Treibhausgas | Ursachen und Wirkung - 20 Jahre Berichterstattung

Energiepolitik contra Klimaschutz - Klimakonferenz bringt vermutlich keine Reduzierung der Treibhausgase

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisiert zum Abschluss der Weltklimakonferenz am Freitag in Bonn scharf die nationale Energiepolitik der Bundesregierung. Bundeswirtschaftsminister Müller behindere den Ausbau der Solarenergie und der Kraft-Wärme-Kopplung. Die Klimakonferenz ist nach Ansicht des BUND zwar ein diplomatischer Erfolg. Insbesondere durch die starke Anrechnung von Wäldern auf das Klimaschutzkonto der einzelnen Staaten seien aber sehr große Schlupflöcher entstanden. Ob es in der ersten Reduktionsphase von 2008 bis 2012 zu einer wirklichen Reduzierung komme, sei deshalb noch unklar.

Ursprünglich sah das Kyoto-Protokoll vor, den CO2-Ausstoß bis 2012 um 5,2 Prozent unter das Niveau von 1990 zu drücken. Nach Bonn seien höchstens noch 1,8 Prozent CO2-Einsparungen zu erreichen, errechneten Umweltschützer. Um eine Klimakatastrophe zu verhindern, müsste nach Einschätzung von BUND-Klimaexperte Mittler in den weiteren Verpflichtungsperioden bis 2050 der derzeitige CO2-Ausstoß deshalb um 80 bis 90 Prozentzurückgefahren werden. Reduktionen in dieser Größenordnung werden seit vielen Jahren übereinstimmend von den führenden Klimaforscher gefordert.

Mittler regte an, das nationale Klimaschutzziel noch höher zu stecken. Die bisherigen Anstrengungen, bundesweit bis 2005 den CO2-Ausstoß um 25 Prozent zu reduzieren, hätten viel Dynamik in den internationalen Prozess gebracht. Mit dem Ziel, bis 2020 rund 40 Prozent Kohlendioxid einzusparen, könne die Bundesregierung auch im "Post-Bonn-Prozess" ein Beispiel geben.

Die bisherigen Kohlendioxid-Einsparungen Deutschlands beruhen nicht primär auf einer aktiven Klimaschutzpolitik, sondern insbesondere auf dem Zusammenbruch des ostdeutschen Industrie nach der Wiedervereinigung. Insbesondere der ständig wachsende Autoverkehr macht die angestrebte 25-Prozent-Reduktion bis 2005 vorraussichtlich unmöglich.

Die nationale Energiepolitik von Wirtschaftsminister Werner Müller, einem ehemaligen Manager des Energie- und Atomkonzerns Veba (heute E.ON), konterkariert nach Ansicht des BUND die Klimaschutzpolitik. Nachdem bereits durch die Vereinbarung zwischen Bundesregierung und Industrie der Ausbau der Kraftwärmekopplung (KWK) gestoppt werde, habe die Bundesregierung nun auch die Bedingungen für den Einsatz erneuerbarer Energien erheblich verschlechtert.

Der BUND fordert die Regierung auf, den Ausbau der KWK nicht zu blockieren und die Kürzungen bei der Förderung von Solar- und Biomasseanlagen sofort rückgängig zu machen. Statt dessen müsse ein langfristiges Konzept zum Ausbau erneuerbarer Energien vorgelegt werden.

Dr. Angelika Zahrnt, BUND-Bundesvorsitzende: "Die Bundesregierung hat sich bei den Klimaverhandlungen in Bonn in dieser Woche für das Kyoto-Protokoll eingesetzt, um Fortschritte beim internationalen Klimaschutz zu ermöglichen. Wenn Wirtschaftsminister Müller nun auf der nationalen Ebene die Förderung für erneuerbare Energien zusammenstreicht, passt das einfach nicht zusammen. So kann die Bundesregierung weder die Einsparziele beim Kohlendioxid erreichen noch ihre Glaubwürdigkeit in der Klimapolitik beweisen."

Von den Kürzungen im Bereich erneuerbarer Energien seien vor allem junge, innovative Betriebe betroffen, die sich auf Entwicklung und Installation regenerativer Energietechnik spezialisiert haben. Für Solarkollektoren gebe es nach den neuen Richtlinien beispielsweise nur noch 170 statt bisher maximal 325 Mark Zuschuss pro Quadratmeter. Insbesondere träfen die Kürzungen Anlagen, die mit Biogas oder Holz Strom und Wärme produzieren. Das Ziel, den Anteil erneuerbarer Energien in den nächsten zehn Jahren zu verdoppeln, wird nach Ansicht des BUND durch diese Einschnitte in Frage gestellt.

Zahrnt meint, die Bundesregierung dürfe sich jetzt nicht "auf der Hängematte des Kioto-Vertrages ausruhen". Die Reduktion der Treibhausgase um 40 Prozent bis zum Jahr 2020 müsse das Ziel sein.

Am 27-07-2001

Klimapolitik

Bundeswirtschaftsminister Werner Müller sieht in der Kraft-Wärme-Kopplung einen wichtigen Baustein bei der Erreichung der klimapolitischen Ziele. Deutschland habe sich verpflichtet, 23 Millionen Tonnen weniger CO2 bis zum Jahr 2010 zu produzieren, sagte Müller im Bundestag. Mit der Kraft-Wärme-Kopplung sei dieses Ziel erreichbar.

Auch sollen sogenannte Brennstoffzellen gefördert werden. Das von der Bundesregierung vorgelegte Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz soll zum Jahreswechsel in Kraft treten. Mit der Neuregelung werden Anreize für Erhalt und Modernisierung bestehender Anlagen zur Stromerzeugung aus Kraft-Wärme-Kopplung geschaffen. Ziel ist es, die klimafreundliche Energieerzeugung in KWK-Anlagen zu sichern und auszubauen. Altanlagen sollen somit schneller außer Dienst gestellt werden.

Am 12-10-2001

Kalte Winter und Verkehr

In der Europäischen Union sind im zweiten Jahr in Folge die Treibhausgas-Emissionen gestiegen. Damit rückt die EU weiter von der Verpflichtung ab, die gesamten Treibhausgasemissionen im Zeitraum 2008 - 2012 um acht Prozent gegenüber 1990 zu verringern, wie aus der jüngsten Bestandsaufnahme der Europäischen Umweltagentur EEA hervorgeht. Die Emissionen der Treibhausgase, die für den weltweiten Klimawandel verantwortlich gemacht werden, lagen im Jahr 2001 Schätzungen zufolge um einen Prozent höher als im Jahr zuvor. Laut ersten Erhebungen soll dafür der kältere Winter in den meisten EU-Staaten, der den Brennstoffverbrauch erhöhte, verantwortlich sein. Hinzu kämen höhere Emissionen im Transportwesen und der größere Verbrauch fossiler Brennstoffe in der Strom- und Wärmeproduktion.

Den Hauptanteil der Treibhausgas-Emissionen machte mit 82 Prozent der Gesamtemissionen Kohlendioxid (CO2) aus. Der Anteil stieg zwischen 2000 und 2001 um 1,6 Prozent. Um den selben Wert stiegen sie auch gegenüber 1990. Korrigierte Zahlen zeigen, dass sich die CO2-Emissionen bereits 2000 auf dem Niveau von 1990 hielten. Ursprünglich war man optimistischer und ging für das Jahr 2000 von eine Senkung von 0,5 Prozent gegenüber 1990 aus. Die größten CO2-Emissionsanstiege verzeichneten Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Die CO2-Emissionen durch Strom- und Wärmeproduktion stiegen zwischen 2000 und 2001 um 1,5 Prozent, jene aus dem Transport um 1,3 Prozent.

Einen starken Emissionsanstieg gab es mit einem Plus von 7,3 Prozent in Finnland und 4,8 Prozent in Österreich. Ersten Analysen zufolge ist der Anstieg teilweise auf den kalten Winter, aber auch auf weniger Regen, der die Wasserkraftproduktion in beiden Ländern beschränkte, zurückzuführen. Sowohl Österreich als auch Finnland erhöhten folglich den Einsatz fossiler Brennstoffe für die Strom- und Wärmeproduktion. Irland, Spanien und Portugal sind nach der Bestandsaufnahme am weitesten vom EU-Ziel entfernt. Allein in Irland sind im Vergleich zum Referenzjahr 1990 die Emissionen um 31 Prozent gestiegen. Erlaubt wären 13 Prozent im Zeitraum 1990 bis 2008 - 2012.

Die EEA wird die Analyse über Emissionszahlen und Trends sowie aktuelle Prognosen für 2010 im Herbst dieses Jahres publizieren.

Am 06-05-2003

Expedition in die Antarktis

Am 21. Januar 2004 legt "Polarstern", Forschungsschiff des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI), in Kapstadt ab, um den dritten Abschnitt der 21. Antarktis-Expedition zu beginnen. 49 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus neun Nationen sind an Bord, um zu untersuchen, wie sich eine Düngung des Südozeans auf den Kohlenstoffaustausch zwischen Wasseroberfläche und Luft auswirkt. Kohlenstoff in der Form von Kohlendioxid spielt als Treibhausgas eine große Rolle bei der globalen Klimaerwärmung.

Schon im Jahr 2000 konnten Wissenschaftler an Bord von "Polarstern" zeigen, dass die Düngung mit Eisensulfat im Südozean eine Planktonblüte (Algenblüte) hervorruft. Beim Wachstum des pflanzlichen Planktons wird Kohlendioxid verbraucht, das im Wasser gelöst ist. Das dadurch entstandene Defizit an Kohlendioxid in den oberen Wasserschichten wird durch Aufnahme aus der Luft wieder ausgeglichen. An diesem Punkt wird das Experiment für die globale Klimaforschung interessant. Die Frage ist, ob das Treibhausgas Kohlendioxid, das aus der Luft in den Ozean transportiert wurde, auch im Ozean verbleibt. Zuvor war "Polarstern" nicht lange genug vor Ort, um zu beobachten, was weiter passiert. Das ist diesmal anders:

"Zehn Wochen müssten genügen, um zu beobachten, was mit den Algen und dem von ihnen aufgenommenen Kohlenstoff weiter geschieht. Werden sie von Tieren gefressen, dann werden sie biologisch zersetzt und der größte Teil des Kohlenstoffs gelangt über Atmung und Ausscheidung wieder in die Luft", sagt Fahrtleiter Prof. Dr. Victor Smetacek vom AWI. "Wenn sie nach der Blüte absterben und nach unten sinken, dann ist auch der Kohlenstoff dauerhaft der Atmosphäre entzogen."

Das Experiment wird im offenen Ozean bei etwa 50 Grad südlicher Breite durchgeführt. Ein geeigneter stabiler Wasserwirbel wird zurzeit im AWI anhand von Satellitenaufnahmen der Ozeanoberfläche ausgesucht. "Polarstern" wird in der Mitte dieses etwa 100 Kilometer breiten Wirbels auf etwa 150 bis 200 Quadratkilometern Eisensulfatlösung ausbringen. Mit Hilfe eines Laser-Messsystems (LIDAR) werden Wissenschaftler vom Helikopter aus das großflächige Algenwachstum beobachten. Sie werden die Wechselwirkungen zwischen Algen, Bakterien und verschiedenen Tierchen im gedüngten Fleck verfolgen.

Die Daten liefern auch wichtige Einblicke in die Lebenswelt des Planktons, das den Anfang der Nahrungskette im Meer darstellt. Die Wege des Kohlenstoffs, der ein wichtiger Bestandteil des Lebens auf der Erde ist, werden am AWI in interdisziplinären Projektgruppen erforscht.

"Polarstern" beendet diesen Fahrtabschnitt am 25. März in Kapstadt. Danach geht es für sechs Wochen ins antarktische Lazarewmeer, um zu untersuchen, wie die ökologisch bedeutendste Tierart der Antarktis - der antarktische Krill - den Winter überlebt. Erst am 2. Juni 2004 kommt "Polarstern" wieder nach Bremerhaven.

Am 16-01-2004

Kohlendioxid-Emissionen sollen reduziert werden

US-Anwälte haben gemeinsam mit den Generalbundesanwälten von acht Bundes-Staaten eine Klage gegen fünf große Energiekonzerne eingereicht. Sie fordern Einschränkungen der Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid. Derzeit diskutieren Experten, ob diese Taktik zu einer langsameren Klimaerwärmung beitragen wird. Das berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature. Die Anwälte haben die Klage bei einem New Yorker Gericht eingereicht. Die fünf beklagten Unternehmen sind für zehn Prozent der gesamten Kohlendioxid-Emissionen der USA verantwortlich.

Das Verfahren fällt unter das Gesetz des "öffentlichen Ärgernisses", das in den USA für Umwelt-Fälle, wo es um die Beschränkung von Luft- und Wasserverschmutzung geht, herangezogen wird, weil es eine Bedrohung für die Öffentlichkeit darstellt. Das Anwaltsteam argumentiert dahingehend, dass die globale Erwärmung unzählige zukünftige Risiken in Bezug auf Lungenerkrankungen, Hitzeschläge, Fluten, schrumpfende Eisschichten und die Bedrohung von Wildtieren darstellt.

Die Anwälte fordern die Unternehmen auf, ihre Kohlendioxid-Emissionen durch den Umstieg auf sauberere Treibstoffe und umweltfreundlichere Technologien um mindestens drei Prozent pro Jahr für die nächsten zehn Jahre zu reduzieren. "Es ist klar, dass wir handeln müssen", so Eliot Spitzer, Generalbundesanwalt von New York, bei einer Presskonferenz. Die Anwaltsgruppe gab als Grund für ihr Handeln das Versäumnis der Regierung an, die Produktion von Treibhausgasen einzuschränken. Die Regierung Bush hat freiwillige Reduktionen favorisiert, statt diese gesetzlich zu verankern.

Beobachter bezweifeln, dass ein Gerichtsverfahren der beste Weg ist, eine Reduktion der Kohlendioxid-Emissionen zu erreichen. Eines der beklagten Unternehmen, American Electric Power in Ohio, hat sich schon bereit erklärt, seine Kohlendioxid-Ausstöße bis 2006 um zehn Prozent zu reduzieren. Eine Sprecherin des Unternehmens sagte, eine Klage einzureichen sei kein konstruktiver Weg um dem Klimawandel zu begegnen.

Das Anwaltsteam vergleich den aktuellen Fall mit den Verfahren gegen die Tabakindustrie, in denen die Unternehmen für die Gesundheit von Rauchern verantwortlich gemacht wurden. Wenn die Kläger gewinnen, werden auch andere Unternehmen gezwungen ihre Emissionen von Treibhausgasen zu reduzieren. Aber einige Anwälte, die auf Umweltfragen spezialisiert sind, argumentieren, dass es schwierig sei, nachzuweisen, dass die globale Erwärmung einen spezifischen Schaden an Menschen und Umwelt verursacht.

Am 23-07-2004

Treibhausgase

Schon wieder nur eine Übergangslösung in der Energiewirtschaft: Nachdem die Atomenergienutzung selbst für die CDU und die FDP nur noch als "Übergangsenergie" qualifiziert wird, droht dem neuen Patentrezept der Energiewirtschaft das gleiche Schicksal. Das Umweltbundesamt bezeichnete die von den Energiekonzernen propagierte technische Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid (CO2) in tiefen geologischen Schichten als "Übergangslösung". Ohnehin werde die kommerzielle und industrielle Verfügbarkeit dieser Technik in deutschen Kraftwerken erst "ab 2020" erwartet. Zwei kürzlich vom UBA veröffentlichte Studien zeigen "die Potenziale, aber auch Grenzen dieser Technik auf", teilte die Bundesbehörde mit.

Ein Ergebnis dieser Studien sei, dass es sich "allenfalls" um eine Übergangslösung handeln könne. Vordringlichste Aufgabe beim Klimaschutz bleibe der Ausbau der erneuerbaren Energien und Energieeffizienz.

"Langzeitsicherheit" - "Verlustraten" - weiterer Klärungsbedarf

Bei der Diskussion um die neue Technik werden Erinnerungen an die bei der Endlagerung von Atommüll diskutierten Probleme wach: Voraussetzung für den Einsatz der CO2-Abscheidung und -Speicherung seien "strenge Umweltschutzstandards, ausreichend große Speicherkapazitäten und die Gewährleistung der langfristigen Sicherheit". Nach Ansicht des Umweltbundesamtes sollte die "Verlustrate an CO2" aus den Speichern maximal 0,01 Prozent pro Jahr betragen. Nur so könne ein "positiver Klimaschutzeffekt" erreicht werden.

Auch sei bislang die Frage nach den tatsächlich nutzbaren unterirdischen Speicherpotenzialen "nicht ausreichend geklärt". Nach Angaben der Umweltbehörde sind die in Deutschland verfügbaren Speicherkapazitäten "rein rechnerisch" vermutlich auf 40 Jahre begrenzt.

Die Umweltbehörde übt in diesem Zusammenhang auch deutliche Kritik an einer jüngst von der Internationalen Energie-Agentur (IEA) veröffentlichten Studie zum Thema. Keines der IEA-Szenarien erreiche das vom Umweltbundesamt formulierte Umwelthandlungsziel einer Verminderung der globalen Treibhausgas-Emissionen um 50 Prozent bis zum Jahr 2050. Insgesamt würde die Internationale Energie-Agentur die Potenziale erneuerbarer Energien "zu pessimistisch, die Potenziale der CO2-Abscheidung hingegen zu optimistisch" einschätzen.

Am 01-11-2006

EU-Umweltministerrat

Der Deutsche Naturschutzring (DNR) fordert von den Europäischen Umweltministern, die Reduktion der Treibhausgase um 30 Prozent bis 2020 verbindlich festzuschreiben. Auf der Sitzung des EU-Umweltministerrates am 20. Februar müsse Bundesumweltminister Sigmar Gabriel sein Gewicht als EU-Ratspräsident in die Waagschale werfen und "die unsinnige Bindung dieses Klimaziels an ein globales Abkommen" verhindern. Die EU trägt nach Auffassung von DNR-Präsident Hubert Weinzierl "eine große Mitschuld am Klimawandel".

"Sie hat die moralische Verantwortung, ihre Emissionen schnell und drastisch zu reduzieren. 30 Prozent bis 2020 sind machbar", os Weinzierl.

Die EU-Kommission hatte vorgeschlagen, eine 30-prozentige Reduktion an ein globales Klimaabkommen zu koppeln, das alle Industrieländer zu denselben Einsparungen verpflichtet. Anderenfalls würde die EU lediglich 20 Prozent anstreben.

Für Weinzierl sind "solche Zahlenspielereien blanker Zynismus". Während die reichen Industrieländer sich an "Verzögerungstaktiken" gegenseitig überböten, "sterben jährlich bereits 150.000 Menschen am Klimawandel. Tendenz rasant steigend."

Am 19-02-2007

"Falscher Ölpreis"

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und die Unternehmensberatung McKinsey & Company haben am 25. September gemeinsam in Berlin eine Studie mit dem Titel "Kosten und Potenziale der Vermeidung von Treibhausgasemissionen in Deutschland" veröffentlicht. Nach Darstellung der Herausgeber handelt es sich um die weltweit erste umfassende betriebswirtschaftliche Analyse aller wesentlichen Klimaschutztechnologien einschließlich der Angaben zu den Kosten "aus Sicht der Entscheider" in Euro pro eingesparte Tonne Treibhausgas. "Mit der Studie liefern wir einen essenziellen Beitrag zur Bewertung der klima- und energiepolitischen Pläne der Bundesregierung. Wir verstehen die Studie als ein Angebot zur Zusammenarbeit mit der Bundesregierung", so BDI-Präsident Jürgen Thumann. Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) hält die Studie für grob fehlerbehaftet: Es sei mit einem "falschen Ölpreis" gerechnet worden, der sogar den eigenen Annahmen in anderen Studien widerspreche.

"Erstmals wurden aus Sicht der Entscheider, also der Investoren, Eigenheimbesitzer, Autokäufer und vieler anderer Entscheider, die Kosten und Potenziale von mehr als 300 technologischen Einzelhebeln zur Vermeidung von Treibhausgasemissionen ermittelt", so die Werbung des BDI für die Studie.

Der Untersuchung zufolge soll in den vier Sektoren Gebäude, Industrie, Energie und Transport ein Abbau der Treibhausgasemissionen bis 2020 um 26 Prozent gegenüber 1990 "wirtschaftlich erreichbar" sein – "ohne Einbußen für Wirtschaftswachstum und Lebensqualität sowie unter Beibehaltung des Kernkraftausstiegs, mit durchschnittlichen Vermeidungskosten von bis zu 20 Euro pro Tonne CO2-Äquivalent."

Laut BDI existieren "weitere Vermeidungshebel". Für deren Realisierung wären jedoch "wesentlich höhere" Investitionen erforderlich. Bereits eine Reduktion um 31 Prozent würde – unter Beibehaltung des Kernenergieausstiegs – zu deutlich höheren durchschnittlichen Vermeidungskosten zwischen 32 und 175 Euro pro Tonne CO2-Äquivalent führen, so die Studie. Diese resultierten aus der dafür erforderlichen zusätzlichen Erhöhung des Anteils der erneuerbaren Energien am Energieträgermix, die politisch aber schon entschieden sei.

Der größte Teil der bewerteten Einsparpotenziale lasse sich mit "bereits bekannter und erprobter Technik" realisieren, "etwa zwei Drittel der Maßnahmen rechnen sich sogar – wenn auch nur unter bestimmten politischen Rahmenbedingungen", so der BDI. Eine Reduzierung der Treibhausgase über 31 Prozent hinaus sei jedoch ohne Beibehaltung der Kernenergie wirtschaftlich nicht darstellbar.

Der Industrieverband hat sich für die Studie der Rückendeckung von mehr als 70 Unternehmen und Industrieverbänden versichert. Auch wurde ein "wissenschaftlicher Beirat" eingerichtet, dem die Professoren Martin Hellwig, Wolfgang Ströbele und Carl Christian von Weizsäcker angehörten.

Der BDI-Präsident erwartet von der Politik finanzielle Unterstützung, etwa durch Marktanreizprogramme. Dies betreffe nicht zuletzt auch alle Maßnahmen zur Verbreitung der besten Technologien auf den Weltmärkten. "Erst indem wir den Export von relevanten Technologien gewährleisten, finden wir die passende globale Antwort auf das globale Problem Klimawandel und stärken zudem unsere heimische Wirtschaft und Beschäftigung", so Thumann.

Bundesumweltministerium: Methodischer Ansatz der BDI-Studie ist nicht neu

Das Bundesumweltministerium begrüßte die BDI-Studie. Man könne zwar nicht jeder der in der Studie gezogenen Schlussfolgerungen zuzustimmen - dies gelte vor allem für den Vorschlag, die Restlaufzeiten der Atomkraftwerke aus klimaschutzpolitischen Gründen zu verlängern. Die Studie biete jedoch eine Reihe von "interessanten Ansätzen und Überlegungen", die die Basis für eine "engere" Zusammenarbeit zwischen Politik und Wirtschaft schaffe.

Umweltstaatssekretär Matthias Machnig begrüßte vor allem den differenzierten methodischen Ansatz, "der auch den wissenschaftlichen Untersuchungen entspricht, die das Bundesumweltministerium der Ausgestaltung der deutschen Klimaschutzpolitik zugrunde legt". Die Studie zeige "erneut", dass Klimaschutz nicht nur bezahlbar ist, sondern in vielen Bereichen sogar zu massiven Einsparungen führen könne. Für die deutsche Wirtschaft biete der Klimaschutz große Chancen.

Bundesverband Erneuerbare Energie: McKinsey im Auftrag des BDI täuscht durch unrealistisch niedrige Ölpreise

Nach Auffassung des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE) können die deutschen Klimaschutzziele zu deutlich geringeren Kosten erreicht werden, als vom BDI behauptet. Mit einem höheren Anteil Erneuerbarer Energien könnten die CO2-Emissionen bis 2020 sogar um 40 Prozent gesenkt werden, "ohne dass die Kosten jemals die vom BDI genannte Höhe erreichen".

Hauptursache für die nach Auffassung des Verbandes "fehlerhafte Berechnung des BDI" seien ein falsch angenommener Ölpreis und die Vernachlässigung Erneuerbarer Energien bei den CO2-Minderungspotenzialen. So lasse die Studie zum Beispiel den gesamten Bereich der Wärmeerzeugung aus Erneuerbaren Energien außen vor. Besonders augenfällig sei, dass "McKinsey im Auftrag des BDI" mit "unrealistisch niedrigen Ölpreisen" rechne, so Milan Nitzschke, Geschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energie. So werde "entgegen allen Prognosen" und auch "entgegen eigenen Annahmen in anderen Studien" für 2020 ein Ölpreis angenommen, der real 30 Prozent unter dem heutigen Ölpreis liege. "Damit erscheinen alle Effizienzmaßnahmen und auch der Ausbau Erneuerbarer Energien teurer als sie in Wirklichkeit sind", kritisiert Nitzschke.

Bei einem Ölpreis, der real auf heutigem Niveau bliebe, würden die vom BDI angegebenen Kosten bis 2020 auf Null zusammenschrumpfen. "Allein durch den Ausbau Erneuerbarer Energien können wir bis 2020 über 100 Milliarden Euro für Öl- und Gasimporte einsparen", so Nitzschke. "Die Gutachter unterschätzen deutlich das Potenzial Erneuerbarer Energien zur CO2-Minderung. Den Wärmebereich blendet die Studie komplett aus - obwohl das von der Bundesregierung angekündigte Wärmegesetz für Erneuerbare Energien eine der Maßnahmen ist, die der BDI eigens untersuchen lassen wollte."

Auch das Potenzial der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien liege bei McKinsey "erheblich unter den Erwartungen der Branche der Erneuerbaren Energien". Erneuerbare Energien könnten insgesamt bis 2020 über 130 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr zusätzlich einsparen. "McKinsey berechnet für den BDI gerade einmal 48 Millionen Tonnen."

Greenpeace: Autoren propagieren Technik der Kohlendioxid-Speicherung, die möglicherweise gar nicht funktioniert

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte, dass die Autoren der Studie "die weitere Nutzung der besonders klimaschädlichen Braun- und Steinkohle" favorisierten und den Einsatz der Kohlendioxid-Speicherung propagierten. "Eine Technik, von der wir heute noch nicht einmal wissen, ob sie funktionieren und was sie kosten wird."

Vernachlässigt werde dagegen der massive Ausbau aller Erneuerbaren Energien, die Einsparpotenziale im Energiesektor und der Ersatz von Stein- und Braunkohle durch den effizientesten fossilen Energieträger Gas. "Das ist die Handschrift der Energiewirtschaft innerhalb des BDI", meint Greenpeace.

Am 25-09-2007