Zwei norwegischen Journalisten droht Ausweisung

Marokko

Die marokkanischen Behörden haben gestern Morgen in Rabat zwei norwegische Journalisten festgenommen und diese zu unerwünschten Personen erklärt. Sie sollen nun ausgewiesen werden. Reporter ohne Grenzen verurteilt diese Einschränkung der Pressefreiheit in dem nordafrikanischen Land und fordert die umgehende Freilassung der zwei Journalisten. Die beiden sind vor vier Tagen in Marokko eingetroffen und wollten über die Unabhängigkeitsbewegung der Westsahara recherchieren. Die Stämme der Saharawis fordern in ihrem von Marokko besetzten Heimatland einen eigenen Staat.

Der Reporter Tor Dagfinn Dommersnes und der Fotograf Fredrik Refvem von der norwegischen Tageszeitung Stavanger Aftenblad haben alle für ihre Arbeit erforderlichen Genehmigungen. Daher sollten sie uneingeschränkt in Marokko reisen und arbeiten dürfen. Kurz vor einem Interview-Termin mit einem Vertreter der Unabhängigkeitsbewegung wurden Dommersnes und Refvem in ihrem Hotelzimmer festgenommen. Man sagte ihnen, sie seien unerwünschte Personen und hätten gegen das marokkanische Gesetz verstoßen. Offenbar wurden ihre Telefongespräche aus dem Hotel abgehört - von dort hatten sie am Abend zuvor ihre Kontaktperson angerufen und sich verabredet.

"Die marokkanischen Behörden beobachten Journalisten sehr genau und versuchen, jegliche unabhängige Berichterstattung über den Westsahara-Konflikt zu unterbinden" so Reporter ohne Grenzen. Der Menschenrechtsorganisation liegen Berichte von Journalisten vor, die verhaftet und ausgewiesen wurden, noch bevor sie ihre Kontaktpersonen treffen konnten. Bereits im Januar dieses Jahres wurden die französische Journalistin Catherine Graciet und die französische Fotografin Nadia Ferroukhi sowie im April der norwegische Reporter Erik Hagen ausgewiesen. Auch sie haben zur Unabhängigkeit der Westsahara recherchiert.

In der aktuellen Rangliste von Reporter ohne Grenzen zur Pressefreiheit weltweit liegt Marokko auf Platz 131 von 166 bewerteten Ländern.