Sozialverband warnt vor Folgen des Arzneimittel-Sparpakets

Chronisch Kranke ohne Arzt?

Sollte das Arzneimittel-Sparpaket der Bundesregierung wie geplant umgesetzt werden, droht nach Ansicht des Sozialverbands Deutschland (SoVD) insbesondere chronisch Kranken eine erheblich schlechtere medizinische Versorgung. Ihnen drohten nicht nur Zuzahlungen von bis zu 65 Prozent der Kosten für bestimmte Arzneimittel, was mehrere hundert Euro pro Packung ausmachen könne. Dieser Betrag würde zudem nicht auf die Härtefall-Regelung angerechnet, die verhindert, dass Versicherte mehr als ein bzw. zwei Prozent ihres Bruttoeinkommens für Zuzahlungen ausgeben müssen. Zusätzlich könne es ihnen sogar passieren, dass überhaupt kein Arzt mehr bereit sei, ihnen teure Medikamente zu verordnen.

Anlässlich der am Mittwoch stattfindenden Anhörung des Gesundheits-Ausschusses des Bundestags zum Arzneimittelsparpaket forderte der Präsident des Sozialverbandes VdK Deutschland, Walter Hirrlinger, "auf diese weitere Belastung der Versicherten zu verzichten".

Hirrlinger kritisierte auch die geplante Malusregelung für Ärzte: "Unter den geplanten Strafzahlungen für Ärzte, die zu viele Arzneimittel verordnen, werden vor allem chronisch kranke Patienten zu leiden haben. Werden die Tagestherapiekosten zu niedrig angesetzt, wächst für die Ärzte der Anreiz, teure Patienten loszuwerden." Diese stünden dann ohne die notwendige Versorgung da.

Die Bundesregierung plant, die Festbeträge auf bestimmte Arzneimittel pauschal zu senken. Da anders als früher nicht ein einzelner Hersteller, sondern viele Unternehmen betroffen sind, ist die Gefahr nach Ansicht des VdK groß, dass sie nicht wie bisher ihre Preise auf das Niveau der Festbeträge absenken. Die Differenz zwischen Festbetrag und Preis müsse dann der Patient zahlen. Rabattverträge zwischen einzelnen Krankenkassen und gerade den größeren Herstellern würden daran nicht viel ändern, so der VdK, da die Verhandlungsmacht einer einzelnen Kasse begrenzt sei.

Zudem ist geplant, Ärzte, die festgelegte Tagestherapiekosten bei bestimmten Erkrankungen überschreiten, mit Strafzahlungen zu belegen. "Ein Patient, der ein teureres Medikament nimmt oder mehr als der Durchschnitt verbraucht, wird in Zukunft kaum mehr einen Arzt finden, der ihm Entsprechendes verordnet", warnte der Sozialverband.