In Strabag/A-72-Betrugsaffäre sechs Behördenmitarbeiter beschuldigt

Millionenbetrug beim Autobahnbau

In der Korruptionsaffäre um den Kölner Baukonzern Strabag AG und den Bau der Autobahn 72 zwischen Stollberg und Chemnitz werden nach Ermittlerangaben mindestens sechs Behördenmitarbeiter beschuldigt. Neben zwei Spitzenbeamten des Autobahnamtes Sachsen und einem Mitarbeiter des Tiefbauamtes Chemnitz bestehe auch gegen drei weitere Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes der Verdacht der Untreue und der Bestechlichkeit, sagte der Chemnitzer Oberstaatsanwalt Gerd Schmidt der "Sächsischen Zeitung".

Das Blatt zitiert Schmidt mit den Worten, dass die Beschuldigten "in unterschiedlichem Maße verdächtig" seien. Insgesamt gebe es derzeit 25 Beschuldigte.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit gegen Firmen und Behörden wegen Insolvenzverschleppung, Ausstellung von Scheinrechnungen und schwarzer Kassen. Der volkswirtschaftliche Schaden beläuft sich nach Angaben der Ermittler auf rund 27 Millionen Euro. Vier Beschuldigte, die bei einer verhaftet worden waren, kamen unter Auflagen wieder frei.

Die Strabag AG hatte kürzlich eine Verwicklung seiner Chemnitzer Niederlassung in den jüngsten Betrugsskandal beim Bau der Autobahn 72 zugegeben. "Unter Mitwissen der örtlichen Geschäftsleitung" hätten Subunternehmen Scheinrechnungen ausgestellt. Es sei ein Schaden in Millionenhöhe entstanden. Der Konzern hatte angekündigt, die Niederlassung mit ihren 90 Angestellten aufzulösen.

Die Staatsanwaltschaft beschränkt ihre bereits seit Monaten laufenden Ermittlungen allerdings nicht auf die Niederlassung Chemnitz. Presseberichten zufolge durchsuchten Polizei und Staatsanwaltschaft auch Büroräume der Konzernzentrale von Strabag in Köln und beschlagnahmten Beweismaterial.