Greenpeace Klimaschutz | 20 Jahre Rückblick

Internationale Klimakonferenz | Greenpeace Aktion vor US-Botschaft

Dienstag morgen hatte sich ein "Präsident auf Stelzen" vor dem Haupteingang der US-Botschaft in Berlin aufgebaut und demonstrativ die Seiten des Klimaschutz-Protokolls von Kyoto zerrissen. Die Figur des Präsidenten war vier Meter groß, getragen von Stelzen mit den Logos der Ölfirmen Exxon-Mobil, Chevron, Texaco und Conoco, dahinter versteckte sich einer von 20 Greenpeace-Aktivisten, die gegen die Ankündigung des Präsidenten protestierten, das Klimaschutz-Protokoll von Kyoto nicht zu unterschreiben. "Rettet unser Klima. Stoppt Bush!" stand auf den Schildern der Umweltschützer. Greenpeace wirft Präsident Bush vor, den weltweiten Klimaschutz zu Gunsten von US-Ölfirmen zu blockieren.

"Artensterben, Wüstenbildung, Stürme und Hochwasser sind nur einige Folgen der Erwärmung des Weltklimas," sagte Karsten Smid, Klimaexperte bei Greenpeace. "Präsident Bush blockiert die internationalen Klimaschutz-Vereinbarungen und heizt den verschwenderischen Energieverbrauch im eigenen Land weiter an. Wir wollen mit der Aktion deutlich machen, dass die USA aus kurzsichtigen Wirtschaftsinteressen das weltweite Klimaschutz-Abkommen gefährden."

Bush sei ein texanischer "Ölmann", dessen Wahlkampf mit Millionenbeträgen der Ölindustrie finanziert wurde. Kurz nach seiner Wahl zum US-Präsidenten zog Bush die Unterschrift Bill Clintons unter das Kyoto-Protokoll zurück. Das Abkommen verpflichtete die USA, ihren Ausstoß an Treibhausgasen bis 2012 um sieben Prozent zu verringern. Die Vereinigten Staaten machen nur vier Prozent der Weltbevölkerung aus, sind aber für ein Viertel des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich.

Vom 16. Juli an werden mehrere tausend Delegierte aus über 150 Staaten in Bonn über die Ratifizierung des Kyoto-Protokolls entscheiden. Darin verpflichten sich die Industriestaaten zur Reduzierung der Treibhausgase um 5,2 Prozent bis 2010 gemessen an dem Wert von 1990. Seit zwei Wochen ist Greenpeace mit einer mobilen Klima-Ausstellung bundesweit unterwegs. Besucher können darin zum Beispiel von Windmaschinen und Wärmestrahlern erzeugte Stürme und Hitzewellen am eigenen Leib erfahren. Bis zur Klimakonferenz demonstrieren Jugendliche von Greenpeace außerdem in 18 Städten mit phantasievollen Aktionen für einen wirksamen Schutz des Klimas.

Am 04-07-2001

Internationale Klimakonferenz

Die Aussichten auf einen erfolgreichen Abschluss der Bonner Klimakonferenz schwinden noch bevor die Konferenz begonnen hat. Dies erklärte Greenpeace heute in Berlin, neun Tage bevor in Bonn mehrere tausend Delegierte aus über 150 Staaten über die Ratifizierung des Kyoto-Protokolls entscheiden. So ist bis heute unklar, ob Japan das Protokoll auch ohne die USA unterschreiben wird. Zusammen mit Großbritannien versucht Japan darüber hinaus, die Klimaschutzvorgaben des Kyoto-Protokolls stark zu verwässern, um die USA, entgegen ihrer jüngsten Ankündigung, doch noch zu einer Unterschrift zu bewegen. Im Kyoto-Protokoll haben sich die Industriestaaten verpflichtet, innerhalb der nächsten zehn Jahre ihre Treibhausgase um durchschnittlich 5,2 Prozent zu verringern.

"An einer Reduktion der Treibhausgase führt kein Weg vorbei", erklärt Bill Hare, Leiter der internationalen Greenpeace-Delegation. "Die Industriestaaten brauchen klare Vorgaben, wieviele Emissionen sie einsparen müssen und mit welchen Methoden dies geschehen soll. Wenn beides weiter aufgeweicht wird, wie in einigen Vorschlägen vorgesehen, bringt das für den Klimaschutz rein gar nichts. Alles hängt jetzt daran, wie Japan sich entscheidet." Greenpeace hatte den Änderungsvorschlag des Präsidenten der Klimakonferenz Jan Pronk untersucht, über den auch auf der bevorstehenden Konferenz in Bonn verhandelt wird. Ergebnis: Das Ziel, den Ausstoß von Schadstoffen weltweit um 5,2 Prozent zu senken, würde völlig verfehlt.

Allein der Vorschlag, dass Ländern die Aufforstung oder Neuanlage von Wäldern und so genannte Projekte zur Landnutzungsänderung als CO2-Einsparung angerechnet werden sollen, treibt die Emissionen weiter hoch. Wälder und Äcker können zwar Kohlendioxid aufnehmen, geben den Schadstoff aber irgendwann in gleicher Menge wieder ab.

Greenpeace kritisiert an dem Pronk-Vorschlag außerdem, dass der Handel mit so genannter heißer Luft nicht begrenzt wird. Wenn in dem Kyoto-Protokoll für ein Land wie zum Beispiel Russland Emissionsmengen festgelegt sind, die auf Grund des Zusammenbruchs der Industrie nicht erreicht werden, können diese Emissionsrechte, auch "heiße Luft" genannt, an andere Länder verkauft werden. Problem: Je weniger Länder das Protokoll unterschreiben, desto größer ist das Angebot an russischen Emissionsrechten für die anderen Unterzeichner-Staaten, sich von ihren Einspar-Verpflichtungen freizukaufen. Wenn zum Beispiel die USA, Kanada und Australien das Kyoto-Protokoll nicht ratifizieren, ermöglicht der Pronk-Vorschlag den anderen OECD-Ländern sogar, durch den Kauf der Emissionsrechte ihren Schadstoffausstoß im eigenen Land um bis zu 20 Prozent zu erhöhen.

"Das Abschmelzen der Gletscher und Stürme von immer heftigerem Ausmaß zeigen, dass die Erwärmung des Weltklimas schon jetzt großen Schaden anrichtet", sagt Karsten Smid, Klimaexperte bei Greenpeace. "Vor diesem Hintergrund ist die Blockadehaltung einzelner Industrieländer, allen voran der USA, einfach haarsträubend."

Am 11-07-2001

FCKW-Kühlschrank-Schmuggel

Aus Protest gegen den illegalen Export von FCKW-haltigen Kühlschränken nach Afrika hat Greenpeace heute das Haupttor der Recycling-Firma Rethmann in Berlin mit Bauzäunen verschlossen. Zehn Aktivisten stellten sich vor das Tor der Firma, eines der größten Recycling-Unternehmen Deutschlands, und hielten ein Banner mit der Aufschrift "Geschlossen wegen Umweltbetrug". Der Grund: Statt FCKW-haltige Kühlschränke zu entsorgen, ist die Firma offenbar an der Verschickung der Alt-Geräte nach Afrika beteiligt. Der Steuerzahler zahlt Gebühren für ein Recycling, das gar nicht stattfindet, während die ausrangierten Geräte gewinnbringend zum Beispiel nach Nigeria verkauft werden.

Nach Recherchen von Greenpeace hatten Zoll und Polizei letzte Woche im Hamburger Hafen einen Container geöffnet, der bei einem Kunden von Rethmann in Berlin mit Kühlschränken beladen worden war und nach Lagos (Nigeria) verschifft werden sollte. Die Ladung war als "FCKW-freie Kühlschränke" deklariert. Die Beamten wurden fündig: Hinter einer als Tarnung gepackten Reihe FCKW-freier Kühlschränke fanden sie ausschließlich verbotene FCKW-Geräte - insgesamt 164 Kühlschränke und 11 Kühltruhen. Damit nicht genug: In mehreren Kühltruhen waren rund 450 FCKW-Kompressoren verstaut, gefüllt mit Resten von FCKW und Altöl. Greenpeace hatte über Wochen beobachtet, wie Rethmann lastwagenweise Alt-Kühlschränke an den Zwischenhändler lieferte, der diesen Container beladen hat.

Mit Beginn der heutigen Aktion verständigte Greenpeace die Polizei und erstattete bei der Berliner Staatsanwaltschaft Anzeige unter anderem wegen des Verdachts auf illegalen Export von FCKW-Geräten sowie der illegalen Abfallverbringung ins Ausland. "Recycling-Firmen wie Rethmann betreiben offenbar Kühlschrank-Schmuggel und Müllschieberei in großem Stil", sagt Wolfgang Lohbeck von Greenpeace. "Dabei wird der Steuerzahler betrogen und die Umwelt geschädigt." Chlorierte Fluorkohlenwasserstoffe (FCKW) sind in Deutschland seit 1996 verboten. Seit Oktober 2000 ist auch der Export dieser Kältemittel aus der EU untersagt, die die Ozonschicht zerstören und als starke Treibhausgase wirken. In alten Kühlschränken ist FCKW nicht nur als Kältegas, sondern in weit größerer Menge auch im Isolierschaum enthalten.

Recycling-Firmen wie Rethmann erhalten pro Gerät zwischen 10 und 60 Mark Entsorgungs-Gebühr. Im Weiterverkauf werden bis zu 50 Mark pro Stück verdient. Kältemittel und Isoliergase sollen eigentlich abgesaugt und zur Firma Solvay nach Frankfurt/Main gebracht werden, wo sie in einer Spaltanlage entsorgt werden. Jährlich werden in Deutschland etwa 3 Millionen Alt-Kühlschränke ausrangiert, aber nur etwa ein Drittel der Kältegase kommt bei Solvay an. "Mit der Enttarnung des Containers im Hamburger Hafen wird klar, wo der Rest bleibt", so Lohbeck.

Greenpeace fordert, dass die Entsorgung FCKW-haltiger Geräte nicht mehr der Willkür großer Recycling-Firmen überlassen bleibt. "Die Behörden müssen von diesen Firmen eine lückenlose Bilanz des Warenverkehrs einfordern", so Wolfgang Lohbeck.

Am 17-07-2001

Öffentliche Beschaffung

Anläßlich der Agrarministerkonferenz in Prenzlau/Brandenburg fordert Greenpeace von der Europäischen Union, der Bundesrepublik Deutschland und den Bundesländern, in Zukunft keine Steuergelder mehr für Produkte auszugeben, für deren Herstellung Urwald zerstört wurde. Künftig sollten ausschließlich "urwaldfreundliche" Waren wie Recyclingpapier und Holz unbedenklicher Herkunft verwendet werden. In öffentlichen Ausschreibungen sollte dies zwingend vorgeschrieben sein. Damit würde eine der Hauptursachen für den weltweiten dramatischen Urwaldverlust beseitigt werden.

Weder für die Bundes- noch für die Landesministerien gebe es Gesetze und Kontrollmöglichkeiten, die eine urwaldfreundliche Verwendung unserer Steuergelder sicher stellen würden, kritisiert Martin Kaiser, Waldexperte bei Greenpeace.

Im Juli 2001 hat die Bundesregierung im "Gesamtwaldbericht der öffentlichen Hand" den Einkauf urwaldfreundlicher Produkte angemahnt. Zeitgleich haben die reichen Industrieländer der G8 zur Bekämpfung der illegalen Abholzungen in Urwäldern eine entsprechende Einkaufspolitik angeregt. Diese würde die Verwendung von Holz mit Ökosiegel vorschreiben.

Der Text der Greenpeace-Petition sei beispielsweise auf Furnier aus Kirschholz gedruckt, dass das international anerkannte Ökosiegel des FSC (Forest Stewardship Council) trägt. Die Siegel von FSC oder Naturland garantierten eine umweltfreundliche und sozial gerechte Waldnutzung und die Kontrolle des Handelsweges vom Wald bis zum Endprodukt. Die neue EU-Beschaffungsrichtlinie sehe derartige Verpflichtungen nicht vor, so Greenpeace. Diese hätte Auswirkungen auf alle Bundes-, Länder- und Kommunal-Behörden.

Der Verzicht auf Tropenholz reicht nach Auffassung von Greenpeace allein nicht aus. Die letzten großen Urwaldgebiete befänden sich nicht nur in den tropischen Breiten des Amazonas, des Kongobeckens und Süd-Ost-Asiens, sondern auch in den nördlichen Wäldern Kanadas, im europäischen Teil Russlands und Sibiriens. Großbritannien und Dänemark hätten sich zu einer urwaldfreundlichen Beschaffung bereits verpflichtet. Greenpeace fordert die Bundesregierung auf, es diesen Ländern gleich zu tun.

Am 21-09-2001

Umweltschutz

Rund 40 Greenpeace-Aktivisten haben einen Frachter mit Urwaldhölzern beim Anlegen im niedersächsischen Nordenham behindert. Sie kesselten das Schiff, das aus dem afrikanischen Kongobecken kam, im Midgardhafen mit vier Schlauchbooten ein. An den Rumpf des Frachters schrieben die Umweltschützer von ihren Booten aus mit weißer Farbe "African Crime".

Der Frachter konnte nach der rund viertelstündigen Blockade in dem Hafen festmachen. Die Polizei nahm 19 Greenpeace-Mitarbeiter in Gewahrsam.

Greenpeace-Sprecherin Carmen Ulmen sagte, das Holz des Frachters stamme aus einem der letzten Urwaldgebiete der Welt. Man wolle mit der Aktion in dem Hafen auf die großen Urwaldregionen aufmerksam machen, die von der Abholzung bedroht seien. Greenpeace forderte die Bundesregierung auf, sich weltweit für einen Abholzungsstopp und für Schutzzonen in Urwäldern einzusetzen.

Am 05-11-2001

Riesiger Erfolg

Mahagonibäume in den tropischen Regenwäldern Brasiliens sind nach Angaben von Greenpeace ab sofort unter strengen Schutz gestellt. Mit einer historischen Entscheidung, den Mahagoniholzhandel einzustellen und das Fällen der Bäume nur noch nach ökologischen Kriterien zuzulassen, reagiere die brasilianische Umweltbehörde IBAMA auf Enthüllungen der Umweltorganisation über den illegalen Handel mit Mahagoniholz. Künftig dürfe das Edelholz ausschliesslich nach strengen ökologischen und sozialen Kriterien geerntet werden. Ein solches international glaubwürdiges Siegel biete der Forest Stewardship Council (FSC). Mit dem unbefristeten Erlass seien auch Sofortmassnahmen zum Schutz von Indianergebieten und Naturschutzgebieten verbunden, die internationale Holzkonzerne seit Jahren rücksichtslos ausplünderten.

"Mahagoni ist eines der begehrtesten Edelhölzer des brasilianischen Urwaldes", sagt Martin Kaiser, Waldexperte bei Greenpeace. "Deshalb kommt der Erlass der brasilianischen Regierung einem Regenwald-Schutzgesetz nahe und ist ein weltweites Signal, den Raubbau der letzten Urwälder endlich zu stoppen", so Kaiser. Greeenpeace fordert die Teilnehmerstaaten des im kommenden Jahr in Den Haag stattfindenden Urwaldgipfels auf, diesem Beispiel zu folgen und Urwaldschutz auch finanziell zu fördern.

Die Entscheidung der brasilianischen Regierung werde die grossen Absatzmärkte von Mahagoni, allen voran den USA, Großbritannien, Holland und Deutschland stark verändern. Die Nachweisbarkeit der umweltverträglichen und sozial gerechten Holznutzung sei nun verpflichtend. Die seit Jahren illegal operierende Mahagoni-Industrie sei die treibende Kraft für die Zerstörung des Amazonas.

Tausende Kilometer Strassen seien für den Abtransport der Holzstämme in den Urwald geschlagen worden und hätten die Heimat ungezählter Tier- und Pflanzenarten vernichtet, so Greenpeace. 15 Prozent des Regenwaldes am Amazonas seien bereits unwiederbringlich zerstört, weitere 15 Prozent seien degradiert und in akuter Gefahr. Greenpeace hat die illegalen Machenschaften der "Mahagonimafia" im September mit dem Report "Partners in Mahogany Crime" ("Die Mahagoni Mafia") öffentlich gemacht.

Im April 2002 soll auf dem Urwaldgipfel in Den Haag, der sechsten Vertragsstaatenkonferenz der Biodiversitätskonvention, über ein Waldaktionsprogramm verhandelt werden. Greenpeace fordert, die industrielle Holznutzung in den letzten großen Urwaldgebieten weltweit zu stoppen, bis Schutzgebiete eingerichtet und die Nachhaltigkeit der Holznutzung durch FSC Zertifizierung nachgewiesen ist.

Am 06-12-2001

Urwaldschutz

Greenpeace fordert die Bundesregierung auf, im Streit um die Finanzierung einer Öl-Pipeline politischen Druck auf die nordrhein-westfälische Landesregierung auszuüben. Der Konflikt um das Pipeline-Projekt der WestLB müsse dringend gelöst werden, sagt Martin Kaiser, Greenpeace-Waldexperte. Wenn man der landeseigenen WestLB nicht einen Riegel vorschiebe, würde mit öffentlichen Geldern das Herzstück des Regenwaldes in Ecuador zerstört. Die Bundesregierung solle hier zeigen, wie ernst es ihr mit dem Urwaldschutz sei, so Kaiser. Darüber hinaus fordert die Umweltorganisation, dass sich die Bundesregierung auf dem im April stattfindenden Urwaldgipfel für internationale Urwald- Schutzgebiete stark macht.

Die WestLB will eine Öl-Pipeline finanzieren, die von der Pazifikküste im Westen Ecuadors quer durch unberührte Regenwälder bis ins Amazonasbecken verlaufen soll. Schon durch den Bau sind viele Tiere wie Kolibris und Jaguare in ihrem Lebensraum bedroht, weil riesige Schneisen für Baufahrzeuge angelegt werden müssten. Hinzu kommt das Risiko von Ölunfällen, da ein hochsensibles Ökosystem wie der Regenwald einen Ölunfall nicht verkraften könnte.

Auf dem internationalen Urwaldgipfel, der so genannten Vertragsstaatenkonferenz der Konvention über die Biologische Vielfalt (COP-6 CBD) im April in Den Haag soll ein Waldprogramm verabschiedet werden, auf dessen Gestaltung die Bundesregierung starken Einfluss hat. Wichtig ist vor allem, dass darin ein vorläufiges Holzeinschlag-Verbot verhängt wird. Dieses soll so lange gelten, bis Schutzgebiete ausgewiesen sind, in denen kein Baum mehr gefällt werden darf, und Waldgebiete bestimmt werden, die ökologisch und sozial bewirtschaftet werden.

Greenpeace schlägt die Einrichtung eines internationalen Urwaldfonds vor, in den die Industrieländer innerhalb der nächsten zehn Jahre jährlich 17 Milliarden Euro einzahlen. Der deutsche Anteil wuerde bei 1,7 Milliarden Euro jährlich liegen. Die Zahlen basieren auch auf Schätzungen des Wissenschaftlichen Beirates fuer Globale Umweltfragen.

Am 24-01-2002

Urwaldabholzung

Seit Dienstag protestieren 70 Greenpeace-Aktivisten gegen den Handel mit Urwaldholz aus Zentral- und Westafrika auf dem Lagergelände der Holzhandelsfirma "Fritz Offermann" in Preussisch-Oldendorf (Nordrhein-Westfalen). Die Umweltschützer markieren Stämme mit dem Spruch "Dies war Urwald". Zehn Kletterer haben den Entladekran besetzt und ein 19 Meter langes Transparent mit der Forderung "Kein Holz aus Urwaldzerstörung!" entrollt.

Jeder sechste nach Deutschland importierte Stamm aus tropischen Urwäldern wird in dem Werk in Preussisch-Oldendorf zersägt. Greenpeace protestierte in den letzten Wochen bereits in fünf Häfen Europas, darunter auch in Hamburg, gegen den Import von Urwaldholz.

"Es ist ein Skandal, dass die letzten Urwälder zerstört werden und hier die Einfuhr des Holzes immer noch erlaubt ist", sagt Greenpeace-Waldexpertin Sandra Pfotenhauer vor Ort. "Alle zwei Sekunden verschwinden Urwälder in der Grösse eines Fussballfeldes. Aber die deutsche Regierung hat bislang nichts unternommen, um das aufzuhalten. Auf dem Urwaldgipfel nächsten Monat müssen die Regierungen dafür sorgen, dass die Vernichtung der Urwälder endlich aufhört."

Vom 7. bis 19. April tagt in Den Haag die sechste Vertragsstaatenkonferenz der UN-Konvention über die Biologische Vielfalt (COP-6 CBD). Der Urwaldgipfel soll ein Zehnjahres-Programm zum Schutz der letzten Urwälder beschliessen. Greenpeace fordert von der Bundesregierung, sich auf der Konferenz für einen zeitlich befristeten Einschlagstopp in den Urwäldern einzusetzen. Er muss so lange gelten, bis geklärt ist, welche Urwälder als daürhafte Schutzgebiete zu erhalten sind und welche nach ökologischen Kriterien genutzt werden können.

"Wenn wir den Lebensraum von Schimpansen und Waldelefanten weiter zerstören, werden diese seltenen Tiere bald aussterben", warnt Pfotenhauer. Urwälder sind unersetzbarer Lebensraum von zwei Dritteln aller landlebenden Tier- und Pflanzenarten. Zudem spielen sie eine wichtige Rolle für das Klima, da sie grosse Mengen Kohlendioxid speichern.

"Statt mit Bäumen aus einmaligen Urwäldern zu handeln, sollten deutsche Händler auf Holz aus ökologischer Waldnutzung umsteigen", sagt Pfotenhauer. Die beste Garantie für Waldbewirtschaftung nach ökologisch und sozial nachhaltigen Kriterien bietet das Öko-Siegel FSC des Weltforstrates.

Am 13-03-2002

Gegen Raubbau-Tropenholz

Den vierten Tag in Folge haben Greenpeace-Mitglieder am Freitag einen Tropenholz verarbeitenden Betrieb in Ostwestfalen besetzt gehalten. Der Protest in Preußisch Oldendorf verlaufe weiter friedlich, sagte ein Polizeisprecher in Minden. 25 Aktivisten befanden sich noch auf dem Gelände. Acht hatten sich an einen Holz-Verladekran gekettet. Die Polizei kann das Areal nach eigenen Angaben erst räumen, wenn der Besitzer einen Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs gestellt hat.

Zwischen Greenpeace und Firmenleitung gab es zwischenzeitlich weitere Gespräche, die jedoch zu keiner Einigung führten. Deshalb werde die Aktion fortgesetzt, sagte eine Greenpeace-Sprecherin. Das Unternehmen soll nach dem Willen der Organisation nur noch Tropenholz aus ökologischem Waldbau verarbeiten.

Am 15-03-2002

Tropenholz-Protest

Am siebten Tag des Greenpeace-Protests in einem Sägewerk im ostwestfälischen Preußisch Oldendorf haben sich die Fronten verhärtet. Der Eigentümer stellte der Umweltschutzorganisation am Montag ein Ultimatum: Wenn die Aktivisten das Gelände nicht bis Mittwoch um 17 Uhr verlassen haben, wolle er einen Strafantrag stellen, sagte eine Greenpeace-Sprecherin. Dann werde die Polizei das Anwesen räumen. Die Aktivisten wollen allerdings nach Angaben der Sprecherin das Ultimatum nicht beachten.

Der Eigentümer der besetzten Holzfirma hatte am Montagmorgen offenbar versucht, in Eigenregie sein Gelände zu räumen. Mit einem Seitenschneider durchtrennte er mehrere Greenpeace-Ketten, die seinen Holzverlade-Kran am Boden fixierten, wie die Sprecherin weiter berichtete. Damit korrigierte sie erste Angaben, wonach der Unternehmer versucht habe, angekettete Aktivisten loszuschneiden.

Die besetzte Firma ist nach Greenpeace-Angaben einer der größten deutschen Tropenholzverarbeiter. Nach dem Willen der Umweltschützer soll das Unternehmen nur noch Holz aus ökologischem Waldbau verarbeiten.

Am 18-03-2002

Nach Greenpeace-Aktion

Die Bundesregierung hat die von Greenpeace aufgedeckte Schiffslieferung mit illegal gefällten Mahagoni-Stämmen aus Brasilien im Hamburger Hafen beschlagnahmt. Dies bestätigte am Donnerstag Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne). Etwa 50 Greenpeace-Aktivisten hatten am 28. Februar gegen den Holzfrachter "Enif", der 300 Kubikmeter Mahagoni aus dem Amazonas nach Hamburg lieferte, 16 Stunden lang mit Schlauchbooten und Schwimmern im Hamburger Hafen protestiert.

"Das ist ein einmaliger und wichtiger Schritt der Bundesregierung mit weltweiter Signalwirkung", begrüßt Greenpeace-Waldexpertin Michaela Braun die Entscheidung der Bundesregierung. "Endlich wacht die Politik auf und unternimmt erste Schritte zur Rettung der letzten Urwälder. Diesem Beispiel müssen alle Regierungen folgen. Auf dem Urwaldgipfel in Den Haag im April müssen sie den Import von Holz aus Urwaldzerstörung stoppen."

Der für Forsten zuständige Staatssekretär im Verbraucherministerium, Matthias Berninger (Grüne), erklärte gegenüber Greenpeace: "Wir müssen den Handel stärker in den Blick nehmen und dort, wo illegal eingeschlagenes Holz auf den Markt kommt, dies brutal vom Markt nehmen."

Das in Hamburg festgehaltene Mahagoni wurde nach Angaben der brasilianischen Umweltbehörde Ibama illegal gefällt. Die Behörde verhängte im Oktober 2001 ein Handels- und Exportverbot für Mahagoni, um die Urwälder Brasiliens zu schützen. Nach Klagen der Holzfirmen wurde das illegal gefällte Mahagoni dennoch exportiert, obwohl das Verfahren bis heute in der Schwebe ist. Greenpeace forderte von der Bundesregierung während der Proteste im Hamburger Hafen sofortige Schritte gegen die Einfuhr des illegal gefällten Urwaldholzes.

Die Auseinandersetzung um den Import von Urwaldhölzern findet im Vorfeld der sechsten Vertragsstaatenkonferenz der UN-Konvention über die Biologische Vielfalt (COP-6 CBD) statt, die vom 7. bis 19. April in Den Haag tagt. Greenpeace fordert von den Regierungen, auf dem Urwaldgipfel ein wirksames Programm zum Schutz der letzten Urwälder zu verabschieden. Dazu gehört, dauerhafte Urwald-Schutzgebiete einzurichten und ökologische Waldnutzung zu fördern. Zum Schutz der Urwälder und ihrer Artenvielfalt sind nach Einschätzung von Greenpeace jährlich 17 Milliarden Euro erforderlich.

Die Beschlagnahmung wurde am Rande der "Berliner Urwaldtage" bekannt. Greenpeace-Urwaldbotschafter und "Kids for Forests" führen in der Bundeshauptstadt seit Mittwoch persönliche Gespräche mit über 150 Bundestagsabgeordneten aller Parteien, um ihnen die Notwendigkeit des Urwaldschutzes klar zu machen.

Am 22-03-2002

Wegen "Star Wars"-Protest

Zwei deutsche Greenpeace-Aktivisten sind am Freitag vom US-Bundesgericht in Los Angeles zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt worden. Tom Knappe (35) aus Dresden und Mathias Pendzialek (35) aus der Nähe von Hamburg müssen daher nicht wie befürchtet wegen ihres friedlichen Proteste gegen die Aufrüstungspläne der USA ins Gefängnis.

"Wir sind sehr froh, dass das Gericht friedliche Demonstranten nicht wie Schwerverbrecher behandelt," sagt Christian Bussau, Sprecher von Greenpeace Deutschland. "Dennoch hätten die Aktivisten eigentlich freigesprochen werden müssen. Denn wir haben friedlich gegen ein US-Raketenprogramm protestiert, das die USA kaum schützen kann, die weltweite Rüstungsspirale aber wieder in Gang setzt."

15 Greenpeace-Aktivisten und zwei Journalisten hatten am 14. Juli 2001 friedlich bei der Vandenberg Air Force Basis in Los Angeles gegen das US-Raketen-Abwehr-Programm protestiert. Die Greenpeace-Aktivisten wurden gefangen genommen und wie Schwerverbrecher behandelt. Zunächst wurde ihnen von der Staatsanwaltschaft Verschwörung vorgeworfen sowie das unbefugte Eindringen in die Sicherheitszone des Raketentestgeländes. Ausserdem hätten die Angeklagten die Anweisungen der Küstenwache nicht befolgt. Eine solche Straftat hätte mit bis zu sechs Jahren Haft geahndet werden können. Erst Mitte Oktober 2001, nach mehr als drei Monaten Zwangsaufenthalt, durften die deutschen Greenpeace-Aktivisten die USA verlassen.

Später nahm die Staatsanwaltschaft den Vorwurf einer schweren Straftat zurück. Allen 17 Angeklagten, die innerhalb des Militärsperrgebietes protestiert und den Raketentest dadurch um vierzig Minuten verzögert hatten, wurde nunmehr ein minderschweres Vergehen vorgeworfen. Dieses hätte im Höchstfall mit bis zu sechs Monaten Haft bestraft werden können. In einer ersten Verhandlungsrunde am 18. Januar wurden 9 Greenpeace-Aktivisten zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Am 15. April 2002 beginnt der Prozess gegen die restlichen sechs Angeklagten.

Das auch "Star Wars" genannte Projekt der USA besteht aus einer Kombination von Frühwarnsystemen und Abfangraketen. Die US-Pläne verstoßen gegen den ABM-(Anti Ballistic Missile)-Vertrag von 1972, in dem die USA und Russland die Zahl und Art ihrer Abfangsysteme begrenzt haben. Am 13.12.2001 kündigte Praesident Bush formell den ABM Vertrag mit Moskau.

Am 15-04-2002

Erdgipfel von Johannesburg

"Wenn man hier in Bali nicht sofort in Gang kommt, ist ein Scheitern des langersehnten Erdgipfels von Johannesburg vorprogrammiert." Mit diesen Worten kommentierte am Montag Greenpeace Sprecher Andreas Bernstorff die Halbzeitbilanz der letzten Vorbereitungskonferenz des im August stattfindenden Erdgipfels. Die sogenannte PrepCom4 Sitzung, zu der nach Ablauf der ersten Woche die Umweltminister aus über 100 Staaten anreisen werden, ist das entscheidende Treffen im Vorfeld der Ende August in Johannesburg stattfindenden Rio-Nachfolgekonferenz.

Der Greenpeace-Delegierte in Bali warnte zudem davor, dass man sich dem Ziel, in Bali einen gemeinsamen Aktionsplan für den Erdgipfel zu verabschieden, möglicherweise keinen Zentimeter nähern wird. Die 2000 Delegierten der Beamtenebene aus 140 Ländern haben sich demnach in keinem wichtigen Punkt zur Armutsbekämpfung, Förderung der Neuen Energien oder der Unternehmensverantwortung für Umweltschäden einigen können.

Die USA, Kanada und Australien bekämpften jede internationale Regelung. Sie böten statt dessen zweiseitige Partnerschaften an, bei denen die Regierung auf freiwillige Selbstverpflichtung der Industrie setzt. "Freiwillige Selbstverpflichtung ist ein Widerspruch in sich. Die grossen Konzerne, allen voran der Ölmulti Esso investiert keinen Cent für Umwelt und Klimaschutz, wenn man ihn nicht dazu zwingt. Einen Gipfel der Lippenbekenntnisse wie in Rio können wir uns nicht mehr leisten," sagt Bernstorff.

Greenpeace setze nun die Hoffnung vor allem auf die Vertreter der Europäischen Union. "Die G77 und die EU müssen zusammen die US-Blockade brechen, sonst wird Johannesburg zum Rio minus 10", erklärt Bernstorff. "Allerdings muss dabei in einem der wichtigsten Punkte der Konferenz die EU auf Südländer wie Indien, Argentinien, Brasilien und Iran zugehen." Diese Länder fordern zu Recht ein internationales Umwelthaftungsregime für Unternehmen. So sind die Opfer des Chemieunglücks von Bhopal im Jahr 1984 bis heute nicht entschädigt worden, Ungarns Klage gegen eine australische Minenfirma, die vor zwei Jahren ein riesiges Fischsterben im Lande verursachte, wurde gerichtlich abgewiesen. "Man kann nicht die Geschicke der Welt in die Hände von ein paar weltweit operierenden Grossunternehmen legen und sie bei von ihnen verursachten Unfallschäden und Umweltfolgen einfach laufen lassen."

Am vergangenen Freitag hatten die Umweltverbände BUND, WWF und Greenpeace in einem gemeinsamen Brief an Umwelt-Minister Trittin appelliert, in Bali das Ruder herum zu reissen. Die Verbände zeigten sich darin besorgt, dass die Regierungen weiterhin die Globalisierung der Unternehmen vor die Interessen der Menschen und des Planeten stellen und warfen ihnen vor, in einer wirtschaftlichen Globalisierung bislang keine sozialen und ökologischen Grenzen gezogen zu haben. Seit der ersten internationalen Umweltkonferenz 1992 in Rio sind weltweit die klimaschädlichen Emissionen nicht etwa zurückgegangen, sondern um acht Prozent gestiegen. Alle zwei Sekunden wird ein Urwaldgebiet von der Grösse eines Fussballfeldes vernichtet.

Am 03-06-2002

Greenpeace

International tätige Ölkonzerne können langfristig Gewinne erwirtschaften, wenn sie jetzt in Klimaschutz investieren. Das ist das Ergebnis der Greenpeace-Studie "Mineralölkonzerne und Klimazerstörung". Demnach sollten Ölkonzerne ihre Investitionen in erneuerbare Energien umlenken, statt weiter Öl und Gas zu fördern. Greenpeace fordert, dass sich Ölkonzerne in vergleichbarer Weise ihrer Verantwortung zur Senkung der weltweiten Treibhausgas-Emissionen stellen, wie es die Industriestaaten im Klimaschutzabkommen von Kyoto getan haben. Die Greenpeace-Studie belegt, dass eine alternative Energiewirtschaft technisch möglich sei und die Mineralölindustrie ihren Anteil daran finanzieren könne.

Stellvertretend für alle global tätigen Mineralölkonzerne werden in der Studie die ersten Versuche zum Klimaschutz im Bereich regenerativer Energien von ExxonMobil, BP, Shell und TotalFinaElf untersucht.

Die Autoren der Studie schlagen vor, dass sich die Ölkonzerne zu einer Reduzierung für die Treibhausgase ihrer Produkte in der Größenordnung des Kyoto-Protokolls verpflichten. Ihr Beitrag solle am Absatz des Jahres 1990 bemessen werden und mindestens fünf Prozent der damaligen CO2-Emissionen betragen. Um dieses Ziel zu erreichen, empfehlen die Wissenschaftler eine Kompensation durch den Mix regenerativer Energiequellen wie Solar, Wind, Biomasse und Kraft-Wärmekopplung. Das dafür erforderliche Investitionsvolumen der vier Mineralölkonzerne würde sich auf 70 Milliarden Euro für die kommenden zehn Jahre belaufen.

Am 06-06-2002