Greenpeace Klimawandel Forderungen - 20 Jahre Einsatz und wenig Erfolge

Proteste im Hafen Nordenhams - Greenpeace fordert Stopp der Urwaldabholzung

Eine Woche vor dem Treffen der G8-Staaten in Kanada appelliert Greenpeace damit an die G8-Staatschefs, die Urwälder endlich als wertvolle Zentren der Artenvielfalt zu schützen. Die Aktivisten bemalten die im Hafen lagernden Urwald- Holzstämme und Sägehölzer mit dem Spruch "G8: Rettet die Urwälder" und entrollten von den Entladekränen an der Pier ein Transparent "G8: Save ancient forests now!". Der Hafen in Nordenham ist der größte deutsche Umschlagsplatz für Rundholz aus afrikanischen Urwäldern.

Die G8-Staaten wollen ihr 'Aktionsprogramm für Wälder', das sie 1998 ins Leben gerufen haben, auf ihrem Treffen vom 26.-28. Juni in Kananaskis/Kanada beenden, obwohl die Abholzung der Urwälder dramatisch fortschreitet. Das Aktionsprogramm hatte zum Ziel, den Import von Holz aus nicht nachhaltiger, illegaler Abholzung einzudämmen. "Gerade die G8-Staaten sind verantwortlich für die Zerstörung der Urwälder, da sie die größten Mengen an Urwaldholz verarbeiten", sagt Greenpeace-Waldexpertin Sandra Pfotenhauer. "Bundeskanzler Schröder und die anderen G8-Staatschefs müssen bis 2010 den Trend des Urwald- und Artenverlustes umkehren. Der Import von Holz aus Urwaldzerstörung muss endlich gestoppt werden."

Fast jede Woche kommen in Nordenham Schiffe mit Urwaldholz aus Kamerun, Liberia oder dem Kongo an. Das Holz wird meist auf zerstörerische Weise eingeschlagen. Somit wird die Artenvielfalt der Urwälder unwiderbringlich vernichtet. Zu den wichtigsten deutschen Importeuren, die tropische Urwaldhölzer über den Hafen von Nordenham importieren, gehören Danzer/Interholco (Reutlingen), Wijma (Drensteinfurt bei Münster) und die Feldmeyer-Gruppe (Bremen). Das importierte Rundholz wird in Deutschland gesägt und beispielsweise an Türen-, Fenster- oder Parketthersteller weiter verkauft.

Im vergangenen April haben 184 Vertragsstaaten auf dem UN-Urwaldgipfel (CBD) in Den Haag ein "Arbeitsprogramm zum Schutz der Wälder" verabschiedet, ohne dessen Finanzierung zu klären. "Die Regierungen, allen voran die G8-Staaten, müssen beim Weltgipfel (Rio+10) im August in Johannesburg Geld auf den Tisch legen, um das UN-Waldarbeitsprogramm zu finanzieren", sagt Pfotenhauer. Für den Schutz der Urwälder sind nach Greenpeace-Schätzungen weltweit ca. 17 Milliarden Euro jährlich erforderlich.

Bereits 80 Prozent aller Urwälder sind zerstört. Zu den letzten sieben Urwaldregionen gehören die tropischen Regenwälder in West- und Zentralafrika, im Amazonas und in Südostasien, die Bergwälder in Chile sowie die nordischen Urwälder in Kanada, Nordeuropa und Sibirien.

Am 20-06-2002

"Die Zukunft lässt sich nicht wiederaufarbeiten!"

Rund 150 Jugendliche von Greenpeace demonstrierten am Sonnabend vor den Zentralen und Kundenzentren der vier grossen deutschen Energieversorgungsunternehmen E.ON, RWE, EnBW und HEW gegen die Wiederaufarbeitung von Atommüll und gegen Atommüll-Transporte ins Ausland. Die Demonstrationen finden zeitgleich in Essen, Hamburg, Karlsruhe und München statt. Greenpeace erwartet, dass in der kommenden Woche erneut Behälter mit hochradioaktivem Atommüll aus Deutschland in die Plutoniumfabriken Sellafield und La Hague exportiert werden.

"Unsere Zukunft könnt ihr nicht wiederaufarbeiten", sagt die siebzehnjährige Feray Halil von der Greenpeace-Jugend-AG Düsseldorf. "Wir Jugendlichen wollen kein strahlendes Erbe. Die Wiederaufarbeitung ist eine grosse Lüge der Atomindustrie. Recycling von Atommüll findet dort nicht statt, sondern das Volumen des gefährlichen Mülls vergrössert sich."

Mit Demonstrationen, Strassentheater, einer Talk-Show-Parodie und anderen fantasievollen Aktionen wollen die Jugendlichen auf die permanente radioaktive Verseuchung der Meere und der Luft in der Umgebung der Anlagen hinweisen. Eine in 2001 durchgeführte Emnid-Umfrage im Auftrag von Greenpeace hat gezeigt, dass ein Grossteil der Bevölkerung gar nicht weiss, was sich hinter dem Begriff "Wiederaufarbeitung" verbirgt. Je mehr die Menschen über Wiederaufarbeitung wussten, desto kritischer waren sie ihr gegenüber eingestellt. Hier wollen die Jugendlichen ansetzen und selbst eine Umfrage durchführen - mit dem Ziel, mehr Menschen über die Gefahren der Wiederaufarbeitung zu informieren.

Seit März 2001 finden regelmässig etwa alle zwei Wochen wieder Atommüll-Transporte von deutschen Atomkraftwerken in die beiden Plutoniumfabriken im französischen La Hague und im britischen Sellafield statt. Die Umweltverschmutzung, die von den Anlagen ausgeht, ist verheerend. In Sellafield fliessen tagtäglich 9 Millionen Liter radioaktive Abwässer ins Meer, in La Hague sind es 1,5 Millionen Liter.

"Im deutschen Atomgesetz steht, dass Atommüll schadlos verwertet werden muss. Wiederaufarbeitung ist keine schadlose Verwertung. Die deutschen Energieversorgungsunternehmen müssen Verantwortung für den Müll übernehmen, den sie selbst produzieren. Die Verschiebung des deutschen Atommülls ins Ausland und die Entsorgung im Meer hat nichts mit Verantwortung zu tun. Die Energiekonzerne müssen die Transporte ins Ausland stoppen", meint Feray Halil.

Am 01-07-2002

"Stopp Esso"-Kampagne

Der Ölkonzern Esso versucht die internationale Stopp-Esso-Kampagne von Greenpeace mit rechtlichen Mitteln zu verhindern. Dabei stützt sich der Ölmulti nach Meinung der Umweltschutzorganisation zum Teil auf seltsame Argumente. Vom 1. Juli an soll Greenpeace - Frankreich nicht mehr ein verfremdetes Esso-Logo verbreiten dürfen, in dem die beiden "s" im Firmennamen wie Dollar-Zeichen geformt sind. Begründung: Die Dollarzeichen seien mit dem Nazi-Emblem aus der SS-Zeit zu verwechseln. Außerdem fordert Esso von Greenpeace Frankreich nicht mehr den Ausdruck "StopEsso" zu verwenden, da so das Image des Konzerns geschädigt würde.

Auch in Deutschland hat Esso per Gericht eine einstweilige Verfügungen erwirkt. Greenpeace ist es bundesweit unter einer Strafandrohung von 250.000 Euro untersagt, zu Zwecken der Meinungskundgabe "das Gelände von Esso zu betreten, zu besteigen oder sich sonst darauf, darunter oder darin aufzuhalten." Diese einstweilige Verfügung hat Esso nach einer friedlichen Protestaktion von Greenpeace-Aktivisten an der europäischen Esso-Zentrale in Hamburg erwirkt. Greenpeace prüfe derzeit, ob und wie man juristisch gegen die einstweiligen Verfügungen vorgehen kann.

"Von solchen Versuchen uns mundtot zu machen, lassen wir uns nicht abschrecken," erklärt Brigitte Behrens, Geschäftsführerin von Greenpeace Deutschland. "Wir werden weiter friedlich gegen Esso protestieren. Außerdem werden wir in jeder richterlichen Auseinandersetzung deutlich machen, dass nicht wir, sondern Esso im Unrecht ist. Esso selbst scheut offenbar die Auseinandersetzung um seine Mitverantwortung am Klimawandel."

Greenpeace wirft Esso vor, den Wahlkampf des heutigen US-Präsidenten George W. Bush mitfinanziert und die US-Regierung nach Bushs Wahl dazu bewegt zu haben, das Klimaschutz-Protokoll von Kyoto nicht zu unterzeichnen. Darüber hinaus zerstört der Konzern beispielsweise beim Bau einer Pipeline in Tschad / Kamerun wichtige Regenwälder, ausreichende Wasserschutzpläne fehlen. Aktivitäten von Esso vor der russischen Insel Sachalin bedrohen die letzten 100 Grauwale in dieser Region.

Am 01-07-2002

Wirbel um Tropenholzparkett

Greenpeace-Aktivisten haben heute morgen erneut gegen den Einbau von Tropenholz aus Mosambik im Hamburger Congress Centrum protestiert. Um gegen das Verlegen von 800 Quadratmetern Parkett aus nicht FSC-zertifiziertem Tropenholz im Foyer des Gebäudes vorzugehen, ketteten sich die Umweltschützer an die Parkettstapel und verhinderten so die Fortsetzung der Bauarbeiten. Mit dem Slogan "Hamburg tritt den Regenwald mit Füssen" fordern die Umweltschützer von Hamburgs Senat die Einhaltung des Beschlusses, nur noch FSC-zertifiziertes Tropenholz in städtischen Gebäuden zu verwenden. Letzte Woche hatte Greenpeace bereits gegen den geplanten Einbau des Mecrusse-Tropenholzes protestiert und im CCH symbolisch neun Quadratmeter heimisches FSC-Eichenparkett verlegt.

Es sei ein Skandal, dass Hamburgs Regierung wissentlich die Tropenholz-Richtlinie missachte, sagt Oliver Salge, Waldexperte bei Greenpeace. Das Parkett dürfe nicht eingebaut werden. Nach dem Beschluss des Hamburger Senats vom 3. Dezember 1996 soll nur Tropenholz aus nachhaltiger Forstwirtschaft bei Bauvorhaben der Stadt Hamburg und deren Tochterunternehmen verwendet werden.

Das nun gelieferte Parkettholz Mecrusse stammt jedoch aus Mosambiks subtropischen Regenwäldern und hat keine seriöse Zertifizierung. In Afrika ist es üblich, dass sich die holzeinschlagenden Firmen selbst ein Öko-Zeichen ausstellen. Als einziges Zertifizierungssystem wurde von Hamburgs Senat jedoch der Forest Stewardship Council (FSC) genannt, das von allen führenden Umweltverbänden akzeptiert wird.

Am 29-07-2002

Greenpeace weist auf illegale Abholzungen hin

Gegen den illegalen Einschlag von Tropenholz in Kamerun protestieren am Dienstag 20 Greenpeace-Aktivisten vor der deutschen Niederlassung der holländischen Holzhandelsfirma Wijma in Drensteinfurt, Westfalen. Die Firma holzt auch ausserhalb ihres genehmigten Gebietes wertvolle Hoelzer wie Bongossi ab.Die Firma weite so ihr Einschlaggebiet ohne Erlaubnis aus. Dazu werden riesige Strassen in den Wald gebaut, um den Wald zu pluendern und das Holz gegen den Willen der Bevoelkerung wegzuschaffen. Durch den Strassenbau würden auch die Kakao- und Bananenplantagen der lokalen Bevoelkerung zerstört.

Greenpeace hatte während einer Recherche in Kamerun im Juli 2002 den Diebstahl der Firma Wijma zusammen mit der britischen Organisation "Forest Monitor" verfolgt und dokumentiert. In einem Umkreis von fünf Kilometern ausserhalb ihrer Gebietsgrenzen konnte Greenpeace der Firma illegalen Holzeinschlag nachweisen. Bereits vor zehn Jahren hat sich die Bundesregierung auf dem Umweltgipfel in Rio zum Erhalt der Artenvielfalt verpflichtet und zugesagt, Entwicklungsländer im Artenschutz zu unterstützen. Bis heute gibt es jedoch noch keine wirksamen Massnahmen, um die Urwaldzerstörung zu stoppen und den Handel mit illegal eingeschlagenem Holz zu unterbinden.

Am 27-08-2002

Mahnmal für die WestLB

Ein vier Meter hohes Mahnmal errichten Greenpeace Aktivisten heute morgen vor dem Haupteingang des WestLB-Gebäudes in Düsseldorf. Damit beenden sie den zwei Wochen dauernden Protest der Greenpeace Kletterer an der Fassade der Bank. Das Mahnmal, auf dessen Metallsockel ein Stück maroder Pipeline liegt, weist auf die Urwaldzerstörung im Amazonas hin, die die WestLB mit ihrem Kredit für den Bau einer Öl-Pipeline in Ecuador zu verantworten hat. Auf einem sechs mal zwei Meter grossem Banner ist zu lesen: "'Erster Preis für WestLB: Ihr Partner in Sachen Urwaldzerstörung."

Mit dem Pipeline-Fall wird sich auch der Eine-Welt-Ausschuss des nordrhein-westfälischen Landtages heute Nachmittag beschäftigen. Das Land Nordrhein-Westfalen ist mit fast 43 Prozent grösster Anteilseigner der WestLB. Greenpeace fordert die Landesregierung auf, dort Stellung zu nehmen zu dem neuen Gutachten über den Pipeline-Bau, in dem die Verstösse gegen die Umweltrichtlinien der Weltbank festgestellt werden.

"Zwei Wochen lang wollte die WestLB nicht über Umweltverbrechen in Ecuador reden," sagt Carsten Rocholl, Waldexperte von Greenpeace. "Jetzt muss die Landesregierung endlich zugeben, dass das Projekt nicht mehr gefördert werden kann. Der Kredit muss zurückgezogen werden."

Am 30-09-2002

Gericht entscheidet gegen Greenpeace

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace wird nicht am Verfahren zur Übernahme von Ruhrgas durch E.ON beteiligt. Der Kartellsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf wies am Mittwoch eine Beschwerde der Umweltschützer gegen die umstrittene Ministererlaubnis des Bundeswirtschaftsministeriums zurück.

Greenpeace wollte an der Anhörung zur Fusion beteiligt werden und dabei klimapolitische Anliegen vortragen. Mit dem Antrag auf Beteiligung hatte sich Greenpeace aber nicht durchsetzen können, da das Bundeswirtschaftsministerium die Auswirkungen der Fusion auf Umwelt und Klima als unbedeutend eingestuft hatte.

Dieser Ansicht schloss sich das Gericht weitestgehend an. In seiner Begründung wies das Oberlandesgericht darauf hin, dass Greenpeace als Organisation ohnehin keine Nachteile durch die Fusion zu befürchten habe. Insoweit sei die Erheblichkeitsschwelle nicht überschritten. Der Senat ließ es offen, ob die Fusion überhaupt klimarelevante Auswirkungen haben werde. Auch aus allgemeiner Verbrauchersicht habe nicht dargelegt werden können, dass es durch die Fusion zu einer Mehrbelastung der Verbraucher kommen werde. Gegen den Beschluss (Kart 25/02 (V)) können keine Rechtsmittel eingelegt werden.

Greenpeace zeigte sich enttäuscht von der Entscheidung der Düsseldorfer Richter. Auf den Klimaschutz werde sich die Fusion schädlich auswirken, denn der Energieriese setze auf wenige zentrale Kraftwerke. Als "zynisch" bewertete Greenpeace die Darlegung der Richter, E.ON und Ruhrgas seien bislang keine besonderen Förderer des Klimaschutzes gewesen. Die Fusion werde dies nicht verschlimmern. Greenpeace nannte es "mehr als unverständlich", dass eine rot-grüne Bundesregierung überhaupt eine Ministererlaubnis für die Fusion erteilen konnte.

Im Falle einer Zulassung der Greenpeace-Beschwerde hatten Beobachter mit einer weiteren Verzögerung der Fusion gerechnet. Durch den Zusammenschluss von Ruhrgas und E.ON soll einer der größten Energiekonzerne Europas entstehen.

Am 02-10-2002

Ölkrieg

Aus Protest gegen einen möglichen Irak-Krieg hat Greenpeace am Montag die britische Zentrale des Ölkonzerns Esso blockiert. Die Umweltschutzorganisation warf dem Esso-Besitzer ExxonMobil eine „kriegstreibende Energiepolitik“ vor. Der Ölkonzern bestritt die Vorwürfe. Jörg Feddern, „Öl-Experte“ von Greenpeace bezeichnete Esso als einen der größten Nutznießer eines möglichen Irak-Krieges. Seit Jahren finanziere der Konzern US-amerikanische Institute und Lobby- Gruppen, die ein militärisches Vorgehen gegen den Irak verlangten.

Eine Sprecherin von Greenpeace sagte, die Umweltschützer hätten an 110 britischen Esso-Tankstellen die Benzinzufuhr gestoppt. Dabei sei es zu 40 Festnahmen gekommen. Esso sprach von 50 Tankstellen. Des Weiteren versperrten die Aktivisten den Eingang der britischen Esso- Zentrale in dem südenglischen Ort Leatherhead. Am Mittag beendete die britische Polizei die Blockade und nahm noch einmal mindestens 24 der Protestanten fest.

„Je mehr die amerikanischen Ölvorkommen zur Neige gehen, desto mehr werden die US-Konzerne versuchen, Zugriff auf die Vorkommen in anderen Regionen der Welt zu bekommen", sagte Feddern. Ein Unternehmen wie Esso, das seit Jahren als einziges der großen Ölunternehmen jede ernsthafte Investition in erneuerbare Energien ablehne, sei nicht nur mitverantwortlich für die Klimaerwärmung, sondern auch für einen möglichen Krieg gegen den Irak.

Ein Esso-Sprecher bezeichnete es dagegen als "lachhaft", dass sich ExxonMobil für einen Krieg gegen den Irak stark mache. Die Irak-Politik werde von Regierungen und nicht von Unternehmen gemacht, sagte er.

Am 25-02-2003

Afrikas Urwälder für Waffen abgeholzt

Gegen den Import von Holz, für das afrikanischer Urwald zerstört wurde, protestieren am Montag etwa 30 Greenpeace-Aktivisten auf dem Gelände des Midgard-Hafens im niedersächsischen Nordenham. Mit schwarzen Kreuzen und weisser Farbe haben sie den größten deutschen Umschlagplatz für afrikanische Rundhölzer als Urwaldfriedhof gekennzeichnet. Aus der Luft ist zu lesen: "Africa crime - Urwaldfriedhof Midgard-Hafen". Ein Aktivist in einem drei Meter großen Baumkostüm fordert: "Rettet die Urwälder". Anlass der Aktion ist die heutige Beratung des UN-Sicherheitsrates in New York über den Bürgerkrieg im westafrikanischen Liberia. Midgard importiert regelmäßig Holz von Firmen in Liberia, die nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) in illegalen Waffenhandel verwickelt sind.

"Solange Liberia Holz verkaufen darf, wird es Waffen einkaufen", sagt Sandra Pfotenhauer, Waldexpertin von Greenpeace. "Außenminister Joschka Fischer muss sich deshalb heute im UN-Sicherheitsrat dafür stark machen, dass Liberia kein Holz mehr exportieren darf", fordert Sandra Pfotenhauer. Obwohl die UN in einem Bericht 2001 die Rolle des Holzexports als Motor der Bürgerkriege erkannt haben, steht ein Holzhandels-Embargo gegen Liberia nicht auf der Tagesordnung.

Liberia gilt als Drahtzieher hinter den Bürgerkriegen angrenzender Länder - der Handel mit Urwaldholz liefert das Geld dafür. Die Vereinten Nationen haben bereits 1992 ein Waffenembargo gegen Liberia erlassen. Doch der liberianische Präsident Charles Taylor schafft unter Missachtung dieses UN-Embargos immer mehr Waffen ins Land. Mit diesen Waffen versorgt Taylor Rebellen in den benachbarten Ländern Sierra Leone und Elfenbeinküste und seine eigene Armee, die Rebellen in Liberia bekämpft.

Das im Midgard-Hafen lagernde Holz wird zum Teil im angrenzenden Sägewerk Blexen weiter verarbeitet, vor allem aber an die Importeure Fritz Offermann (Preussisch-Oldendorf bei Minden, NRW), Wagner (Bad Essen, Niedersachsen) und Texwood (Minden, NRW) geliefert, die das Holz in ihren eigenen Sägewerken verarbeiten. Fast der gesamte deutsche Import afrikanischer Rundhölzer wird in Nordenham entladen - im Jahr 2002 rund 110.000 Kubikmeter. 13 Prozent der importierten Rundhölzer stammen aus Liberia. Das afrikanische Urwaldholz wird vor allem für Türen, Parkett und Möbel sowie im Wasser- und Brückenbau verwendet.

"Wer Holz aus Liberia einkauft, hat ein Stück Urwald auf dem Gewissen und unterstützt blutige Bürgerkriege in Afrika", sagt Sandra Pfotenhauer. Greenpeace fordert deutsche Importeure auf, kein Holz von Firmen zu importieren, die mit Waffenhandel in Verbindung stehen. Ebenso sollen sie kein Holz einkaufen, für das Urwälder zerstört wurden. Importeure von Holz aus Urwaldregionen sollten auf unabhängig zertifiziertes Öko-Holz nach den Kriterien des FSC (Forest Stewardship Council) umsteigen. Leider gibt es auf dem afrikanischen Kontinent noch keinen Waldbetrieb, der nach diesen umweltschonenden Methoden wirtschaftet.

Am 05-05-2003

Rodung der Urwälder

Gegen den Handel mit Holz aus den letzten Urwäldern Liberias protestieren seit den frühen Morgenstunden rund 25 Greenpeace-Aktivisten bei der Firma "Fritz Offermann Sägewerk und Holzimport" in Preußisch-Oldendorf in Nordrhein-Westfalen. Die Umweltschützer reagierten damit auf eine Entscheidung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen (UN). Dieser hatte am gestrigen Dienstag beschlossen, ein Handelsverbot für Holz aus dem westafrikanischen Liberia zu verhängen. Mit den Gewinnen aus dem Holzverkauf würden bislang die blutigen Bürgerkriege in Liberia und den umliegenden Ländern finanziert, kritisiert die Umweltorganisation.

Offermann ist einer der größten deutschen Importeure und Verarbeiter von afrikanischem Urwaldholz. Das Unternehmen bezieht auch große Mengen Holz aus Liberia - unter anderem von den Schwesterfirmen OTC und RTC, deren Geschäftsführer Gus Kouwenhouven laut UN-Berichten in den Waffenhandel verstrickt ist und dafür sogar seine Holztransporter zur Verfügung stellt.

"Dem schmutzigen Geschäft der Firma Offermann mit Liberia ist jetzt durch den UN-Beschluss ein Riegel vorgeschoben worden", sagt Sandra Pfotenhauer, Waldexpertin bei Greenpeace. Offermann müsse nun umdenken und dürfe auch aus anderen afrikanischen Ländern kein Holz aus Urwaldzerstörung mehr kaufen. Denn auch in Ländern wie Kamerun, Kongo oder Gabun richte die Nachfrage nach Urwaldholz große ökologische und soziale Schäden an: In Kamerun beispielsweise werde über die Hälfte der Stämme illegal geschlagen.

Das Holzembargo gegen Liberia sehen die Umweltschützer auch als Erfolg der Greenpeace-Kampagne zum Schutz der letzten Urwälder. Im März 2002 hatte Greenpeace schon einmal zehn Tage bei Offermann protestiert. Damals weigerte sich der Geschäftsführer Jürgen Offermann, auf die

Greenpeace-Forderungen einzugehen. "Dabei ist eine Alternative vorhanden," sagt Sandra Pfotenhauer, die auch damals mit Offermann verhandelte: "Holz aus ökologisch und sozial nachhaltiger Waldwirtschaft mit dem Siegel FSC." FSC steht für Forest Stewardship Council (Weltforstrat). Mit diesem Siegel zertifiziertes Holz gibt es zwar noch nicht aus Afrika , aber aus zahlreichen anderen Waldregionen der Welt.

Am 07-05-2003

Afrikas Urwälder im Sägewerk

Etwa 30 Greenpeace-Aktivisten protestierten am Montag am Sägewerk der Firma Max Wagner KG in Bad Essen (Niedersachsen) am Mittellandkanal gegen den Import von und Handel mit Holz, für das die Urwälder Afrikas zerstört werden. Sie sind dort auf das Binnenschiff "Ilmenau" geklettert, dessen Ladung mit afrikanischem Rundholz für das Sägewerk Wagner bestimmt ist. Die Umweltschützer halten ein Transparent mit der Aufschrift "Hier ruhen die letzten Urwälder Afrikas" und malen weiße Kreuze auf die Baumriesen. Am Entladekran haben die Kletterer ein Transparent "Urwaldfriedhof Wagner" entrollt.

Zwar hat die EU-Kommission am 21. Mai 2003 einen Aktionsplan vorgeschlagen, mit dem sie dem illegalen Holzeinschlag und dem Handel mit Holz aus Konfliktregionen wie beispielsweise in Afrika begegnen will. Dieser ist jedoch völlig unverbindlich. Greenpeace fordert daher Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) auf, sich dafür einzusetzen, den EU-Aktionsplan drastisch zu verschärfen. Nötig ist ein Importgesetz auch für Deutschland: Firmen, die illegal eingeschlagenes Holz oder Holz aus Urwaldzerstörung einführen und damit handeln, müssen mit Strafen belegt werden können. Zudem muss der Verbraucher erkennen können, ob er Holz aus Urwaldzerstörung oder nachhaltiger Waldnutzung, wie nach den Kriterien des FSC, kauft.

"Wagner sägt in aller Seelenruhe Holz aus Urwaldzerstörung, illegal eingeschlagenes Holz und Holz von Waffenschiebern in Afrika", sagt Sandra Pfotenhauer, Waldexpertin von Greenpeace. "Deutsche Holzimporteure und Händler sind keine Unschuldslämmer: Wir brauchen deshalb stärkere Importkontrollen. Nötig sind zudem Gesetze, mit denen diejenigen, die mit Holz aus illegalen Quellen und Urwaldzerstörung handeln, belangt werden können."

Mit der "Ilmenau" lässt sich Wagner Holz der liberianischen Firma "Oriental Timber Company" (OTC) liefern, die in illegale Waffenschiebereien verwickelt ist. Zudem liegen auf dem Gelände des Sägewerks Hölzer der Firma "Mba Mba Georges" (MMG), die in Kamerun illegal eingeschlagen hat. Das afrikanische Holz wird zu Türen, Parkett und Möbeln verarbeitet und im Hafen- und Brückenbau sowie in Pferdeställen eingesetzt. "Liberia und Kamerun sind nur Beispiele für die dunklen Machenschaften der Holzindustrie. Die Urwälder sind jedoch im gesamten Kongobecken durch illegalen und kommerziellen Holzeinschlag bedroht", sagt Sandra Pfotenhauer.

Der Handel mit Holz aus Liberia zerstört dort nicht nur die letzten Urwälder, sondern gefährdet auch die Sicherheit in Westafrika. Mit dem Geld aus dem Holzverkauf unterstützt die Regierung Liberias Rebellengruppen in Sierra Leone und kauft Waffen für das eigene Land. Die UN hat deshalb am 6. Mai 2003 ein Embargo gegen den Import von Holz aus Liberia verabschiedet, das am 7. Juli 2003 in Kraft tritt. Vier Tage nach dem Beschluss verließ das Schiff "Turkus" Liberia mit einer Ladung Rundhölzern. Von diesem Schiff hat die "Ilmenau" nach Greenpeace-Beobachtungen am vergangenen Mittwoch im Hafen in Nordenham (an der Weser bei Bremerhaven) das Holz für das Sägewerk Max Wagner übernommen.

Am 02-06-2003

Greenpeace macht mit

Der in der Insolvenz befindliche Tierpark Warder für seltene und vom Aussterben bedrohte Haus- und Nutztierrassen bei Neumünster in Schleswig-Holstein soll erhalten werden. Die Umweltorganisation Greenpeace e.V., die Umweltstiftung Greenpeace und der Trägerverein Tierpark Warder e.V. haben sich darauf verständigt, den 25 Hektar großen Tierpark gemeinsam zu betreiben. Die Partner hätten Verhandlungen mit dem Insolvenzverwalter aufgenommen und hofften auf einen zügigen Vertragsabschluss, so die Umweltschützer. Greenpeace plane den Kauf des Geländes durch die Umweltstiftung, der Trägerverein wolle den Tierbestand kaufen.

Bei seiner Gründung 1989 war der Tierpark Warder das erste Projekt dieser Art in Deutschland. Der Bestand des unter wissenschaftlicher Leitung stehenden Tierparks beläuft sich zur Zeit auf etwa 1100 Tiere von 150 Rassen. Alte Rassen wie Angler Rind, Moorschnucke oder Buntes Bentheimer Schwein seien heute eine notwendige genetische Reserve für viele Eigenschaften, die die hochgezüchteten Tiere der industriellen Landwirtschaft verloren hätten, so die Organisation. Greenpeace woll diese Reserve von robusten Tieren für eine moderne naturnahe Landwirtschaft erhalten und weiter verbreiten. Dafür solle das bestehende System der Satellitenhöfe weiter ausgebaut werden, die einige der seltenen Tiere bereits beherbergten.

"Wir wollen dabei helfen, diesen Tierpark zu retten und weiter zu entwickeln", sagt Roland Hipp, Kampagnen-Geschäftsführer von Greenpeace. Wer es ernst meine mit der naturnahen Landwirtschaft, müsse sich von den heute üblichen Züchtungen unabhängig machen. Das mache den Tierpark Warder so wertvoll. Er ist aber auch interessant für bis zu 60.000 Besucher, die den Park jährlich besuchen.

"Der Park ist noch nicht über den Berg", betont Hipp. Die Organisation benötige dringend Unterstützung in der Region aber auch im gesamten Bundesgebiet. Besonders die Wintermonate seien schwer für den Park.

Wenn alle Verträge abgeschlossen seien, würden als erste Maßnahmen alle Tierunterstände, Zäune und die Wasserversorgung für die Tiere renoviert. Zur Entlastung der Wiesen sollten weitere Flächen angepachtet werden. "Wir hoffen auf entsprechende Hilfsbereitschaft speziell bei den umliegenden Landwirten.", so Hipp.

Am 17-07-2003

Bilanz von Greenpeace

Trotz wirtschaftlicher Verunsicherung unterstützen immer mehr Menschen den Umweltschutz und Greenpeace: Die Zahl der Greenpeace-Förderer sei im Jahr 2002 in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um 11.600 auf 522.000 gesteigen. Nach eigenen Angaben hätten die Einnahmen im gleichen Zeitraum mit 38.8 Millionen Euro den höchsten Stand seit der Gründung von Greenpeace Deutschland 1981 erreicht. Weltweit sei 2002 die Zahl der Förderer im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent auf 2,8 Millionen Menschen gewachsen, die Einnahmen seien von 157 auf 165 Millionen Euro gestiegen. Besonders in Indien und Südostasien sei eine erhebliche Zahl neuer Förderer hinzugekommen.

Die Jahrhundertflut im letzten Sommer habe Deutschland nicht nur mit ersten Signalen des Klimawandels konfrontiert, sie habe auch Greenpeace auf unerwartete Weise gefordert. Die Aktivisten verstärkten mit ihren Schlauchbooten die Einsatzkräfte in Dresden, sicherten Deiche und untersuchten Wasserproben.

"Weltweit zeigen zunehmende Stürme und Flutkatastrophen, wie wichtig der Schutz des Klimas ist", sagt Brigitte Behrens, Greenpeace Geschäftsführerin in Deutschland. Der größte Ölkonzern ExxonMobil leugne jedoch mit Unterstützung der US-Regierung den Klimawandel. Die USA und die Ölförderstaaten verhindertn feste internationale Zielvorgaben für den Ausbau erneuerbarer Energien. In Deutschland drohe mit der Erneuerung der Kraftwerke die weitere Förderung der klimaschädlichen Kohle. Die vielen Menschen, die die Arbeit der Umweltschützer unterstützen, wollten sehen, dass die Bundesregierung brisante Umweltprobleme wie den Klimawandel ernsthaft angehe.

Als wichtigen Erfolg wertet die Organisation, dass ein Patent auf menschliche Embryonen in wesentlichen Teilen für ungültig erklärt wurde. Zudem machten die Umweltschützer die Gesundheitsgefahren von Dieselruß aus Fahrzeugen bekannt und protestierten gegen die Weigerung der deutschen Autohersteller, serienmäßig Rußfilter einzubauen. Diese Kampagnen werde Greenpeace in diesem Jahr ebenso weiterführen wie die Verbraucherarbeit: Derzeit warnt Greenpeace mit eigenen Untersuchungsergebnissen vor der Verseuchung von Obst und Gemüse mit gefährlichen Pestiziden.

Am 20-08-2003

Greenpeace deckt Holzschwindel auf

In Baumärkten verkauftes Fichtenholz mit dem Logo "Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft - Gewachsen in Deutschlands Wäldern" stammt oftmals aus russischen Urwäldern. In den vergangenen drei Monaten entdeckte die Umweltorganisation Greenpeace in Filialen der Baumarktketten Bauhaus, BayWa, Hagebau, Marktkauf, Obi, Praktiker und Toom in sieben Bundesländern Bauholz mit falscher Kennzeichnung. Die Umweltschützer erstatteten jetzt bei den zuständigen Staatsanwaltschaften Anzeige wegen des Verdachts auf Betrug.

Das Holz trägt an der Stirnseite die rote Markierung "AR" von Sägewerken in Archangelsk im europäischen Teil Russlands. Ein Teil des Fichtenholzes stammt nach Greenpeace-Angaben aus dem Dvinsky-Urwald, einem der größten noch verbliebenen Urwälder Europas. "Das ist Betrug und doppelte Verbrauchertäuschung. Das Holz ist weder ökologisch erzeugt, noch stammt es aus Deutschland", sagt Greenpeace-Waldexperte Oliver Salge. "In Wahrheit wurde das Holz in den letzten Urwäldern Russlands eingeschlagen. Ein Fall für die Polizei."

Das deutsche Siegel vergibt der Holzabsatzfonds (HAF). Der HAF ist eine staatlich geförderte Marketingeinrichtung und steht unter der Aufsicht des Ministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMVEL). Josef Rettenmeier, aus dessen Sägewerk das falsch gekennzeichnete Holz an die Baumärkte geliefert wurde, sitzt nach Informationen der Umweltschützer im Verwaltungsrat des HAF. "Verbraucher sollten nur Bauholz, Möbel, Fenster, Türen und Parkett mit dem Öko-Siegel FSC kaufen", empfiehlt Oliver Salge. Das Siegel des Forest Stewardship Council (FSC) garantiere, dass das Holz aus einer sozial und ökologisch nachhaltigen Waldnutzung stammt.

Im April 2003 hatte Greenpeace einen Verbraucherratgeber Holz & Papier veröffentlicht, der Fichtenholz als "kritisch" einstuft, weil nicht FSC-zertifizierte Fichte oft aus russischen Urwäldern stammt. Greenpeace rät in dem Ratgeber deshalb, nur FSC-zertifizierte Fichte zu kaufen.

Am 09-02-2004