Nach der Wiederwahl Lukaschenkos sollen 26 Journalisten verhaftet worden sein

Weißrussland

Fünf Tage nach der Wiederwahl Alexander Lukaschenkos seien in der Nacht vom 23. auf den 24. März bei Razzien 13 Journalisten verhaftet worden. Seit Beginn der vergangenen Woche wurden in Weißrussland nach Darstellung von Reporter ohne Grenzen 26 unabhängige Journalistinnen und Journalisten festgenommen. Siebzehn von ihnen seien noch immer hinter Gittern und müssten zum Teil Gefängnisstrafen zwischen fünf und 15 Tagen absitzen, schreibt die Organisation. Reporter ohne Grenzen forderte die sofortige Freilassung der Inhaftierten.

Spezialeinheiten der Polizei hätten in der gleichen Nacht Hunderte von Demonstranten festgenommen. "Diese Verhaftungen dienen einzig und allein der Einschüchterung. Wir fordern die Behörden daher auf, die Journalisten umgehend frei und unabhängige Berichterstattung zuzulassen", fordert Reporter ohne Grenzen. Die Menschenrechtsorganisation zur Verteidigung der Pressefreiheit appellierte an ausländische Botschafter sowie Vertreter benachbarter Länder, sich für die inhaftierten Journalisten einzusetzen.

Unter den in der Nacht vom 23. auf den 24. März Festgenommenen seien vier Mitglieder der Weißrussischen Journalistenvereinigung (BAJ), einer Partnerorganisation von Reporter ohne Grenzen gewesen. Gegen drei Uhr morgens wurden Vadim Kaznacheyeu, Tatsiana Sniko sowie Artsiom Liava, Korrespondent und Fotograf der Wochenzeitung "Nasha Niva" sowie Tatiana Vanina verhaftet. Sie würden an einem unbekannten Ort festgehalten.

Weiterhin sollen festgenommen worden sein: Vitali Vasilkov, Korrespondent der "Deutschen Welle" in Moguiliev (im Osten des Landes), am 23. März zu sieben Tagen Gefängnis verurteilt. Alexei Salej, Online-Redakteur bei "Pahonia", wird seit dem 24. März in Grodno (im Westen des Landes) festgehalten, wo er auf eine Verurteilung wartet. Valeryi Chtchukine, Korrespondent der Zeitung "Narodnaya Volya" in Vitebsk (im Nordosten des Landes) war zunächst am 17. März verhaftet, dann am 23. freigelassen worden. Einen Tag später wurde er erneut verhaftet. Weronika Samolinska, Praktikantin bei der polnischen Tageszeitung "Gazeta Wyborcza" wurde am 27. März zu zehn Tagen Gefängnis verurteilt.

Auch ausländische Korrespondenten verhaftet

13 weitere Journalisten seien in Weißrussland hinter Gittern. Die meisten von ihnen wurden wegen "Vandalismus", "Teilnahme an verbotenen Veranstaltungen" oder "Beleidigung" zu bis zu 15 Tagen Haft verurteilt. Auch für ausländische Medien arbeitende Journalisten wurden offenbar verhaftet, darunter der nichtakkreditierte Kanadier Frederick Lavoie, Nino Giorgabiani und Georgiy Lagidze von der georgischen Sendergruppe "OGT" sowie Alexander Podrabinek von der russischen Nachrichtenagentur "Prima-News".

Lorraine Millot, Moskau-Korrespondentin der französischen Tageszeitung "Libération" war den Angaben zufolge am 24. März in Minsk verhaftet, doch wenig später freigelassen worden. Am Sonntag sei Pavel Cheremet vom russischen Fernsehsender "Pervyi Kanal" (ehemals "ORT") festgenommen worden. Der bekannte Gegner des Lukaschenko-Regimes soll, so schreibt Reporter ohne Grenzen, am Montag vor seiner Entlassung zusammengeschlagen worden sein. Er müsse das Land binnen 48 Stunden verlassen.

Die Mehrzahl der festgenommenen Journalisten seien zumeist in das Untersuchungsgefängnis in der Okrestina-Straße gebracht worden, wo die Haftbedingungen miserabel seien. Die Zellen seien überfüllt und unbeheizt. Erdlöcher dienten als Toiletten und einfache Holzpritschen als Betten. Der Bruder des inhaftierten Frederick Lavoie, Jérémi Lavoie, zeigte sich gegenüber Reporter ohne Grenzen sehr besorgt. Er habe vom kanadischen Quebec aus versucht, die Freilassung seines Bruders zu bewirken. Doch habe er nicht einmal die zuständige Polizeistation herausfinden können. Die lokalen Behörden seien kaum zu erreichen, die Strukturen schwer zu durchschauen, sagte er.