Elektro-Hersteller vernachlässigen Umweltaspekte

Emissionsschleuder Haushalt

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat den Herstellern von Unterhaltungselektronik vorgeworfen, Benutzerfreundlichkeit und Umweltaspekte bei der Entwicklung neuer Geräte zu vernachlässigen. Es sei ein Armutszeugnis für die Hersteller, dass trotz der permanenten technologischen Hochrüstung der Haushalte es bis heute keinen einzigen Fernseher auf dem Markt gebe, der das Umweltzeichen verdiene. Der Verband kritisierte auch den hohen Energieverbrauch vieler Geräte. Eine Abschaltautomatik müsse im 21. Jahrhundert ebenso selbstverständlich sein wie eine Fernbedienung. Die Verbraucher rief der Verband dazu auf, beim Kauf eines Produktes nicht nur auf den Preis, sondern auch auf die Umweltverträglichkeit zu achten.

Die Anbieter müssten mit gleichem Ehrgeiz an der Senkung des Stromverbrauchs zu arbeiten wie an zusätzlichen Servicefunktionen. Um den Verbrauchern den Griff zum energiesparenden Gerät zu erleichtern, forderte der Verband eine klare Kennzeichnung mit anspruchsvollen Anforderungen. Als Vorbild nannte Edda Müller vom Verbands-Vorstand die Kennzeichnung für Haushaltsgeräte und Lampen.

Nach dessen Einschätzung wird die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung von Haushaltsgeräten die Strahlenbelastung im Haushalt wesentlich erhöhen. Bis heute werde kein einziges Handy angeboten, das als besonders strahlungsarm mit dem Umweltzeichen ausgezeichnet sei. Anders als bei Fernsehern gebe es hier die entsprechenden Geräte - offenbar passe das Umweltzeichen aber nicht in die Marketingstrategien der Hersteller.

Es wird vermutet, dass vor allem Kinder durch die Strahlung von Handys besonders gefährdet sind, da ihr sich noch entwickelndes Nervensystem viel Strahlung absorbiert. Auch deklarierten viele Hersteller den Strahlungswert nicht deutlich genug auf der Verpackung. Empfohlen würden strahlungsarme Handys mit einem SAR-Wert von unter 0,6 Watt/kg.

Zusammen mit dem Verkehrssektor sind die privaten Haushalte der einzige Sektor mit steigenden CO2-Emissionen. Allein durch den Standby-Betrieb von elektronischen Geräten werden in deutschen Haushalten und Büros jährlich ca. 20 Milliarden Kilowattstunden Strom verbraucht - das entspreche dem gesamten Stromverbrauch Berlins. "Den meisten Verbrauchern ist nicht bewusst, dass sie allein durch Standby fast 14 Millionen Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre pusten und pro Jahr bis zu 130 Euro - fast ein Siebtel ihrer gesamten Stromausgaben - ausgeben", so Müller.