Handel will zum großen Teil auf Genfood verzichten

Manipuliert

Alle großen Handels-unternehmen und die meisten Lebensmittel-hersteller wollen ihre Produkte ohne Zutaten aus gentechnisch manipulierten Organismen (GMOs) herstellen. Das haben über 400 Firmen in Deutschland dem EinkaufsNetz, der Verbraucherorganisation von Greenpeace, versichert. Die Verbraucherschützer stellen am heutigen Mittwoch zu Beginn der Grünen Woche in Berlin den bisher umfassendsten Einkaufsratgeber zu Gentechnik in Lebensmitteln vor. Mit ihm sollen Verbraucher erkennen, welche Hersteller sie meiden sollten, wenn sie auf Gentechnik im Essen verzichten wollten. "Gen-Food hat auf dem Markt derzeit keine Chance", sagt Corinna Hölzel vom Greenpeace EinkaufsNetz.

Die Umfrage zeige, dass Handel und Hersteller die Ablehnung der Verbraucher respektierten. Nur wenige Unternehmen müssten noch davon überzeugt werden, dass Genfood nichts auf dem Teller und dem Acker verloren habe.

Sogar der Handelsriese Metro, der kürzlich noch mit der Gen-Industrie eine Werbekampagne für Gen-Food starten wollte, habe es sich anders überlegt. Dagegen wollten einige Hersteller wie Müller-Milch GMOs in ihren Produkten immer noch nicht ausschließen.

Die Entscheidung der Lebensmittelbranche sei für die Verbraucher derzeit besonders wichtig, so die Organisation. Denn der aktuelle Entwurf für ein Gentechnik-Gesetz, den die Bundesregierung am Montag vorgestellt hat, reiche nicht aus, um die Interessen der Verbraucher zu schützen. Greenpeace fordert, den Entwurf erheblich zu verbessern. Der Schutz der Landwirtschaft ohne Gentechnik müsse Vorrang haben vor den Interessen der Gen-Industrie.

Große Firmen und Handelsketten würden Gentechnik mittlerweile auch im Tierfutter vermeiden. Besonders Bio-Produzenten schlössen GMOs in jeder Stufe der Erzeugung aus. Handelsunternehmen wie tegut, Globus, Karstadt und das Gutfleisch Programm von Edeka Nord sowie die meisten deutschen Geflügelmäster könnten Gen-Soja im Futter weitgehend ausschließen. Sogar Unilever habe aus der Marke "Du Darfst" das Gen-Soja bereits verbannt. Namhafte Wursthersteller wie Zimbo, DöllingHareico, Gebr. Abraham und Rügenwalder Mühle wollen laut Greenpeace folgen. Dagegen wolle Herta-Wurst auch in Zukunft Gen-Soja verfüttern lassen.

Jedes Jahr werden in Deutschland noch immer einige Millionen Tonnen Gen-Soja an Rinder, Schweine und Hühner verfüttert. Hier setzte eine neue Initiative von Greenpeace an: Gemeinsam mit Produzenten wie der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall, Böseler Goldschmaus, Fleming + Wendeln, tegut und Zimbo wolle die Umweltorganisation Futtermittel ohne Gen-Soja am Markt dauerhaft durchsetzen.

"Über den Verkauf von Fleisch, Milch und Eiern in Deutschland wird auch der massenhafte Anbau von Gen-Pflanzen in den USA und Argentinien finanziert", erklärt Christoph Then, Gentechnikexperte von Greenpeace. Gegen ihren Willen müssten die Verbraucher derartige Produkte bisher kaufen, da es hierfür keine Kennzeichnungspflicht gebe.