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Ermittler haben Zweifel an Neonazi-Überfall in Mittweida

"Mitteilung der Polizei als Tatsache gewertet"

Im Fall des mutmaßlichen Neonazi-Übergriffs auf eine 17-Jährige Anfang November in Mittweida haben die Ermittler inzwischen Zweifel an dem vom vermeintlichen Opfer geschilderten Tathergang. Die junge Frau habe sich die angeblich bei der Tat erlittene Schnittverletzung in Form eines Hakenkreuzes womöglich selber in die Haut geritzt. Es lägen inzwischen zwei rechtsmedizinische Gutachten vor, nach denen zumindest nicht ausgeschlossen werden könne, dass sich die junge Frau die Verletzungen selbst zugefügt habe, teilten Chemnitzer Staatsanwaltschaft und Polizei am 18. Dezember gemeinsam mit.

Unter Berufung auf Angaben des Mädchens war die Polizei bislang davon ausgegangen, dass vier Neonazis ihr auf dem Parkplatz vor einem Supermarkt in Mittweida ein Hakenkreuz in die Hüfte geritzt hatten. Die 17-Jährige war nach bisherigen Ermittlungen zuvor einem sechsjährigen Mädchen zu Hilfe geeilt, das von den Neonazis umhergeschubst wurde. Auch diese Version wird mittlerweile angezweifelt. Die Zeugensuche war bislang erfolglos verlaufen.

Das von dem Mädchen erwähnte Kind habe nicht gefunden werden können, teilten die Ermittler jetzt mit. Ende November hatte die Polizei noch angegeben, dass eine Sechsjährige den von der jungen Frau geschilderten Tatverlauf bestätigt habe. Der Sprecher der Chemnitzer Staatsanwaltschaft, Bernd Vogel, sagte, die Mutter des Kindes habe jedoch später erklärt, dass sie mit ihrer Tochter zum Tatzeitpunkt gar nicht in Mittweida war.

Nun werde auch geprüft, ob das vermeintliche Opfer eine Straftat vorgetäuscht habe, hieß es. Die Ermittlungen würden "in alle Richtungen weitergeführt" und richteten sich aufgrund der neuen Anhaltspunkte nun auch gegen die Jugendliche selbst. Die 17-Jährige hatte laut Vogel in mehreren Vernehmungen stets ihre Version der Geschichte betont. Sie sei nun über die aktuellen Ermittlungen informiert worden.

Die Stadt hatte nach dem Vorfall in zahlreichen Aktionen gegen Rechts demonstriert. Die Hochschule hatte eine Kundgebung organisiert. Bürgermeister Matthias Damm hatte mehr als 100 Briefe an Anwohner mit Zeugenaufrufen versandt. Damm, der der 17-Jährigen nach dem Überfall Blumen und eine Geldspende überreichte, hatte sie damals als absolut glaubwürdig eingeschätzt.

Der neue Beauftragte des Bürgermeisters für Extremismusbekämpfung, Udo Göckeritz, sagte, die Stadt sei durch diesen Fall in Misskredit geraten. In zahlreichen E-Mails und Briefen seien die Bürger und die Stadtverwaltung verurteilt worden.

Die Mitteilung der Polizei sei damals als Tatsache gewertet worden und entsprechend habe die Stadt reagiert, sagte Göckeritz. Die Bemühungen gegen Rechts würden jedoch auch nach neuen Ermittlungsergebnissen unvermindert fortgesetzt. Schließlich gebe es noch immer das Problem mit der verbotenen Neonazi-Kameradschaft "Sturm 34".

Ein ähnlicher Fall aus Sachsen-Anhalt hatte vor Jahren überregional für Schlagzeilen gesorgt. Am 11. Januar 1994 hatte eine behinderte Schülerin aus Halle angegeben, von drei Skinheads überfallen worden zu sein. Die Ermittlungen hatten schließlich ergeben, dass die gelähmte Gymnasiastin sich selbst ein Hakenkreuz in die Wange ritzte.

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