef-Partnerstadt Frankfurt am Main rufen die Bevölkerung zu Spenden für die Flüchtlinge in der sudanesischen Krisenregion Darfur auf. Nach Einschätzung von Unicef Deutschland ereignet sich dort eine humanitäre Katastrophe, da nunmehr die Regenzeit begonnen hat und täglich 10 bis 15 Kinder sterben. Gleichzeitig will die Bundesregierung auf Sanktionen der Vereinten Nationen (UNO) gegen die an dem Flüchtlingselend mutmaßlich mitverantwortliche Regierung des Landes dringen, wie Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) am Freitag in Frankfurt am Main sagte.

Die schwarzafrikanischen Flüchtlinge sind von arabischen Dschandschawid-Milizen vertrieben worden. In Massen - ihre genaue Zahl ist unbekannt, dürfte aber in die Hunderttausende gehen ? leben sie an der Grenze zwischen Sudan und Tschad in Lagern aus notdürftig errichteten Grashütten. Da die Behausungen gegen die Regenfälle nur unzureichenden Schutz bieten, breiten sich hygienebedingte Krankheiten wie Durchfälle schon jetzt aus. Unicef fürchtet zudem einen Ausbruch der Cholera.

Wieczorek-Zeul nannte neben der Versorgung der Flüchtlinge deren Sicherheit als den "zentralen Punkt". Bislang habe die sudanesische Regierung ihre Zusagen zur Entwaffnung der Milizen nicht eingehalten. Sie appellierte deshalb an den UN-Sicherheitsrat, Sanktionen wie ein Waffenembargo oder das Einfrieren von Auslandskonten zu verhängen. "Wir müssen alles tun, um einen Völkermord in Zeitlupe zu verhindern", unterstrich die Ministerin.

Am 23. Jul. 2004 unter: nachrichten

Nahrungsmittel und Moskitonetze für die Flüchtlinge in Darfur

Die Hilfsorganisation WORLD VISION verstärkt ihre Hilfe für die Opfer des Bürgerkrieges im Westen des Sudan. Zur Zeit werden 9.600 Moskitonetze verteilt, die mit einem Flieger von Nairobi nach Nyala eingeflogen wurden. Der Bedarf an Moskitonetzen ist wegen der einsetzenden Regenzeit riesig. Bisher gibt es in Nyala kaum Netze. Die Netze werden vor Ort von Ärzte ohne Grenzen verteilt. Ein erster WORLD VISION-Hilfsflug für sudanesische Flüchtlinge war zuvor von Hannover aus in Ndjamena im Tschad gelandet. Weitere Hilfslieferungen sind derzeit Vorbereitung. WORLD VISION hatte sich auch am Hilfsflug der "Aktion Deutschland Hilft" beteiligt.

Gemäß einer Vereinbarung mit dem UN-Welternährungsprogramm wird WORLD VISION in den nächsten Wochen in 17 Vertriebenenlagern in Darfur Nahrungsmittel verteilen. Zur Zeit befinden sich humanitäre Helfer von WORLD VISION im Flüchtlingslager von Kalma, das Staatsministerin Kerstin Müller vor wenigen Tagen besuchte. "Für diese Nahrungsmittelverteilungen ist es höchste Zeit, weil jetzt Tausende von Menschen vom Hunger bedroht sind", sagt Philippe Guiton, der Programmleiter für Sudan. "Menschen werden sterben, wenn wir nicht sofort damit anfangen."

Derweil forderte Dr. Wolfgang Jamann, Leiter der Humanitären Hilfe von WORLD VISION Deutschland, es müsse alles getan werden, um die Sicherheit der Flüchtlinge in Darfur, insbesondere der Kinder, zu gewährleisten. "Erst wenn die Janjaweed-Milizen ihre Waffen abgegeben haben, können die Flüchtlinge daran denken, in ihre Heimat zurückzukehren", sagte Jamann. Jamann begrüßte die Bemühungen der Bundesregierung, insbesondere des Auswärtigen Amtes, um eine politische Lösung des Konfliktes.

WORLD VISION Deutschland e.V. ist ein überkonfessionelles christliches Hilfswerk mit den Arbeitsschwerpunkten langfristige Entwicklungshilfe und humanitäre Nothilfe. Rund 170 Projekte werden momentan in 45 Ländern durchgeführt. WORLD VISION Deutschland ist Teil der weltweiten WORLD VISION-Partnerschaft mit rund 20.000 Mitarbeitern in fast 100 Ländern. WORLD VISION unterhält offizielle Arbeitsbeziehungen zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) und arbeitet eng mit dem Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) zusammen.

Am 15. Jul. 2004 unter: welt-online

Auswärtiges Amt stellt Kommunikationsmittel für AU-Mission zur Verfügung

Auf Bitten der Afrikanischen Union (AU) stellt das Auswärtige Amt dringend benötigte Kommunikationsmittel für die Mission zur Überwachung des Waffenstillstands in Darfur, Sudan, zur Verfügung. Dabei handelt es sich um Satellitentelefone, Funkgeräte und weitere Kommunikationsausrüstung. Die Geräte werden in Kürze auf dem Luftweg nach Khartum transportiert und dort der AU übergeben. Ziel dieser technischen Unterstützung ist es, möglichst schnell die volle Einsatzfähigkeit der AU-Mission herzustellen, die seit gestern durch rund 150 ruandische Soldaten in Darfur verstärkt wird.

Durch die Lieferung der Kommunikationsausrüstung unterstreicht die Bundesregierung ihre Unterstützung für die Mission der AU. Auch im Rahmen der Europäischen Union hatte sich die Bundesregierung für eine Unterstützung der AU-Mission stark gemacht, die nun aus Mitteln der EU-Friedensfazilität für Afrika mit 12 Mio. Euro gefördert wird.

Darüber hinaus hatte das Auswärtige Amt der AU bereits bilateral 1 Mio. Euro zur Verfügung gestellt, mit denen die Versorgung des Hauptquartiers und der Außenstützpunkte der Darfur-Mission unterstützt und der Transport von Beobachtern und Versorgungsmaterial finanziert wird.

Am 17. Aug. 2004 unter: welt-online

Neue Luftbrücke für Flüchtlinge in Darfur verstärkt Hilfsoperation

Angesichts der wachsenden Krise in Darfur errichtet das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) von Genf aus eine weitere Luftbrücke. In sechs Flügen werden 720 Tonnen Hilfsgüter und Geländefahrzeuge nach Darfur transportiert. Ziel der neuen Luftbrücke ist es, die Tausenden von Notleidenden zu erreichen, die immer noch keine humanitäre Hilfe erhalten haben.

Eine Antonov 124 - eines der größten Frachtflugzeuge der Welt - wird auf sechs Flügen 55 Lastwagen, 27 Geländefahrzeuge, zehn Zelthangars, medizinische Ausrüstung, Medikamente, Wasser- und Kraftstofftanks, Ersatzteile, Reifen und sonstiges Material mit einem Gesamtgewicht von 720 Tonnen transportieren. Vor Ort werden Dutzende von Konvois die meisten Hilfsgüter und Ausrüstungen durch schwieriges Gelände, das wegen der derzeitigen Regenfälle noch schwerer befahrbar wurde, in die drei abgelegenen Hauptorte der drei Provinzen Darfurs transportieren.

Die neue Luftbrücke aus Genf soll die zwei wöchentlichen Flüge aus dem Rotkreuz-Zentrallager in Nairobi ergänzen. Das Deutsche Rote Kreuz hat bereits vier Hilfsflüge aus Deutschland in die Region gebracht und betreibt mit dem IKRK und dem Sudanesischen Roten Halbmond zwei Gesundheitsstationen in El Fasher, der Hauptstadt von Nord-Darfur. In El Fasher halten sich zur Zeit ca. 70.000 Flüchtlinge auf. Decken, Plastikplanen und Nahrungsmittel wurden ebenfalls vom DRK nach Darfur gebracht.

Die humanitäre Arbeit für die sudanesischen Flüchtlinge im Sudan und im benachbarten Tschad ist der zur Zeit größte Einsatz der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung weltweit. Über 100 ausländische Mitarbeiter befinden sich in Darfur. Sie werden von 300 lokalen Angestellten und tausenden Freiwilligen vom Sudanesischen Roten Halbmond unterstützt.

Am 26. Aug. 2004 unter: welt-online

Flüchtlinge aus Darfur sollen ungefährdet zurückkehren können

Die Vorsitzende der Deutschen Welthungerhilfe, Ingeborg Schäuble, ruft die internationale Gemeinschaft dazu auf, den Druck auf den Sudan zu verstärken, um eine sichere Rückkehr der Flüchtlinge in ihre Heimatdörfer zu ermöglichen. Dreißig Tage nach Verabschiedung der UN-Resolution zum Sudan zieht Schäuble nach ihrer Rückkehr von einer einwöchigen Reise in den Sudan eine gemischte Bilanz: "Die Versorgung der Flüchtlinge hat sich verbessert, nicht jedoch die Sicherheitslage. Die Flüchtlinge misstrauen den Sicherheitskräften, daher wagen sie es nicht, in ihre Heimatdörfer zurückzukehren." Viele Flüchtlinge berichteten von fortdauernden Überfällen.

Die Deutsche Welthungerhilfe versorgt zur Zeit 80.000 Flüchtlinge in Nord-Darfur mit Nahrungsmitteln. Außerdem baut die Organisation Notunterkünfte und einfache sanitäre Einrichtungen. Mit diesen Hilfsmaßnahmen erreicht sie etwa zehn Prozent der Kriegsopfer, die an knapp 50 Standorten in Darfur und im benachbarten Tschad von internationalen Hilfsorganisationen versorgt werden. Zur Zeit können nur etwa 80 Prozent der geschätzten eine Million Flüchtlinge erreicht werden.

Nach Angaben von OCHA, dem Koordinierungsbüro der Vereinten Nationen für humanitäre Hilfe, könnte die Zahl der Notleidenden bis Ende des Jahres auf zwei Millionen steigen. Wegen der Kriegshandlungen konnten nur 20 Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche in Darfur bebaut werden. Außerdem setzte die Regenzeit in diesem Jahr zu spät ein. Daher müssen die Flüchtlinge mindestens bis zur nächsten Ernte im November 2005 versorgt werden. "Wenn die Flüchtlinge nicht bald zurückkehren können, hängen sie noch länger am Tropf der internationalen Gemeinschaft", sagte Schäuble.

In Kutum, etwa 100 Kilometer nordwestlich der Provinzhauptstadt von Nord-Darfur, El Fasher, arbeitete die Welthungerhilfe seit 1999 an einem langfristig angelegten Ernährungssicherungsprogramm. Wegen der Kampfhandlungen in der Region musste das Projekt abgebrochen werden. Seit Mai 2004 leistet die Organisation Nothilfe.

Am 30. Aug. 2004 unter: welt-online

Sudan

Die Hilfsmaßnahmen im sudanesischen Süd-Darfur reichen noch immer nicht aus, um die Vertriebenen angemessen zu versorgen. Dies zeigen Studien, die die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in den vergangenen Wochen in Vertriebenenlagern in Süd-Dafur durchgeführt hat. Die Unterernährungs- und Sterblichkeitsraten liegen demnach deutlich über dem Schwellenwert für eine akute Krise. Die Organisation warnt vor einer Verschlimmerung der Lage, wenn die Hilfe nicht ausgeweitet wird.

Im Vertriebenenlager Kalma bei Nyala haben rund 66.000 Menschen Schutz vor Gewalt gesucht. Ärzte ohne Grenzen behandelt dort derzeit 3.900 unterernährte Kinder. "Es ist eine Schande, dass die Vertriebenen noch immer ohne angemessene Nahrungs-mittel- und Sanitärversorgung leben, obwohl das Lager nur wenige Minuten von einem internationalen Flughafen entfernt liegt", sagte Vince Hoedt, Projektkoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Süd-Darfur. Die Menschen sind völlig abhängig von Nahrungsmittellieferungen.

Ärzte ohne Grenzen zufolge reichen sie noch immer nicht aus, um den Bedarf zu decken, zumal täglich mehr Menschen vor der anhaltenden Gewalt in die Lager fliehen. "Die internationale Gemeinschaft und die sudanesische Regierung haben es nicht geschafft, angemessen auf die Bedürfnisse der Vertriebenen zu reagieren", so Hoedt.

Eine Untersuchung, die Ärzte ohne Grenzen Anfang September 2004 in Kalma durchgeführt hat, zeigt, dass 23,6 Prozent der Kinder unter fünf Jahren unterernährt sind. Davon brauchen 3,3 Prozent sofortige Hilfe, um zu überleben. Gleichzeitig zeigt eine rückblickende Sterblichkeitsstudie, dass in den vergangenen sieben Monaten 2.500 Menschen starben, unter ihnen 1.100 Kinder. Diese Zahlen liegen weit über dem Schwellenwert für eine akute Krise. Zu den häufigsten Todesursachen im Lager Kalma gehören Durchfall und die Folgen von Gewalt.

"Die Situation ist immer noch dramatisch. Die Vertriebenen fühlen sich nicht sicher und haben Angst, in ihre Dörfer zurückzugehen, wo weiter Gewalt herrscht. Jeden Tag kommen mehr Menschen in den Lagern in Süd-Darfur an", sagte Vince Hoedt. "Solange die Hilfe nicht ausgeweitet und langfristig garantiert wird, sterben die Menschen weiterhin an vermeidbaren Krankheiten und Unterernährung." Mehr als 200 internationale und rund 2.000 sudanesische Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen helfen etwa 700.000 Vertriebenen an 26 Orten in der Provinz Darfur.

Am 27. Sep. 2004 unter: welt-online

Sudan

Die Vorsitzende der Deutschen Welthungerhilfe, Ingeborg Schäuble, begrüßt die Aufstockung der Truppen der Afrikanischen Union (AU) in der westsudanesischen Krisenregion Darfur als Schritt in die richtige Richtung, hält sie jedoch für nicht ausreichend. "Wichtig ist ein robustes Mandat, um die Zivilbevölkerung vor den fortdauernden Übergriffen zu schützen", sagte Schäuble. "Die Entsendung der zusätzlichen Beobachter und Truppen muss schnell erfolgen und vor allem die Gebiete umfassen, in denen sich Flüchtlingslager befinden."

Die internationale Gemeinschaft müsse sich verstärkt darum bemühen, die sudanesische Regierung und die Rebellen zu einer friedlichen Einigung zu bringen, sagte Schäuble. "Wenn die Flüchtlinge nicht bald zurückkehren können, hängen sie noch länger am Tropf der internationalen Gemeinschaft." Mit den 220 Millionen Dollar für die AU-Mission, die zu einem großen Teil von der EU getragen werden, könne sich die internationale Gemeinschaft nicht von der Verantwortung freikaufen.

Die Welthungerhilfe versorgt zur Zeit rund 100.000 Menschen in Nord-Darfur mit Nahrungsmitteln. Neben den Flüchtlingen in den Lagern gibt es Zehntausende, die wegen der Kämpfe ihre Felder nicht bestellen konnten. "Viele Dörfer sind gespenstisch leer, die Bewohner haben sich offenbar in umliegende Hügel geflüchtet", berichtet der Projektleiter der Welthungerhilfe in Nord-Darfur, Jürgen Mirtschink, der gerade von einer einwöchigen Reise in das Gebiet nördlich der Provinzhauptstadt El Fasher zurückgekehrt ist. Zudem ist die Regenzeit in diesem Jahr sehr schlecht ausgefallen. "Die Vorräte der Menschen sind fast aufgebraucht."

Am 22. Okt. 2004 unter: welt-online

Sudan

Trotz vieler Versprechen ist es der sudanesischen Regierung und der internationalen Gemeinschaft nicht gelungen, in der Region Darfur für genügend Sicherheit und Hilfe zu sorgen. Dies ist das Ergebnis eines Berichts, den die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen am Montag in Berlin veröffentlichte. Nach Ansicht der Organisation muss die Hilfe für die Menschen dringend aufgestockt und verbessert werden. Außerdem müsste sie verstärkt auch an entlegenen Orten geleistet werden, wo die Vertriebenen Zuflucht gesucht haben. Zudem sei es unabdingbar, die Gewalt zu stoppen, die an vielen Orten noch immer alltäglich sei.

Rund 1,8 Millionen Menschen sind in der Folge der seit einem Jahr andauernden Gewalt aus ihren zerstörten Dörfern geflohen. Der Bericht zeigt die Allgegenwärtigkeit der Gewalt und die Folgen der Grausamkeiten, die den Menschen angetan wurden. Die Vertriebenen fühlen sich in den Lagern nicht sicher, in denen sie Zuflucht gefunden haben. Sie berichten, dass die Lager teilweise von denjenigen bewacht werden, die zuvor ihre Dörfer verbrannt und ihre Familienmitglieder getötet haben. Die meisten sind eingeschüchtert und haben Angst davor, nach Hause zurückzugehen.

"So viele Worte und Versprechen hochrangiger Politiker, doch vor Ort hat sich die Sicherheitslage für die Menschen kaum verbessert", sagte Ton Koene, Programmleiter von Ärzte ohne Grenzen für die Krisenregion Darfur. "Sowohl die Gewalt als auch das Leiden Hunderttausender Menschen in Darfur gehen weiter - jeden Tag."

Untersuchungen, die Ärzte ohne Grenzen in den vergangenen Monaten durchgeführt hat, zeigen, dass Gewalteinwirkung eine der Haupt-Todesursachen bei Menschen über fünf Jahren ist. Zudem wirken sich Vertreibung, schwierige Lebensumstände und Nahrungsmittelengpässe sehr negativ auf die Gesundheit der Bevölkerung aus. Die Haupt-Todesursachen durch Krankheiten sind Durchfall, Atemwegsinfektionen und Malaria. All diese Erkrankungen sind vermeidbar und darauf zurückzuführen, dass die Menschen keine angemessenen Unterkünfte haben, in schrecklichen sanitären Verhältnissen leben und nicht genügend sauberes Trinkwasser erhalten.

Das Programm in Darfur ist nach eigenen Angaben für Ärzte ohne Grenzen das größte der vergangenen Jahre. Die Organisation stößt mit ihren derzeitigen Aktivitäten an die Grenzen ihrer Kapazität. Mehr als 250 internationale und 2.500 sudanesische Mitarbeiter erreichen etwa 780.000 Vertriebene und Flüchtlinge in Darfur und im benachbarten Tschad.

Am 11. Nov. 2004 unter: welt-online