Proteste gegen starre Haltung der Autoindustrie

Kein Filter gegen Ruß

Aus Protest gegen Bundeskanzler Gerhard Schröders Verharmlosung der Gefahren durch Dieselruß und die starre Haltung der Autoindustrie haben Greenpeace-Aktivisten am heutigen Donnerstag vor der SPD-Zentrale protestiert. Die deutsche Autoindustrie weigert sich bislang strikt, serienmäßig Rußfilter in ihre Fahrzeuge einzubauen. Gestern wandte sich der Kanzler gegen Belastungen für die Industrie und forderte, jetzt "beim Verbraucher Ruhe und Vertrauen zu schaffen". Derweil beziffert eine neue von Greenpeace in Auftrag gegebene Studie des Umweltprognose-Instituts in Heidelberg erstmals einen Teil des volkswirtschaftlichen Schadens von Dieselruß: Auf 2,5 Milliarden Euro beliefen sich jährlich die Kosten allein für Erkrankungen durch Dieselkrebs.

Die Studie bezieht sich auf 8000 Tote, die jedes Jahr an Lungenkrebs durch Dieselruß sterben. Die weiteren Krankheiten wie Asthma, Allergien und Herzkreislauf-Schäden seien noch nicht berücksichtigt.

"Der Bundeskanzler verrechnet sich, wenn er die Autoindustrie vor Investitionen schützt, die uns allen schädliche Abgase ersparen würden", erklärt Greenpeace Sprecher Günter Hubmann. Er unterstütze eine Industrie, die für den Steuerzahler Milliarden von Folgekosten verursache. Die Bürger sollten immer mehr Krankenkosten tragen, aber die Autoindustrie brauche für die Ursachen nicht gerade zu stehen.

Krebs auslösender Dieselruß könnte schon lange aus den Abgasen deutscher Diesel-PKW gefiltert werden. Nutzfahrzeuge werden seit Jahren mit der entsprechenden Technik ausgerüstet. Die Firma PSA baut zudem seit drei Jahren serienmäßig Filter in einige Modelle von Citroën und Peugeot ein. Die deutsche Automobilindustrie weigert sich jedoch bisher.

Für den Sachverständigenrat der Bundesregierung für Umweltfragen und die Weltgesundheitsorganisation WHO ist Dieselruß in den Städten das größte Luftverschmutzungsproblem. Deutsche Diesel-PKW stoßen jedes Jahr fast 9000 Tonnen Ruß aus. Die Emissionen von ungefiltertem Dieselkraftstoff wirken 10 bis 20 Mal Krebs erregender und produzieren einen höheren Ausstoß an Stickoxiden als ein vergleichbarer Benzinmotor.