Vertreter der kolumbianischen Opferbewegung besuchen Berlin

Menschenrechte

Die Stimmen der Opfer dürfen nicht ungehört bleiben; die Straffreiheit in Kolumbien muss aufhören. Dies sind Anliegen der kolumbianischen "Bewegung der Opfer". Vier Delegierte besuchen vom 1. bis 3. Dezember Berlin. Die "Bewegung der Opfer" hat sich am 25. Juni 2005 gegründet. Vier Tage zuvor hatte der kolumbianische Kongress das Gesetz "Gerechtigkeit und Frieden" verabschiedet. Im "Demobilisierungsprozesses" der paramilitärischen Gruppen ermögliche das Gesetz den Tätern grausamer Verbrechen weitgehende Straflosigkeit. Die "Bewegung der Opfer staatlicher Verbrechen" meldet sich dazu aus Perspektive der Opfer zu Wort. Sie fordert die Einhaltung der Rechte der Opfer auf Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung ein.

Die vier Delegierten sind: Gloria Gómez, die die Organisation der Angehörigen von Opfern von gewaltsamem Verschwindenlassen (ASFADDES) vertritt. Außerdem Beethoven Arlant, ein Vertreter der Kankuamo-Indigenas, die im Norden Kolumbiens angesiedelt sind. Seit 2001 sehen sie sich durch die Politik der Regierung und die Aktionen der Paramilitärs von der Auslöschung bedroht.

Wilson David kommt aus dem Friedensdorf San José de Apartadó, das sein Recht einfordert, sich als Zivilbevölkerung aus dem bewaffneten Konflikt herauszuhalten, aber immer wieder Angriffen und Massakern ausgesetzt ist. Der vierte ist Jomary Ortegón von der Anwaltsorganisation "José Alvear Restrepo", die zahlreiche Opfer von Menschenrechtsverletzungen in Kolumbien und vor der interamerikanischen Menschenrechtskommission vertritt.

Menschenrechts- und Opferorganisationen haben den "Demobilisierungsprozess" der paramilitärischen Gruppen scharf kritisiert. Tausende Kämpfer geben zwar die Waffen ab, die politische und finanzielle Struktur der Paramilitärs würden jedoch nicht angetastet. Frieden sei daher durch den Prozess nicht zu erwarten. Seit Jahren seien die paramilitärischen Gruppen für brutalste Massaker, Morde, gewaltsames Verschwindenlassen und Vertreibung verantwortlich. Den staatlichen Streitkräften wird von Menschenrechtlern enge Zusammenarbeit mit den paramilitärischen Gruppen vorgeworfen. Dieser Zusammenhang werde von der Regierung bei der derzeitigen "Demobilisierung" völlig außer Acht gelassen.