Angeblich bis zu zwölf V-Männer in rechter Szene enttarnt

"Krimineller Verfassungsschutzmitarbeiter"

Der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz hat wegen des Skandals um einen kriminellen V-Mann angeblich wichtige Informanten verloren. Wie die "Frankfurter Rundschau" aus Kreisen des Geheimdienstes berichtete, wurden bis zu zwölf V-Männer in der rechtsextremen Szene enttarnt. Ein Sprecher von Innenminister Ingo Wolf (FDP) sagte am 7. September in Düsseldorf lediglich, man werde den Bericht "nicht bestätigen".

Auf den Internetseiten der Neonazis kursieren dem Zeitungsbericht zufolge Namenslisten. Es werde zum Ausschluss der "Verräter" und zu einer "entsprechenden Behandlung" aufgefordert.

Nun müssten die Geheimdienstler offenbar ohne V-Männer in Dortmund und Ostwestfalen auskommen. Nach Informationen der Zeitung war der kriminelle Verfassungsschutzmitarbeiter Sebastian S. seit Jahren für die Behörde tätig.

Die Polizei habe wegen eines Drogendelikts über mehrere Monate sein Handy überwacht. Dabei seien auch seine Telefonate mit dem V-Mann-Führer des Verfassungsschutzes dokumentiert worden.

Durch einen weiteren Prozess kamen offenbar die Telefon-Protokolle auch des V-Mann-Führers an die Öffentlichkeit: Sie finden sich in den Ermittlungsakten eines Dortmunder Prozesses gegen Robin Sch. Der 23-Jährige beschuldigt Sebastian S., ihn zu einem Überfall auf einen Supermarkt angestiftet zu haben. So habe auch der Rechtsanwalt von Robin Sch., André Picker, Zugang zu den Protokollen und den Handynummern der weiteren V-Männer.

Unterdessen wurden die Ermittlungen gegen unbekannte Mitarbeiter des Verfassungsschutzes wegen Verdachts auf Geheimnisverrat und Strafvereitelung von der Staatsanwaltschaft Bielefeld an die Staatsanwaltschaft Düsseldorf übergeben. "Das müsste in diesen Tagen geschehen", sagte der leitende Bielefelder Oberstaatsanwalt Reinhard Baumgart. Verfassungsschützer sollen den V-Mann Sebastian S. vor Ermittlungen der Polizei gegen ihn gewarnt haben.