Greenpeace Atomkraft - 20 Jahre Aufklärung

Atomtransport - Greenpeace protestiert: Castoren auf dem Weg nach La Hague

Ein Transport mit zwei Atommüll-Behältern hat am Mittwochmittag das rheinland-pfälzische Atomkraftwerk Mülheim-Kärlich verlassen. Die beiden Behälter mit je zwölf abgebrannten Brennelementen sollten an einem geheim gehaltenen Ort im Koblenzer Raum mit Behältern aus Stade und Brunsbüttel zusammengekoppelt werden, teilte die Polizei mit. Beim ersten Castortransport seit den Terroranschlägen auf die USA wird Atommüll aus den Kraftwerken Stade und Brunsbüttel von Norddeutschland und aus Mülheim-Kärlich in die Wiederaufbereitungsanlage in La Hague nach Frankreich transportiert.

Unmittelbar vor der Abfahrt eines Atomtransportes aus dem Atomkraftwerk Brunsbüttel (Niedersachsen) in die französische Wiederaufarbeitungsanlage La Hague hat Greenpeace gestern Nacht auf den Gleisanlagen rund 800 Meter vor dem Werkstor protestiert. Zwei Aktivisten hatten sich mit Seilen und Klettergurten unter einer Rohrleitungs-Brücke abgeseilt und hingen über den Gleisen, die zu dem Kraftwerk führen. 20 weitere Aktivsten setzten sich auf die Schienen. "Keine Atomtransporte" stand auf einem Transparent. Die Aktion wurde von der Polizei nach eineinhalb Stunden beendet. "Atomtransporte waren schon immer eine Gefahr für die Bevölkerung," erklärt Veit Bürger, Energieexperte bei Greenpeace. "Vor dem Hintergrund der aktuellen Weltlage ist es aber ein doppeltes Risiko, einen Konvoi mit voll beladenen Atommüll-Behältern quasi als rollende Zielscheibe quer durch das Land zu schicken."

Gestern Nacht gegen 23.30 Uhr rollten aus dem Kraftwerk Brunsbüttel insgesamt zwei Atommüll-Behälter. Heute Abend sollen sie zusammen mit weiteren Behältern aus Stade (Niedersachsen) Mühlheim-Kärlich (Rheinland Pfalz) von Wörth an der Grenze zu Frankreich in die sogenannte Wiederaufarbeitungsanlage La Hague abfahren. Der Atommüll enthält vergleichbar viel Radioaktivität wie 1986 bei der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl (Ukraine) freigesetzt wurde. Nach Angaben von Greenpeace seien Atombehälter völlig unzureichend gegen mögliche Unfälle und Anschläge gesichert. So müssen sie zum Beispiel bei einem Feuertest eine halbe Stunde lang einen 800 Grad heißen Brand unversehrt überstehen. In Folge eines Unfalls oder durch einen Anschlag kann es jedoch zu deutlich längeren Bränden mit höheren Temperaturen kommen.

Angesichts der angespannten Sicherheitslage fordert Greenpeace von den Stromkonzernen, alle Reaktoren sofort abzuschalten und die Atomtransporte sofort zu stoppen. Außerdem müssen die Atomkraftwerksbetreiber offenlegen, welche zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen sie an ihren Reaktoren, Zwischenlagern und sonstigen Atomanlagen ergreifen werden, um die Anlagen vor Terroranschlägen zu schützen.

Nachrichten Greenpeace Atomkraft

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  • Am 10-10-2001

    Castortransporte

    Greenpeace hat am Mittwoch früh auf die stark bewachte Halle des Castor-Verladekrans im wendländischen Dannenberg ein Großbilddia projiziert. Zusammen mit den Firmenlogos der vier großen Stromkonzerne Eon, RWE, EnBW und HEW stand in großen leuchtenden Buchstaben: "Wir ignorieren die Sicherheit. Wir gefährden Menschen. Wir lassen die Polizei die Drecksarbeit machen – Stop Castor!" Greenpeace demonstriert mit der Aktion gegen den Castor-Transport aus der französischen Atomanlage La Hague ins niedersächsische Zwischenlager Gorleben, den die vier Stromkonzerne für nächste Woche planen.

    Vor dem nächsten Atommüll-Transport nach Gorleben zeichnen sich heftige Proteste der Castor-Gegner ab. Sie kündigten am Mittwoch in Hannover massive Demonstrationen und Blockaden an. Die Polizei sieht sich ausreichend vorbereitet. Die Anti-Atom-Bewegung rechnet für kommenden Dienstag mit der Ankunft des Transportes in Lüneburg. Dort beginnen bereits am Samstag die Proteste mit einer Demonstration, zu der die Organisatoren 10.000 Menschen erwarten.

    Wie der Sprecher der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg, Wolfgang Ehmke, sagte, sollen die Aktionen im Wendland "so etwas wie die S peerspitze der Anti-Atom-Bewegung in Deutschland werden". Ziel sei nicht die Verhinderung des Transportes. Es gehe vielmehr darum, "den Fahrplan der Betreiber durcheinander zu bringen". Zugleich solle "mit der Atompolitik der rot-grünen Bundesregierung abgerechnet werden". Der Sprecher der Anti-Atom-Bewegung X-tausenmalquer, Jochen Stay, kündigte Sitzblockaden auf dem Transportweg der Castor-Behälter an. Diese verbotenen Demonstrationen seien ein "notwendiger Rechtsbruch".

    Nach Angaben des Polizei-Gesamteinsatzleiters Hans Reime sind die Beamten auf etwaige Straßenblockaden vorbereitet. Die Polizei rechne bei den Aktionen "mit weniger Masse, dafür aber mit mehr Militanz" der Atomgegner. Der Transport soll mit 15.000 Beamten abgesichert werden. Der Bundesgrenzschutz (BGS) entdeckte bereits eine Ankett-Vorrichtung auf der Zugstrecke. Es habe sich dabei um eine ähnliche Konstruktion gehandelt wie jene, mit der vier Aktivisten der Umweltorganisation Robin Wood im März den Zug bei Süschendorf 16 Stunden lang aufgehalten hatten, sagte BGS-Einsatzleiter Joachim Franklin in Hannover. Die Vorrichtung mit Plastikrohren und einem Betonklotz habe sich fünf Kilometer entfernt von der ersten Blockadestelle befunden und sei für zwei Menschen ausgerichtet gewesen.

    Die auf der Transportstrecke bei einem Anschlag beschädigte Bahn-Brücke bei Seerau soll bis zum Wochenende wieder befahrbar sein. Bis dahin werde auch die Überprüfung ihrer Sicherheit abgeschlossen sein, sagte Bahn-Sprecher Hans-Jürgen Frohns. Er bezifferte die Kosten für die Reparatur auf knapp eine Million Mark.

    "Es ist unerträglich, wie arrogant die Stromkonzerne Vorschriften missachten und Sicherheitsbedenken vom Tisch fegen", sagt Veit Bürger, Greenpeace-Energieexperte. "Seit Jahren verstoßen sie in ihren Atomkraftwerken gegen Sicherheitsvorschriften. Gleichzeitig schicken sie Atommüll quer durch Europa, weil sie für dessen Lagerung überhaupt keine Lösung haben. Dass sie damit die Menschen auf vielfache Weise gefährden, ist ihnen offensichtlich egal. Die Chefs der Stromkonzerne müssen endlich einsehen, dass die Öffentlichkeit ihre fahrlässigen Machenschaften schon lange nicht mehr akzeptiert. Die Castor-Transporte müssen gestoppt werden."

    Castorbehälter werden nur völlig unzureichend gegen die Auswirkungen von Unfällen und Terroranschlägen getestet. Sie können nicht garantieren, dass sie im Falle eines schweren Unfalls dicht bleiben. So muss ein Atombehälter beim sogenannten Feuertest lediglich 30 Minuten lang ein 800 Grad heißes Feuer unversehrt überstehen. Bei möglichen Unfällen mit Zügen, die leicht entzündbare Stoffe wie Benzin oder Propangas transportieren, entstehen Brandtemperaturen von bis zu 2000 Grad. Die Deckeldichtungen könnten versagen und Radioaktivität in die Umwelt gelangen. Die sechs Behälter des nächsten Gorleben-Transportes enthalten ungefähr genauso viel Radioaktivität, wie bei der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl freigesetzt wurde.

    Die sechs Castorbehälter, die voraussichtlich Anfang nächster Woche nach Gorleben transportiert werden, enthalten Abfälle, die bei der sogenannten Wiederaufarbeitung in der Atomfabrik in La Hague entstehen. Die sogenannten Glaskokillen bestehen aus verglasten hochradioaktiven Spaltprodukten, die bei der chemischen Wiederaufarbeitung von Atommüll anfallen. Mit den Glaskokillen kommen rund 98 Prozent der radioaktiven Substanzen, die aus den deutschen Atomkraftwerken vorher in Form abgebrannter Brennelemente nach Frankreich gebracht wurden, nach Deutschland zurück.

    Am 07-11-2001

    Atomtransporte

    Die Atomindustrie gefährdet nach Ansicht von Greenpeace die Bevölkerung durch "klammheimliche" Castortransporte. Um Proteste zu verhindern, wollten die Betreiber von Atomkraftwerken die Transporte unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchführen, sagte Greenpeace-Sprecher Stefan Schurig am Mittwoch in Hamburg. Dies sei jedoch "unverantwortlich". Schließlich würden die Castoren mit hochradioaktivem Material durch dicht besiedelte Gebiete und auch Großstädte wie Hamburg rollen. Nach Greenpeace vorliegenden Informationen wird Mittwoch der erste Atomtransport in diesem Jahr von Deutschland nach Frankreich rollen. Voraussichtlich passieren drei Castorbehälter mit hochradioaktiven, abgebrannten Brennelementen die deutsch-französische Grenze bei Saarbrücken.

    Ihr Ziel, Protestaktionen von vornherein zu verhindern, werde die Atomindustrie damit jedoch nicht erreichen, zeigte sich Schurig überzeugt. Den Transport von insgesamt 125 Castorbehältern in die Wiederaufarbeitungsanlagen im britischen Sellafield und im französischen La Hague in diesem Jahr werde die Anti-Atom-Bewegung "nicht einfach durchgehen lassen". Durch die anhaltenden Proteste sei im vergangenen Jahr nur die Hälfte der geplanten Atommülltransporte auf die Reise geschickt worden. Die Atomgegner hätten bewirkt, dass der Ausstieg Deutschlands aus der Kernenergie beschlossen wurde. Die Proteste würden in Zukunft auch dazu führen, dass ein wesentlich schnellerer Ausstieg nötig werde.

    Der nächste Castor-Transport nach Gorleben wird nach Angaben von Greenpeace erst im Herbst stattfinden. "Eine derartige innenpolitische Zerreißprobe will man vor der Bundestagswahl nicht mehr haben."

    Am 23-01-2002

    Niederländisches Gericht

    Das Oberlandesgericht in Den Haag hat heute eine von der französischen Atomfirma Cogema erwirkte einstweilige Verfügung gegen Greenpeace Holland aufgehoben und das Handeln der Anti-Atom-Aktivisten ausdrücklich für rechtmässig erklärt.

    Vier Greenpeace-Aktivisten hatten sich im vergangenen Jahr an Bahnschienen angekettet und auf diese Weise gegen den Transport von abgebrannten Brennelementen aus dem holländischen Atomkraftwerk Borssele in die französische Wiederaufarbeitungsanlage La Hague protestiert.

    Die Richter führten in ihrer Urteilsbegründung aus, dass Greenpeace nicht nur das Recht habe fernab des Geschehens zu demonstrieren, sondern auch direkt vor Ort. Mit Blick auf den Prozess des Lüneburger Amtsgerichtes gegen vier Castor-Gegner , in dem die Richter heute eine Strafe von jeweils 525 Euro wegen gemeinschaftlicher Störung öffentlicher Betriebe verhängt haben, erklärt Mathias Edler, Energieexperte von Greenpeace: Das Holländische Gericht habe unmissverständlich erklärt, dass der Protest gegen gefährliche Atomtransporte sich nicht darauf beschränken müsse, weitab vom Geschehen mit einem kleinen Taschentuch zu winken, sondern auch Aktionen vor Ort durchführen dürfe. Auch in Deutschland sehe das Bundesverfassungsgericht Protestaktionen als notwendiges Funktionselement der Demokratie an. Das man die deutschen Castor-Gegner in Lüneburg nicht wie Schwerverbrecher behandelt hat, sein nur folgerichtig. Konsequenterweise hätten die Aktivisten aber, wie in Holland, freigesprochen werden müssen.

    Am 23-05-2002

    Castor-Transporte

    Transporte mit Atommüll aus fünf norddeutschen Kernkraftwerken sind am Donnerstagmorgen ohne Zwischenfälle gestartet. Züge von jeweils drei Behältern mit abgebrannten Brennelementen verließen die Atomkraftwerke Stade und Brunsbüttel in Niedersachsen sowie Krümmel in Schleswig-Holstein. Nach Angaben des Bundesgrenzschutzes (BGS) gab es keine Störungen.

    Die drei Züge wurden auf dem Rangierbahnhof in Maschen bei Hamburg zusammengekoppelt. Kurz nach 6.00 Uhr fuhr der Zug in Richtung Süddeutschland weiter. Bei Münster sollten Wagen mit zwei weiteren Behältern aus dem AKW Unterweser in Niedersachsen angekoppelt werden. Ein Atommüll-Behälter aus dem niedersächsischen AKW Brokdorf war bereits am Mittwoch ungehindert auf dem Straßenweg in das Kernkraftwerk Brunsbüttel transportiert worden.

    Ein Großaufgebot an Beamten von Polizei und Bundesgrenzschutz (BGS) war in der Nacht zu Donnerstag zur Sicherung der Züge im Einsatz, wie ein BGS-Sprecher sagte. Lediglich in Buchholz und in Bergedorf bei Hamburg habe es zwei Mahnwachen gegen den Atommülltransport mit insgesamt etwa 15 Demonstranten gegeben. Diese seien aber friedlich verlaufen.

    Die elf Atommüll-Behälter aus Norddeutschland sind für die Wiederaufbereitungsanlagen La Hague in Frankreich und Sellafield in Großbritannien bestimmt. Vor der deutsch-französischen Grenze sollen die Wagen mit drei Transportbehältern aus Neckarwestheim in Baden-Württemberg und zwei Behältern aus dem Kraftwerk Grafenrheinfeld in Bayern zusammengekoppelt werden. Die 16 Atommüllbehälter wären nach Angaben der Umweltschutzorganisation Greenpeace der größte derartige Transport, der jemals durch Deutschland rollte.

    Aus Protest gegen die Brennelemente-Entsorgung hatten Atomkraftgegner in Brunsbüttel am Mittwoch die Befestigung der Bahngleise auf einer Länge von 15 Metern gelockert. Greenpeace-Aktivisten demonstrierten vor dem Atomkraftwerk Krümmel. Auf die AKW-Fassade projizierten sie den Slogan: "Nationale

    Verantwortung heißt, seinen Nachbarn keinen Atommüll vor die Haustür zu kippen". Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) handle verantwortungslos, wenn er das deutsche Atommüllproblem in Nachbarländer verschiebe, betonte Greenpeace-Energieexperte Sven Teske. Eine Studie für das Europäische Parlament belege, dass die Wiederaufbereitung die Umwelt "jährlich radioaktiv mit der Menge eines kerntechnischen Unfalls verseucht". Daher müssten alle Atomtransporte sofort gestoppt und die Wiederaufbereitung weltweit beendet werden.

    Nach Plänen der rot-grünen Bundesregierung und der Energieunternehmen sollten bis zum Jahr 2005 noch rund 400 Atommüllbehälter mit hochradioaktiven Brennelementen nach La Hague und Sellafield transportiert werden, kritisierte Teske.

    Am 10-10-2002

    Internationaler Greenpeace-Protest an Castor-Gleisen

    An den Bahngleisen für den laufenden Castor-Transport haben 25 Greenpeace-Aktivisten aus Deutschland und Frankreich heute in Saarbrücken gemeinsam gegen die schädliche Wiederaufarbeitung von deutschem Atommüll in La Hague (Frankreich) und Sellafield (England) demonstriert. Fünf Kletterer spannten an die Stahlstützen unter einer Bahnbrücke über die Saar ein 15 Meter langes Banner mit der Aufschrift "Deutscher Atommüll verseucht Europa". Greenpeace fordert, die Atommülltransporte sofort zu stoppen und die Wiederaufarbeitung weltweit zu beenden.

    "Deutschland ist Weltmeister darin, seinen giftigen Atommüll ins Ausland zu schaffen", sagt Greenpeace-Atomexperte Mathias Edler. "Die Plutoniumfabriken würden in Deutschland niemals genehmigt. In Frankreich und Großbritannien hält unser Atommüll aber genau diese Anlagen am Laufen." Die Wiederaufarbeitungsanlagen (WAAs) pumpen zusammen pro Jahr etwa 3,5 Milliarden Liter radioaktive Abwässer ins Meer. In beiden Regionen konnte eine erhöhte Rate von Leukämieerkrankungen nachgewiesen werden. Greenpeace entdeckte bereits vor Jahren Spuren des hochgiftigen Bombenstoffes Plutonium in Milchzähnen von englischen Kindern.

    "Unser Protest steht für die Ablehnung der Menschen in Frankreich und England zur atomaren Verseuchung durch deutschen Atommüll", sagt Edler. Nach einer von Greenpeace im Jahre 2000 in Auftrag gegebenen Emnid-Umfrage sprechen sich in Frankreich 80 Prozent der Befragten dafür aus, die Einleitung radioaktiver Abwässer ins Meer durch ein internationales Abkommen zu verbieten. In Großbritannien wollen 85 Prozent ein Verbot, in Deutschland gar 94 Prozent der Befragten. Laut deutschem Atomgesetz dürfen die Energieunternehmen bis Ende 2005 noch rund 400 weitere Castorbehälter mit Atommüll nach La Hague und Sellafield verschieben.

    Am 11-10-2002

    Ältestes deutsches AKW darf zwei Jahre länger arbeiten

    SPD und Grüne haben am Montag bei ihren Koalitionsgesprächen vereinbart, die Laufzeit für das Atomkratfwerk Obrigheim um zwei Jahre zu verlängern. Die Entscheidung kommentiert Susanne Ochse, Energie-Expertin von Greenpeace-Aktivisten: "Greenpeace verurteilt diese Entscheidung scharf. Beim Schutz der Bevölkerung vor Atomgefahren darf es keine Kompromisse geben. Zwar kann der Uralt-Meiler in Obrigheim noch vor der nächsten Wahl abgeschaltet werden, doch der Kompromiss zeigt, dass Rot-Grün in Fragen der Sicherheit von Atomkraftwerken mit sich schachern lässt. Rot-Grün trifft in Fragen der Atompolitik keine verantwortungsvollen Entscheidungen.“

    Seit vier Jahren werde der Bevölkerung Sand in die Augen gestreut. Atomtransporte und schädliche Wiederaufarbeitung gingen ungehindert weiter. Die Laufzeit des ersten Atomkraftwerks, das vom Netz gehen sollte, wurde verlängert. Greenpeace fordert, den Atomausstieg neu zu verhandeln. Aus der Mogelpackung müsse endlich zuverlässige Politik werden.

    Auch der Naturschutzbund NABU hat die Entscheidung der rot-grünen Koalition, einer Laufzeitverlängerung des Atomkraftwerkes Obrigheim um zwei Jahre zuzustimmen, scharf kritisiert. "Mit diesem faulen Kompromiss zum Obrigheimer Schrottreaktor weicht die Bundesregierung den Atomkonsens schon beim ersten Ausstiegsschritt auf", sagte NABU-Präsident Jochen Flasbarth.

    Nach Ansicht des NABU hätte der Bundeskanzler angesichts neuer Sicherheitsgutachten mehr als genug Gründe gehabt, von seiner angeblichen Zusage an EnBW-Chef Goll abzurücken. "Obrigheim ist nicht nur das unsicherste aller deutschen Atomkraftwerke, sondern hat auch den schlampigsten Betreiber", so Flasbarth. Die Bundesregierung liefere mit dieser Entscheidung nicht nur ein falsches energiepolitisches Signal, sondern riskiere unnötigerweise die Konfrontation mit der Umweltbewegung.

    Gerhard Goll, Vorstandsvorsitzenden der EnBW Energie Baden-Württemberg AG, sagte dagegen zur Laufzeitverlängerung des Kernkraftwerks Obrigheim: „Die Entscheidung der Bundesregierung stellt uns zwar nicht zufrieden, aber wir werden sie sorgfältig prüfen und nicht von vorn herein verwerfen. Denn wir sehen auch die Schwierigkeiten, vor die sich die neue Bundesregierung gestellt sieht."

    Am 15-10-2002

    Atomkraft

    Greenpeace-Aktivisten haben am frühen Sonntagmorgen am Atomkraftwerk Biblis den Aufsichtsbehörden mit einer Protestaktion Schlamperei und Fahrlässigkeit vorgeworfen. Auf den Kühlturm des abgeschalteten südhessischen Meilers projizierten sie ein Großbilddia mit dem Spruch „AKW Biblis: 28 Jahre Russisch-Roulette!“ Damit wollte die Organisation darauf hinweisen, dass das Notkühlsystem bereits seit der Inbetriebnahme des AKWs 1975 unzureichend ist und nicht der Betriebsgenehmigung entspricht. Greenpeace forderte, den Betreiber RWE und die politisch Verantwortlichen in den Atomaufsichtsbehörden von Land und Bund zur Rechenschaft zu ziehen.

    RWE müsse die Betriebsgenehmigung für das AKW entzogen werden, so die Umweltorganisation. Am 17. April 2003 hatte RWE das hessische Umweltministerium darüber informiert, dass die Ansaugöffnungen der Notkühlpumpen zu klein sind. Ihre Bruttofläche beträgt nur 5,9 statt der vorgeschriebenen 7,3 Quadratmeter. Die zu kleine Fläche ist eine Gefahr, da bei einem Störfall im Reaktor das Kühlwasser nicht schnell genug angesaugt werden kann. Dadurch könn sich der Reaktor so weit erhitzen, dass es zur Kernschmelze, zum Super-GAU kommt, so die Umweltschützer.

    "Der hoch gepriesene Sicherheitsstandard deutscher Atomkraftwerke ist um keinen Deut besser als in den Ländern Osteuropas.“, kritisiert Greenpeace-Atomexpertin Susanne Ochse.

    Als „Gipfel der Fahrlässigkeit“ bezeichnete es die Organisation, dass laut Bundesumweltministerium die falsche Quadratmeterzahl sogar in den Sicherheitsnachweisen des AKWs stehe, die RWE dem hessischen Umweltministerium vorlegte. Auch dem Ministerium fiel der Fehler nicht auf. "Es muss jetzt umgehend geklärt werden, wer dafür verantwortlich ist", erklärt Susanne Ochse,

    "in den Aufsichtsbehörden scheint man vergessen zu haben, dass Atomkraft keine Fehler verzeiht."

    Wie Greenpeace mitteilte, schritten Polizei und Wachschutz während der Protestaktion nicht ein.

    Am 28-04-2003

    Greenpeace-Messungen im Irak

    Erstmals haben Greenpeace-Aktivisten am Dienstag die Besatzungstruppen im Irak mit der radioaktiven Verseuchung um die Nuklearanlage Tuwaitha bei Bagdad konfrontiert. Ein Fahrzeug-Konvoi mit weißer Flagge und Greenpeace-Bannern brachte einen Container für radioaktives Urangemisch, der nach Plünderungen auf öffentlichem Boden hinterlassen worden war, an seinen Ursprungsort zurück: zu dem größten Atomkomplex im Irak, den inzwischen die US-Armee bewacht. Greenpeace fordert, zum Schutz der Menschen die radioaktive Verseuchung der Dörfer um die Atomanlage zu beseitigen. Daher muss die US-Armee ihre Blockade der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) aufgeben und ihr wieder uneingeschränkten Zugang ermöglichen.

    Niederlanden, Großbritannien und Österreich untersuchte mit Geigerzählern und anderen Geräten in den letzten acht Tagen das Umfeld von Tuwaitha 18 km südöstlich von Bagdad. Der Komplex war nach dem Sturz des Regimes geplündert worden. Doch die Menschen wussten nicht, dass das Material höchst gefährlich ist und nutzten Fässer zur Aufbewahrung von Lebensmitteln. Die Strahlung gefährdet nun immer noch Zehntausende Menschen in der Region, obwohl die Katastrophe schon einige Wochen bekannt ist.

    "Nichtsahnend entwendeten die Menschen radioaktives Pulver aus der Nuklearanlage, im Glauben, es sei Seife, oder sie nutzten strahlende Fässer als Trinkwasserbehälter", beschreibt Greenpeace-Sprecher Wolfgang Sadik seine Beobachtungen vor Ort. "Würde so ein nukleares Desaster in einem westlichen Land passieren, wären hier schon Schwärme von Experten und Entsorgungsteams am Werk und die Menschen erhielten medizinische Hilfe."

    Die von Greenpeace gemessenen Werte liegen zum Teil um das 1000-fache über dem Normalwert. In einem bewohnten Haus nahe der Anlage sind sie sogar 10 000 Mal größer. Auf dem Gelände einer Grundschule für 900 Kinder beträgt der Wert das 3000-fache. Die Experten fanden in den Dörfern und Feldern zahlreiche Teile mit dem "radioaktiv"-Zeichen.

    Vor einem solchen Szenario hatte die IAEO noch im April gewarnt und von den Besatzungsmächten verlangt, die Kontrolle der Anlage so schnell wie möglich zu übernehmen. Erst am 21. Mai 2003, sechs Wochen nach Kriegsende, haben die USA der IAEO erlaubt, in den Irak zurückzukehren und zu prüfen, was in einem Teil der Anlage gestohlen worden war. Der Zugang zu den Bewohnern der Region und zu anderen Atomanlagen wird der IAEO jedoch nach wie vor verweigert. Mit dieser Weigerung widerspricht die US-Armee der UN-Resolution 1441, die für die IAEO uneingeschränkten Zugang zu allen Anlagen fordert.

    In Tuwaitha lagerten bis zum Sturz von Saddam Hussein im April 2003 Uran und andere nukleare Stoffe, die seit dem Golfkrieg 1991 unter der Kontrolle der Vereinten Nationen waren.

    Am 24-06-2003

    Nukleares Desaster im Irak

    Einen Sicherheitsbehälter mit Atommüll haben Greenpeace-Aktivisten heute morgen in Bagdad vor dem Hauptquartier des US-Zivilverwalters für den Irak, Paul Bremer, abgeladen. Das radioaktive Uran, "yellowcake" genannt, fand Greenpeace in einem Dorf nahe der Atomanlage Tuwaitha, 18 Kilometer südöstlich von Bagdad. Seit dem Sturz Saddam Husseins haben Einwohner der Region die Anlage geplündert - nichts ahnend von der strahlenden Gefahr. Greenpeace fordert Bremer auf, der Internationalen Atomenergiebehoerde (IAEO) sofort Zutritt zu dem Gebiet zu gewähren, damit diese die radioaktive Verseuchung erfassen und beseitigen kann.

    "Dieser Atommüll ist nur ein Bruchteil dessen, womit die Bevölkerung in Tuwaitha monatelang leben musste", sagt Wolfgang Sadik, Greenpeace-Sprecher vor Ort. "Bremer ist verantwortlich für die Gesundheitsversorgung im Irak. Er muss sofort den Weg frei machen und die Internationale Atomenergiebehörde ihre Arbeit machen lassen." Das US-Militär hält an seiner Darstellung fest, dass in der Region keine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung besteht - trotz der Beweise für eine weiträumige radioaktive Verseuchung.

    Das internationale Team von Greenpeace hat in den vergangenen drei Wochen in der Region Tuwaitha mehrfach offen herumliegenden Atommüll gefunden und stark überhöhte Strahlung gemessen. In einer Grundschule lag der Wert 3000-fach höher als normal, in einem Wohnhaus in der Nähe der Atomanlage sogar 10.000-fach höher. Dorfbewohner nutzten verstrahlte Fässer zur Lagerung von Trinkwasser und Lebensmitteln.

    Seit Kriegsende verweigern die Besatzungmächte der IAEO den Zugang zum Irak. Damit verstoßen sie gegen die UN-Resolution 1441, die den "uneingeschränkten Zugang" der IAEO zu allen Gebäuden im Irak verlangt. Lediglich für zwei Wochen gestatteten die Besatzungsmächte im Juni den Inspektoren den Zutritt zur Atomanlage Tuwaitha. Die IAEO durfte jedoch nur das Uran innerhalb der Anlage erfassen, nicht in den umliegenden Dörfern.

    "Die Region Tuwaitha steht vor einem nuklearen Desaster. Nirgendwo sonst auf der Welt würde das toleriert werden", sagt Wolfgang Sadik. "Das radioaktive Material, das wir Paul Bremer heute gebracht haben, ist sicher in einem Container verschlossen - aber wer weiß, wie viel Atommüll noch offen und ungesichert in den Dörfern herumliegt."

    Am 04-07-2003

    Atomkraftausstieg

    "Obrigheim: Nur aus ist sicher" steht auf dem Banner, das Greenpeace-Aktivisten am Donnerstag in den Morgenstunden vor dem baden-württembergischen Atomkraftwerk Obrigheim (bei Heilbronn) aufstellten. Damit begrüßt die Umweltschutzorganisation, dass in den nächsten Tagen endlich das älteste und eines der gefährlichsten deutschen Atomkraftwerke abgeschaltet werden soll. Ein Konzept für den Stromersatz gibt es jedoch weder für Obrigheim noch für andere Atomkraftwerke, die im Rahmen des "Atomkonsens" vom Netz gehen sollen. Greenpeace appelliert daher an die Bundesregierung, von den großen Stromversorgern EnBW, Vattenfall, RWE und E.ON konkrete Pläne einzufordern, wie der Atomstrom durch weniger Energieverschwendung und Erneuerbare Energien ersetzt werden soll.

    "Die Abschaltung verbessert die Sicherheit der Bevölkerung in der Region. Ein Beweis für den Atomausstieg ist das noch lange nicht", sagt Thomas Breuer, Atomexperte bei Greenpeace. Der Reaktordruckbehälter ist versprödet. Die nur 70 Zentimeter dicke Reaktorkuppel hätte höchstens den Absturz eines langsam liegenden Sportfliegers aufgehalten.

    Im so genannten "Atomkonsens" hatten Bundesregierung und Industrie im Jahr 2000 für die deutschen Atomkraftwerke Laufzeiten von durchschnittlich 32 Jahren ausgehandelt. Obrigheim sollte Ende 2002 vom Netz gehen. Doch kurz nach der Bundestagswahl 2002 beantragte der Betreiber EnBW, die Laufzeit zu verlängern. Trotz der Gefahren für die Bevölkerung und des ohnehin industriefreundlichen "Atomkonsenses" knickte die Regierung ein, so dass Obrigheim bis heute 37 Jahre am Netz ist.

    In diesen 37 Jahren hat der Reaktor ca. 370 Tonnen hochradioaktiven Atommüll produziert. Beim Abriss werden weitere 2.500 Tonnen leicht- und mittel-radioaktiver Atommüll entstehen. Bis heute gibt es für den Atommüll kein sicheres Endlager. Der Löwenanteil der abgebrannten Brennelemente ist in die Wiederaufbereitungsanlage nach La Hague in Frankreich gegangen. Diese Anlage gibt im Normalbetrieb so viel Radioaktivität ab, dass sie in Deutschland nicht genehmigungsfähig wäre. "Die Frage ist nun, wie wird Obrigheim ersetzt?", so Breuer. "Erste Überlegungen seitens des Managements gehen dahin, alte Kohle- und Ölkraftwerke aus der Mottenkiste zu holen."

    Ein konkretes Konzept zum Ersatz von Obrigheim gab es bei der offiziellen Bekanntgabe der Abschaltung nicht, obwohl der Abschalttermin seit spätestens 2002 bekannt ist. "Es drängt sich der Verdacht auf, dass EnBW auf einen Regierungswechsel nach den Bundestagswahlen 2006 spekuliert", befürchtet Breuer. Denn der Abbau des Atomkraftwerkes soll erst 2007, nach den Bundestagswahlen, erfolgen.

    Kurzfristig lässt sich die Abschaltung einzelner Atomkraftwerke zum Beispiel durch Stromimporte ausgleichen. Die Abschaltung aller deutschen AKWs erfordert jedoch ein Konzept für Ersatzkapazitäten. "Ohne Masterplan zur umweltfreundlichen Umgestaltung der deutschen Stromerzeugung bleibt der Atomkonsens Makulatur", so Breuer.

    Am 06-05-2005

    Greenpeace-Protest

    Bei der abschliessenden Beratung der CDU/CSU zum Wahlprogramm am heutigen Montag mussten sich die Parteispitzen auch mit der ungeklärten Atommüllproblematik auseinandersetzen, denn Greenpeace-Aktivisten entrollten am Gebäude ein Banner mit der Aufschrift: "CDU: Kein Rückfall ins Atomzeitalter!". Ausserdem umstellten 40 Umweltschützer den Tagungsort mit hunderten von gelben Atommüllfässern.

    Wenn Angela Merkel von Laufzeitverlängerungen für deutsche Atomkraftwerke rede, meine sie einen Wiedereinstieg in eine gefährliche und unsinnige Technik, sagt Thomas Breuer, Atomexperte von Greenpeace. "Die von den Christdemokraten ins Spiel gebrachte 'Option auf eine langfristige Nutzung der Kernenergie' ist nichts anderes als ein erstes Planspiel für den Neubau von Atomkraftwerken in unserem Land", so Breuer.

    Ein Indiz dafür sei, dass die CDU-Fraktion jüngst den "zukünftigen Energierohstoff Thorium" propagiert habe. Das radioaktive Thorium erfordere jedoch ganz andere Atomkraftwerke, als derzeit in Deutschland laufen.

    "Die CDU ignoriert die Gefahren, die von der gefährlichen Atomtechnik und dem strahlenden Erbe für jetzige und auch kuenftige Generationen ausgeht", so Breuer. Völlig unbeachtet bleibt bei den Christdemokraten auch die Gefahr von Terroranschlaegen auf deutsche Atomkraftwerke. Diese sind nur wenig geschützt und bieten Terroristen ein leichtes Ziel.

    "Die Energiepolitik darf nicht wieder zu einer Frage der politischen Couleur werden. Alle Parteien muüsen zur Kenntnis nehmen, dass die Mehrheit der Menschen in Deutschland keine Atomkraftwerke will und das aus gutem Grund," so Breuer.

    Am 11-07-2005

    Atomausstieg

    Vor den Koalitionsverhandlungen am Mittwoch haben zehn Greenpeace-Aktivisten vor dem Tagungsgebäude übergroße, original Wahlkampfschilder der SPD aufgestellt, um die Parteian ihre Wahl-Versprechen "für den Atomausstieg" zu erinnern. Quer über die auf Federn wankenden Plakate prangt ein gelber Streifen mit der Aufschrift: "Jetzt nicht wackeln!" Nach Meinung der Umweltschützer wird sich die Standhaftigkeit der SPD an ihrer Atompolitik, an den Laufzeiten der Atomreaktoren und an ihren Umgang mit Gorleben als potenzielles Atommüllendlager zeigen.

    "Die SPD muss eine klare Linie in der Atompolitik beibehalten, um glaubwürdig zu bleiben", sagt Greenpeace-Atomexperte Thomas Breuer. "Die Umsetzung des Atomausstiegs wird die erste Bewährungsprobe für den designierten Umweltminister Sigmar Gabriel. Die vier Anlagen, die in der nächsten Legislaturperiode zum Abschalten anstehen, weiterlaufen zu lassen, wäre ein Verbrechen."

    Der Weiterbetrieb des Uralt-Reaktors in Biblis werde dabei zum Prüfstein der Glaubwürdigkeit. Gemäß Atomkonsens soll Biblis A 2008 abgeschaltet werden.Das stehe nun wieder zur Debatte. Der Atomreaktor von RWE ist das älteste und eines der gefährlichsten Atomkraftwerke in Deutschland. Die Eintrittswahrscheinlichkeit von schweren Unfällen liegt bei Biblis A fast 18 mal höher als bei neueren Anlagen. Darüber hinaus zählt der Reaktor zu den durch Terrorangriffen verwundbarsten Anlagen. Er würde maximal den Absturz einer langsam fliegenden Sportmaschine aushalten.

    Die Laufzeit von Biblis steht in Zusammenhang mit den so genannten Übertragungsregeln. Normalerweise sieht das Atomgesetz eine Übertragung von Strommengen nur von älteren auf neuere Atomkraftwerke vor. Eine Übertragung von neuen auf alte Kraftwerke kann nur mit Zustimmung von Kanzleramt, Umweltministerium und Wirtschaftsministerium erfolgen. RWE hat noch Strommengen von seinem Reaktor in Mülheim Kärlich zur Verfügung. Im Atomgesetz ist ausdrücklich untersagt, diese auf Biblis A zu übertragen und sie dürfen auch nur zu 20 Prozent auf Biblis B übertragen werden. "Die Regelungen im Atomgesetz machen deutlich, dass der Gesetzgeber Biblis A und Biblis B als hohes Sicherheitsrisiko einstuft. Eine Übertragung von Strommengen auf diese alten Meiler würde den ganzen Atomkonsens ad absurdum führen", so Breuer, "das darf die SPD nicht zulassen."

    Bei der Endlagersuche für hochradioaktiven Atommüll konzentrierten sich RWE, E.ON, Vattenfall und EnBW ausschließlich auf Gorleben, obwohl der Salzstock in Gorleben zur Endlagerung von hochradioaktivem Atommüll nicht geeignet sei. "Die alternative Endlagersuche ist überfällig. Gorleben ist kein geeigneter Standort für ein Atommüllendlager. Der Salzstock hat Kontakt zum Trinkwasser der Region und ist damit aus dem Rennen", so Breuer. Die SPD müsse bei der Ablehnung von Gorleben bleiben.

    Am 02-11-2005

    Messergebnisse veröffentlichen

    Die von den Castor-Behältern in Dannenberg ausgehende Neutronenstrahlung ist in zwölf Metern Entfernung noch rund 230 mal höher als die gleichartige natürliche Hintergrundstrahlung. Der von Greenpeace beauftragte Nuklearexperte Dr. Helmut Hirsch hat am Dienstag am Verladebahnhof von Dannenberg in zwölf Metern Abstand 3,45 Mikrosievert pro Stunde gemessen. Die natürliche Hintergrundstrahlung am gleichen Ort lag wenige Stunden vorher bei etwa 0,015 Mikrosievert pro Stunde. Mikrosievert ist ein Maß für die biologisch schädliche Wirkung der Strahlung. Zwar liegt der Messwert noch innerhalb des Rahmens des verkehrsrechtlichen Grenzwertes. Dennoch fordert Greenpeace, dass die offiziellen Messergebnisse direkt veröffentlicht werden, damit Begleitpersonal, Anwohner und Demonstranten wissen, welcher Strahlung sie ausgesetzt werden.

    "Jeder Castortransport sendet Strahlung in die Umgebung aus. Begleitpersonal und Demonstranten dieser Gefährdung auszusetzen, widerspricht dem Prinzip des Strahlenschutzes, nach dem eine Strahlenanwendung gerechtfertigt sein muss", sagt Thomas Breuer, Atom-Experte von Greenpeace. "Da heute schon klar ist, dass Gorleben als Endlager nicht geeignet ist, sind die Transporte nicht gerechtfertigt. Ganz im Gegenteil: Irgendwann muss der strahlende Atommüll hier wieder weg geschafft werden." Der Salzstock in Gorleben hat Kontakt zu Grundwasser führenden Erdschichten und ist daher nicht als Endlager für hochradioaktiven Müll geeignet.

    Radioaktive Stoffe senden verschiedene Strahlungen aus. Ein Teil der Strahlung wird durch die Stahlwände und die darin eingelassenen Kunststoffstäbe des Castor-Behälters abgefangen. Neutronenstrahlen hingegen durchdringen die Metallwände, haben eine Reichweite von einigen hundert Metern und wirken von außen auf den menschlichen Körper. Die Neutronenstrahlung zählt zu den ionisierenden Strahlungen.

    Sie besitzt genügend Energie, um aus elektrisch neutralen Atomen und Molekülen positiv und negativ geladene Teilchen zu erzeugen. Dies geschieht zum Beispiel beim Durchgang durch die Zellen des menschlichen Körpers. Die Zellen können dadurch geschädigt werden. Mögliche Folgen: genetische Veränderungen und Krebs. Je höher die Strahlendosis ist, desto wahrscheinlicher ist ein solcher Schaden.

    Neben der Neutronenstrahlung wird auch die Gammastrahlung nicht durch die Behälter abgeschirmt. Darüber hinaus würden im Falle eines Unfalls, bei dem der Castor-Behälter beschädigt wird, das Begleitpersonal, Anwohner und protestierende Menschen durch die strahlenden Stoffe selbst noch einer weitaus höheren Strahlendosis ausgesetzt. Die Castor-Behälter kommen aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage in La Hague. Greenpeace lehnt die Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennelemente ab, da sich der Atommüll dabei nur vermehrt. Zudem werden Anwohner beim Transport der strahlenden Fracht unnötig gefährdet.

    Am 22-11-2005

    Atomenergie

    Die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl und die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki waren die schlimmsten Ereignisse in der Geschichte der Atomkraft. In einem Kalender, den Greenpeace am Freitag veröffentlichte, nehmen sie drei Tage ein. Insgesamt 365 der gravierendsten Ereignisse hat Greenpeace aus tausenden Unfällen und Atombombentests ausgewählt. Die Datensammlung zeigt für jeden Kalendertag einen Vorfall in der Geschichte der Atomkraft: Diebstahl von Atommaterial, einen Unfall in einer Atomanlage oder den Test einer Atombombe. Der Kalender beginnt mit dem 26. April, dem 20. Jahrestag des Unglücks in Tschernobyl.

    "Der Rückblick zeigt Atomkraft als verheerende Technik. Sie war und ist nicht beherrschbar, Fehler führen zu katastrophalen Folgen", sagt Thomas Breuer, Atom-Experte von Greenpeace. "Wo Radioaktivität in größeren Mengen austritt, verstrahlt sie ganze Regionen und gefährdet die Menschen. Diese Gefahren lassen sich nur ausschließen, wenn wir die Atomkraft aufgeben."

    Während am 24. Dezember 1967 in vielen Regionen der Welt Weihnachten gefeiert wurde, verseuchten im chinesischen Lop Nor oberirdische Atombombentests weite Gebiete. Als Frankreich am 14. Juli 1961 wie jedes Jahr seinen Nationalfeiertag beging, kam es im russischen Tomsk zu einer unkontrollierten Kettenreaktion in einer Urananreicherungsanlage. Und am Neujahrstag 1992 musste im indischen Atomreaktor Rajasthan das Notkühlsystem aktiviert werden, um nach einem Auslaufen von schwerem Wasser Schlimmeres zu verhindern.

    "In allen Industrieanlagen passieren täglich Unfälle, das ist gar nicht zu vermeiden. Das gilt auch für Atomkraftwerke. Wer behauptet, Atomkraft sei sicher, hat nie die lange Liste der Vorfälle gesehen," sagt Breuer. Nicht nur von Atomkraftwerken gehe Gefahr aus. Alle Atomanlagen, wie Lagerstätten für Atommüll und Wiederaufbereitungsanlagen, bergen unangemessene Risiken für Mensch und Umwelt. Auch hier ereigneten sich Unfälle, bei denen radioaktives Material austritt. Auch hier verschwinde immer wieder radioaktives und sogar bombenfähiges Material.

    Greenpeace fordert, Atombomben weltweit abzurüsten, alle Atomkraftwerke so schnell wie technisch möglich abzuschalten und die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO) umzuwandeln: Sie solle in Zukunft den weltweiten Ausstieg aus der Nutzung der Atomkraft kritisch begleiten.

    Am 07-04-2006

    Studie

    Die Umweltorganisation Greenpeace schätzt, dass die Opferzahl des Reaktorunglücks von Tschernobyl deutlich höher ist als bisher angenommen. "Wer behauptet, es hätte 4000 Opfer gegeben, leugnet die Schwere dieses Unglücks und ignoriert das Leid unzähliger Menschen", sagte Thomas Breuer von Greenpeace am Dienstag in Berlin. Entsprechende Schätzungen von Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Internationaler Atomenergiebehörde (IAEO) würden ein "zu harmloses Bild" zeichnen. Neueste Studien der Russischen Akademie der Wissenschaften kämen für die Länder Weißrussland, Ukraine und Russland alleine auf 270.000 zusätzliche Krebserkrankungen, von denen voraussichtlich 93.000 tödlich enden würden. Weitere Studien vermuteten noch weitaus höhere Folgen.

    Ein Greenpeace-Bericht, an dem rund 60 Wissenschaftler aus aller Welt mitgearbeitet haben, zeige, dass bedeutend mehr Menschen an den Folgen des Atomunglücks gestorben seien, sagte Breuer. Genaue Opferzahlen könne der Bericht aber nicht nennen, weil sich die gesundheitlichen Folgen noch nicht abschließend beurteilen ließen. Eine Zahl von rund 90.000 Toten weltweit ist nach Ansicht Breuers aber "realistisch".

    Greenpeace International geht nach einem Vergleich mit früheren Sterbedaten davon aus, dass allein in den vergangenen 15 Jahren in Russland 60.000 Menschen an den Folgen von Tschernobyl gestorben sind. Schätzungen für Weißrussland und die Ukraine liegen bei bis zu 140.000 Toten.

    Im Kernkraftwerk Tschernobyl in der Ukraine war am 26. April 1986 ein Reaktor explodiert, wobei es zu einer Kernschmelze kam. In der Folge wurden mehrere tausend Quadratkilometer Fläche im Umkreis des Kraftwerks radioaktiv verseucht.

    Am 18-04-2006

    "Schein-Sicherheit für die Öffentlichkeit"

    Die "künstliche Vernebelung" von Atomkraftwerken bietet nach Auffassung der Umweltschutzorganisation Greenpeace keinen ausreichenden Schutz vor Terrorangriffen aus der Luft. "Das Risiko für die Bevölkerung wird bei einem Anschlag nicht verringert." Zu diesem Ergebnis kommt eine am 3. August veröffentlichte Studie im Auftrag der Umweltorganisation Greenpeace. In Kürze soll den Angaben zufolge am Atomkraftwerk Grohnde des Energieversorgers E.on eine Pilotanlage mit Nebelgranaten zur Abwehr von Angriffen aus der Luft bestückt werden. "Das Vernebelungskonzept der Kraftwerksbetreiber erhöht nicht die Sicherheit, sondern ist nur der Versuch, eine Schein-Sicherheit aufzubauen, die die Akzeptanz der Atomenergie in der Bevölkerung erhöhen soll", meint Heinz Smital von Greenpeace.

    Nach Auffassung der Organisation geben die Betreiber mit der Installation der Vernebelungseinrichtungen "nun die Terrorgefahr offiziell zu, die sie bis jetzt immer verschwiegen hatten". Auf der einen Seite gestehe man ein großes Terrorrisiko von Atomkraftwerken ein, ohne aber auf der anderen Seite "eine ernsthafte Lösung anzubieten", kritisiert Smital.

    Ein Alternativkonzept sehe beispielsweise Schutzstrukturen rund um das Atomkraftwerk aus drei bis fünf Meter dicken Stahlbetonwänden und einem zusätzlichen Stahlnetz über der Kuppel vor. Trotz der dabei höheren Sicherheit favorisierten die Betreiber aber "das billigere Vernebelungskonzept".

    Die einzig richtige Antwort auf die Bedrohung durch Terrorangriffe oder Sabotageakte kann nach Auffassung von Greenpeace nur die Abschaltung und endgültige Stilllegung der Atommeiler sein.

    Keine der 17 in Deutschland betriebenen Atomkraftwerke ist laut Greenpeace gegen einen bewusst herbeigeführten Absturz eines Verkehrsflugzeuges geschützt. Eine nachträgliche Verstärkung der Reaktorhülle sei aber nicht möglich. Die Kraftwerke Biblis A, Brunsbüttel und Philippsburg 1 seien sogar nur für den Absturz eines Sportflugzeuges ausgelegt.

    Nach "den Terroranschlägen vom 11. September 2001" hätten die Betreiber der deutschen Atomkraftwerke im Juni 2003 ein Konzept zur künstlichen Vernebelung der Anlagen bei einem Terrorangriff vorgelegt. Dieses Konzept sei im Frühjahr 2004 vom Bundesministerium für Naturschutz und Reaktorsicherheit als "nicht ausreichend" zurückgewiesen worden, die Betreiber seien zu "Nachbesserungen" aufgefordert worden.

    Die Greenpeace-Studie führt mehrere Kritikpunkte an dem Sicherheitskonzept auf. So werde die aus dem militärischen Bereich stammende Vernebelungstaktik dort ursprünglich nur für bewegliche Ziele verwendet. "Auch könnte die bewusste Auslösung der Einnebelung sogar von Terroristen genutzt werden, um die entstehende unübersichtliche Situation für einen gezielten Angriff am Boden zu nutzen."

    "Ein Terrorangriff mit dem Flugzeug auf ein Atomkraftwerk kann zur nationalen Katastrophe werden", fürchtet die Organisation. Die freigesetzte Menge radioaktiver Schadstoffe könne durch den Qualm des brennenden Kerosin weit verbreitet werden.

    Am 03-08-2007

    Kein Steuergeld für AKW-Neubauten im Ausland

    Gegen die finanzielle Unterstützung von AKW-Neubauten im Ausland durch die Bundesregierung demonstrieren Greenpeace-Aktivisten am morgigen Samstag, den 3. März, in der Brotstraße vor der Commerzbank in Trier von 11 bis 15 Uhr. Deutschlandweit fordern die Umweltschützer in 66 Städten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), staatliche Bürgschaften für den Bau von Nuklearanlagen zu stoppen. Zudem muss die aktuelle Anfrage in Höhe von 1,3 Milliarden Euro für das hochgefährliche Atomkraftwerk Angra 3 in Brasilien abgelehnt werden. „Der deutsche Atomausstieg ist inkonsequent und unehrlich, so lange weiterhin AKW-Projekte im Ausland gefördert werden“, sagt Maria Weiß, Pressesprecherin von Greenpeace-Trier. „Angra zeigt, dass Merkels Atomkehrtwende nach dem Gau in Fukushima offenbar rein taktisch bedingt war. Der beteuerte Sinneswandel hat niemals stattgefunden.“

    Greenpeace protestiert in Trier gegen Atom-Außenpolitik der Bundesregierung

    Deutschland unterstützt mit der Absicherung von Krediten, so genannten Hermesbürgschaften, den Neubau von Atomkraftwerken unter anderem in China, Frankreich und Russland. Der Neubau eines Reaktors ist ohne staatliche Unterstützung kaum möglich. Hohe Kosten, lange Bauzeiten und das unkalkulierbare Risiko der Atomkraft machen solche Projekte für Investoren unattraktiv. Nutznießer der deutschen Atom-Bürgschaften ist vor allem der französische Nuklearkonzern Areva.

    Brasiliens AKW Angra 3 ist erdbebengefährdet und veraltet Voraussichtlich in den kommenden Wochen soll über eine Bürgschaft in Höhe von 1,3 Milliarden Euro für das erdbeben- und erdrutschgefährdete Atomkraftwerk Angra 3 in Brasilien entschieden werden. Die Technik und Sicherheitsstandards dieses Reaktors gelten bereits vor der Fertigstellung als völlig veraltet. Bereits im Jahr 1984 wurde mit dem Bau begonnen, nur zwei Jahre später sind die Arbeiten aufgrund von Finanzierungsproblemen wieder eingestellt worden. Die deutsche Bürgschaft soll nun die Fertigstellung des Uraltreaktors garantieren.

    Angra 3 ist baulich vergleichbar mit dem deutschen Atomkraftwerk in Grafenrheinfeld. Dieses Kraftwerk soll laut Atomgesetz in drei Jahren stillgelegt werden. Es ist damit das nächste deutsche Atomkraftwerk, das vom Netz geht. Die festgelegte Abschaltreihenfolge wurde im vergangenen Jahr von der Bundesregierung auf Grundlage einer Sicherheitsbewertung der Reaktorsicherheitskommission (RSK) erstellt.

    „Mit der Bürgschaft unterstützt die schwarz-gelbe Bundesregierung den Bau eines gefährlichen und veralteten Atomkraftwerkes an einem völlig ungeeigneten Standort. Merkel muss diesen nuklearen Wahnsinn sofort stoppen“, sagt Weiß. Fotos erhalten Sie unter www.greenpeace.de/trier. Weitere Informationen: www.greenpeace.de

    Greenpeace-Pressestelle: Telefon , Email presse @ greenpeace .de ; Greenpeace im Internet

    Am 02-03-2012