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Liberalisierung des Strommarktes

Greenpeace stellt Konzept zur Energiekennzeichnung vor

Am Montag hat die Umweltorganisation in Berlin ein Konzept zur Kennzeichnung von Strom vorgestellt. Danach sollen künftig die Erzeugungsart des Stromes, die damit verbundenen Umweltauswirkungen (z.B. Kohlendioxidemission, Atommüllproduktion) sowie das Herkunftsland auf jeder Stromrechnung stehen. Durch die Liberalisierung des Strommarktes in ganz Europa werden gegenwärtig immer größere Teile des Geschäfts über Zwischenhändler und Strombörsen abgewickelt. und die Herkunft des Stroms verschleiert. Mittlerweile geben die großen Stromkonzerne E.on, RWE und EnBW für rund die Hälfte ihres verkauften Stromes keine Energiequellen mehr an.

"Auf jedem Schokoriegel muss draufstehen, was drin ist. Stromkonzerne verkaufen indes die Katze im Sack. Sie verschweigen Ihren Kunden, von welchen Kraftwerken sie ihren Strom kaufen," kritisiert Greenpeace Energie-Experte Sven Teske die Entwicklung auf den Strommärkten. "Die Verbraucher haben ein Recht auf Information. Alle Stromhändler müssen verpflichtet werden, auf Stromrechnungen und in der Werbung künftig offen zulegen, wo und aus welchen Quellen sie ihre Energie einkaufen."

Die europäische Kommission will zur Zeit die seit 1996 gültige Richtlinie für die Liberalisierung der Strommärkte ändern. Das heißt ein wichtiges Grundrecht des Verbrauchers, wie das "Recht auf Information", ist in akuter Gefahr. Das Europaparlament hat im März durchgesetzt, dass eine Kennzeichnungspflicht für Strom in den Entwurf der neuen Richtlinie aufgenommen worden ist. Es ist jedoch zu befürchten, dass auf Initiative der EU-Mitgliedsstaaten die Stromkennzeichnung wieder gekippt werden soll.

Eine Kennzeichnungspflicht, wie sie Greenpeace fordert, ist in 21 Staaten der USA bereits Pflicht oder in Vorbereitung. Auch in Österreich besteht seit Oktober 2001 eine Kennzeichnungspflicht für Strom. Ähnlich wie bei Lebensmitteln müssen Stromhändler dort die Zusammensetzung ihres Strommixes auf der Rechnung angeben. Angesichts der zunehmenden Atomstromimporte aus dem Ausland fordert Greenpeace, dass die Kennzeichnung des Stroms in Europa schon mit der Stromwerbung beginnen muss.

Am 22-04-2002

Bund der Energieverbraucher

Der Bund der Energieverbraucher hat nach fünf Jahren Wettbewerb auf dem Strommarkt Bilanz gezogen. Die Energieversorger hätten die Liberalisierung missbraucht, um den Wettbewerb zu verhindern und den Haushaltskunden überhöhte Preise abzuverlangen. Zusammenschlüsse der grossen Stromversorger zu E.on, RWE und EnBW und Vattenfall hätten den Wettbewerb behindert. Zahlreiche Beteiligungen an Stadtwerken hätten deren Eigenständigkeit beschnitten. Und die Stadtwerke selbst hätten wettbewerbsbedingte Einkaufsvorteile nicht an ihre Kunden weitergegeben.

Den wechselwilligen Stromkunden seien Schauergeschichten erzählt worden, sie seien geängstigt worden, in Einzelfällen habe man sogar den Strom abgestellt, den Versorgerwechsel schlicht verweigert oder die Zählerstände nicht weitergegeben. So wurde die Zahl der Wechsler gering gehalten. Die meisten der neuen Stromanbieter seien durch diese Schikane und durch überhöhte Netznutzungsentgelte in die Knie gezwungen worden.

Die Netznutzungsentgelte lägen für Haushalte derzeit um fast das Doppelte über dem EU-Durchschnitt. Der Stromwirtschaft gehe es wirtschaftlich so gut wie nie zuvor. Und in der Gaswirtschaft werde den Verbrauchern nach wie vor der Wechsel verwehrt.

Profitiert hätten die Stromgrossabnehmer, deren Strompreise durch die Liberalisierung um ein Drittel gesunken sind, während die Strompreise der Haushalte gestiegen sind. Die Stromwirtschaft versuche, der Politik und den erneuerbaren Energien den schwarzen Peter zuzuschieben. "Das geht aber an den Tatsachen vorbei", so Aribert Peters, der Vereinsvorsitzende.

Die Verbraucher könnten durch einen Wechsel des Stromversorgers ihre Strompreise deutlich senken. Sie sollten von dieser Möglichkeit sofort Gebrauch machen. Auch um ein Zeichen gegen den Betrug durch überhöhte Strompreise zu setzen. Der Bund der Energieverbraucher ruft bundesweit dazu auf, den Jahrestag des Stromwettbewerbs zum Denkzetteltag für die Stromwirtschaft zu machen. "Der Wechsel des Stromversorgers ist möglich und lohnt sich" betonte Dr. Aribert Peters, der Vorsitzende des Bund der Energieverbraucher. Der Bund der Energieverbraucher e.V. ist die einzige Interessenvertretung der privaten und kleingewerblichen Energieverbraucher in der Bundesrepublik. Der bundesweit tätige Verband hat über 7.000 Mitglieder und ist Mitglied in der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.

Im Internet hat der Bund der Energieverbraucher eine Dokumentation von Gutachten, Stellungnahmen und Grafiken zur Energiemarktliberalisierung zusammengestellt. Im Internet können sich Verbraucher auch über die alternativen Anbieter informieren. Dort ist ein kostenloser Stromvergleichsrechner verfügbar.

Am 29-04-2003

Vor dem Urlaub: Stecker raus

Wer in den wohl verdienten Sommerurlaub entschwindet, sollte vorher den Stecker von Fernseher, Stereo-Anlage und Co. ziehen. Das empfiehlt Juckreiz - Die Jugendumweltzeitung aus Berlin. Dadurch werde nicht nur die Umwelt entlastet, sondern auch Geld zu sparen gespart. Wer nicht gleich den Stecker ziehen will, sollte zu schaltbaren Steckerleisten greifen, rät die Redaktion. Damit lassen sich auch im Alltag elektrische Geräte komplett ausschalten. Das dafür investierte Geld sei nach wenigen Monaten wieder eingespart. Auch der Umstieg auf Ökostrom könne sich finanziell lohnen, da er oft günstiger sei als herkömmlich produzierte Elektrizität.

Rund 70 Euro im Jahr verschwendet ein durchschnittlicher Haushalt in Deutschland alleine für Standby-Schaltungen. "Ein typischer Fernseher oder Videorecorder zieht im Standby sechs bis acht Watt", rechnet die Juckreiz-Redaktion vor. "Das bedeutet im Jahr unnötige Stromkosten von bis zu zehn Euro. Steckerleisten mit Schalter kosten drei Euro das Stück, machen sich also in wenigen Monaten bezahlt."

Das gelte auch für Energiesparlampen. Die kosteten zwar je nach Hersteller zwei bis zehn Euro das Stück, hielten dafür aber zehn- bis fünfzehnmal so lange wie eine normale Glühlampe. "Alleine der Anschaffungspreis auf die Betriebsstunde umgelegt bedeutet keinen Preisunterschied zwischen normaler Glühlampe und Energiesparlampe", so die Jugendlichen. "Was die Energiesparlampe an Strom spart, immerhin rund 80 Prozent, bleibt als Reingewinn. Bei einer 100-Watt-Lampe, die durch eine 20-Watt-Energiesparlampe ersetzt wird, sind das rund 200 Euro!"

Ebenso sinnvoll wie Energiesparlampen sei auch der Wechsel zu einem Ökostrom-Anbieter. "Ökostrom muss nicht mehr kosten als der Strom eines konventionellen Anbieters", so der Juckreiz. "Wenn wir etwa den 'Komfort'-Tarif der baden-württembergischem EnBW nehmen und die Preise des Ökostrom-Anbieters LichtBlick dagegen setzen, spart ein typischer Haushalt mit der sauberen Energie knapp 25 Euro im Jahr ein. Und das, obwohl der LichtBlick-Strom vollständig aus erneuerbaren Energien wie Wasser, Wind und Biomasse kommt, während EnBW stark auf Atomkraft und andere umweltschädliche Stromerzeugung setzt!"

Die Juckreiz-Redaktion empfiehlt jedem Stromverbraucher den Wechsel zu einem echten Ökostrom-Anbieter wie Naturstrom AG, Greenpeace Energy, Elektrizitätswerke Schönau oder LichtBlick. "Keinen Sinn hat es, einen Tarif wie 'E.ON AquaPower' zu wählen", warnt die Redaktion. "Dafür zahlt man nur mehr, ohne eine ökologische Gegenleistung zu bekommen. Denn der verkauften Wasserkraft-Strom wird ohnehin produziert. Nur bekommen die anderen E.ON-Kunden in ihrem rechnerischen Strom-Mix weniger Wasserkraft-Strom, aber dafür mehr Kohle-, Öl- und Atomstrom. Nur ein Anbieter, der auch in den Neubau von Ökostrom-Anlagen investiert, bringt der Umwelt etwas."

Auf ihrer Internetseite hat die Juckreiz-Redaktion Informationen zu Stromanbietern, Stromwechsel, Preisen und Ökostrom zusammengestellt. Dort erhalten Wechsel-Interessenten auch ein ganz besonderes Angebot: Beim Wechsel zu LichtBlick sind die ersten 100 Kilowattstunden Strom komplett kostenlos. Und der weitere Verbrauch ist billiger als etwa im EnBW-Tarif "Komfort". Und wer schon mal im Urlaub ist, kann auch gleich seinem Kühlschrank etwas Gutes tun. Denn wer das Gerät vor dem Urlaub abtaut, spart nicht nur dem Strom zum Kühlen, sondern hat hinterher die gleichen Temperaturen bei niedrigerem Stromverbrauch.

Am 28-06-2004

Strom & Gas

"Wir sind in Osteuropa noch nicht am Ende unserer Expansionswünsche", erklärte der Vorstandsvorsitzende der E.on AG Wulf Bernotat gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Europas größter privatwirtschaftlicher Energiekonzern hat erst am vergangenen Freitag die schrittweise Übernahme des Gasgeschäfts des ungarischen Öl- und Gasunternehmens Mol Rt. angekündigt. In den vergangenen Wochen hat E.on für zusammen fast 450 Millionen Euro einen der beiden großen Gas-Verteiler in Rumänien sowie zwei bulgarische Stromversorger aufgekauft. Weitere Pläne sehen Übernahmen in Tschechien und in Polen sowie den Einstieg in die Ausbeutung russischer Erdgasfelder vor.

Der Zugang zum russischen Erdgas schreitet voran, seit E.on im vergangenen Juli eine Absichtserklärung mit dem führenden russischen Erdgaskonzern Gasprom unterzeichnet hat. So kann sich E.on beispielsweise an einem westsibirischen Erdgasfeld rund 300 Kilometer südwestlich der Gasmetropole Urengoy beteiligen. Dort sollen von 2008 an jährlich 25 Milliarden Kubikmeter Erdgas gefördert werden, eine Menge, die dem gesamten spanischen Gasverbrauch entspricht.

Weiterhin ist der Bau einer Ostseepipeline aus der Region St. Petersburg nach Greifswald geplant, erläuterte Bernotat der FAZ. Die 2,4 Milliarden Dollar teure Unterwasserpipeline soll über Deutschland und die Niederlande an eine im Bau befindliche Nordseepipeline nach Großbritannien geführt werden. E.on plant damit einen europaweiten Energieverbund. Ein erheblicher Teil der Rohstoffe soll hierbei aus Russland kommen.

Gleichzeitig möchte E.on auch in den russischen Strommarkt einsteigen. Da der Stromverbrauch im Durchschnitt um sechs Prozent wachse, seien erhebliche zusätzliche Kapazitäten erforderlich, so Bernotat.

Die Expansion des einst auf Deutschland beschränkten Energiekonzerns in Westeuropa ist bereits weit vorangeschritten. In einigen Ländern wie England und in Skandinavien hält der Düsseldorfer Energieriese die Marktpositionen zwei oder drei. In Deutschland ist E.on neben seinem Engagement im Gas- und im fossilen Stromgeschäft einer der führenden Atomkraftwerksbetreiber.

Kontrolliert wird das E.on-Management von einem Aufsichtsrat, der sich aus zahlreichen einflussreichen Managern der deutschen Wirtschaft zusammensetzt. Mit Rolf-E. Breuer von der Deutschen Bank, Henning Schulte-Noelle vom Allianz-Konzern, Karl-Hermann Baumann vom Kraftwerkshersteller Siemens und einigen anderen bildet dieses Gremium ein Netzwerk großer Energiekonzerne und Finanzhäuser.

Am 09-11-2004

Kraftwerksbauer gegen Atomstrom

Schätzungsweise 1500 Mitarbeiter des Mannheimer Kraftwerksherstellers Alstom Power demonstrierten am Donnerstag gegen die Pläne des Konzerns, 900 der knapp 2000 Arbeitsplätze abzubauen. Betriebsrat und IG Metall fürchten, dass damit das Ende des Mannheimer Werks besiegelt werden würde. Dem Vorstand werfen sie vor, dass dieser konkrete Auskünfte über die Pläne verweigert. Aufgrund von Presseberichten befürchten die Beschäftigten, dass die Konzerne Siemens, Areva und Alstom einen europäischen Superkonzern bilden könnten, der sich das atomare und konventionelle Kraftwerksgeschäft sowie das Verkehrsgeschäft aufteilt. Die Mannheimer Beschäftigten sind gegen die Bildung eines neuen großen Atomkonzerns. "Wir wollen keine strahlende Zukunft. Wir wollen eine sichere und umweltfreundliche Energieversorgung für unsere Kinder", schallte es neben Forderungen gegen den Stellenabbau immer wieder aus dem Lautsprecherwagen an der Spitze der Demonstration.

Die Alstom-Belegschaft befürchtet, dass sich die Giganten Siemens, Areva und Alstom den globalen Energie- und Verkehrsmarkt aufteilen. Es könnte eine Unternehmenskonstruktion mit kreuzweiser Beteiligung entstehen, in der die französische Areva den Atomkraftwerksbau federführend übernimmt, Siemens den Bau fossiler Kraftwerke und Alstom die Verkehrstechnik mit den Hochgeschwindigkeitszügen TGV und ICE, erläuterte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Ralf Eschmann.

Siemens ist schon jetzt mit Areva verbandelt. Beiden Konzernen gehört der weltweit führende Atomkraftwerkshersteller Framatome ANP. Das Unternehmen baut in Finnland ein neues Atomkraftwerk vom Typ "Europäischer Druckwasser-Reaktor" (EPR). Sollten in Frankreich mehrere neue Atomkraftwerke in Auftrag gegeben werden, dann wäre das ein Milliardengeschäft, meint der Alstom-Betriebsrat.

Bei Alstom im Mannheim werden schon lange keine Atomkraftwerke mehr gebaut, sondern vielmehr fossile Kraftwerke und Wasserkraftwerke. Die konventionelle Kraftwerkssparte von Siemens ist der direkte Konkurrent. Wenn nun Siemens einen Deal mit dem französischen Mutterkonzern Alstom macht, dann könnte die Produktion in Mannheim unter die Räder kommen. "Siemens braucht das Mannheimer Werk nicht", so der Betriebsrat.

Nach Informationen des Europäischen Betriebsrates sollen in Mannheim zunächst vier Abteilungen geschlossen werden. Dies betrifft den Bau und die Konstruktion von Generatoren, die Beschichtung von Gasturbinen und den Bau von Wasserkraftwerken. Die "Wertschöpfung" solle aus Europa nach China, Indien und Mexiko verlegt werden - Globalisierung pur. Mit der Schließung dieser Abteilungen würde das Werk nach Auffassung des Betriebsrats die Fähigkeit verlieren, komplette Kraftwerke anbieten zu können. Das wäre der Anfang vom Ende.

Die Vertretung der Beschäftigten hat eigenen Angaben zufolge dem Vorstand mehrere Alternativen zum jetzt geplanten Stellenabbau und der Schließung ganzer Abteilungen unterbreitet. In Polen sei beispielsweise eine Generatorenfabrik von Alstom völlig überlastet. Man könnte also einen Teil der Aufträge nach Mannheim verlegen, meint der Betriebsrat. Und mit der vereinbarten, unbezahlten Kurzarbeit könnte man die Flaute auf dem Kraftwerksmarkt überwintern, bis wieder neue Kraftwerke in Auftrag gegeben werden würden. Zu weiteren Zugeständnissen sind die Beschäftigten aber nicht bereit.

Betriebsratsmitglied Elisabeth Möller betont, man wolle keine billige Propaganda machen. Der Betriebsrat würde "mit Fakten und Argumenten seine Sache vertreten." Aber der Vorstand würde jegliche Gespräche vermeiden. Der Vorstand hätte am Donnerstag einfach schon um 11 Uhr die Betriebsversammlung verlassen und würde konkrete Fragen nicht beantworten.

Auf den Betriebsversammlungen hätten die Mitarbeiter dem Vorstand eindrucksvoll dargelegt, wie gut sie arbeiten würden und dass die meisten Bereiche keine roten Zahlen schreiben würden. "Die Menschen haben Sorgen und Ängste von sich gegeben", so Möller. "Ein Vater mit drei Kindern hatte Tränen in den Augen." Die Leute seien verunsichert und wüßten nicht mehr, wie sie die laufenden Geschäfte abwickeln sollen. Sie würden sich fragen, ob es den Betrieb morgen noch gäbe.

Am 29-04-2005

Stromkennzeichnung

Ab Morgen muss jeder Stromanbieter in Deutschland gegenüber seinen Kunden ausweisen, aus welchen Energiequellen der gelieferte Strom erzeugt wurde. Der Strom erhält damit einen Stammbaum. Die Angaben sind in die drei Kategorien nukleare Erzeugung (Kernkraft), fossile und sonstige Energie (Braun- und Steinkohle, Öl, Erdgas) sowie Erneuerbare Energie (Wasser, Wind, Biomasse, Fotovoltaik) zu unterteilen. Diese Angaben sind durch die mit der Stromerzeugung verbundenen Umweltauswirkungen zu ergänzen. Das neue Energiewirtschaftsgesetz schreibt dabei die Ausweisung der klimarelevanten Kohlendioxid-Emissionen (CO2) sowie Angaben über die Radioaktivität des bei der Erzeugung entstehenden Atommülls vor.

Um den Kunden eine Beurteilungsgrundlage an die Hand zu geben, sind die Angaben des jeweilig gelieferten Strommixes und den damit verbunden Umweltbelastungen den bundesdurchschnittlichen Vergleichswerten gegenüber zu stellen. "Wir begrüßen die zusätzliche Transparenz. Endlich müssen alle Anbieter ihren Kunden reinen Wein einschenken und zusätzliche Informationen geben, die für die Kaufentscheidung eine hohe Relevanz haben. Wer vergleicht, wird wechseln.", so Heiko von Tschischwitz, Geschäftsführer von LichtBlick - die Zukunft der Energie GmbH.

Bei anderen Unternehmen sei dies mit Einschränkung nicht der Fall, da sie die Strombeschaffung im Rahmen sogenannter Vollstromlieferverträge an Vorlieferanten abtreten oder über die Börse Strom unbekannter Herkunft - also ohne weitere Herkunftsnachweise - beziehen. Auch diese Anbieter müssten jetzt die im Rahmen der Stromkennzeichnung geforderten Angaben machen. So erhalten die Kunden erstmals von allen Stromanbietern im Markt zusätzliche Informationen über Strommix und Umweltauswirkungen. Der Wechsel zu einem umweltfreundlicheren Stromanbieter ist jederzeit problemlos möglich.

Eine vom Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) angebotene Anwendungshilfe zur Umsetzung der Stromkennzeichnung wurde in den vergangen Tagen von Umwelt- und Verbraucherschützern kritisiert, weil damit im Ergebnis ein höherer Anteil regenerativer Stromerzeugung ausgewiesen werden würde als in Deutschland tatsächlich vorhanden und von den Erzeugungsstatistiken des VDEW selbst ausgewiesen ist.

Am 14-12-2005

Homepage

Im bayerischen Kernkraftwerk Gundremmingen ist am 26. Mai ein Notstromaggregat kurzzeitig ausgefallen. Das Umweltministerium bestätigte am Donnerstag in München entsprechende Informationen von Atomkraftgegnern. Eine Gefahr wie jüngst im schwedischen Reaktor in Forsmark, habe aber nie bestanden. "Ursache, Ablauf und Wirkung sind nicht im Entferntesten vergleichbar mit Forsmark", sagte der bayerische Ministeriumssprecher.

Er wies Vorwürfe zurück, dass dieser Zwischenfall der Öffentlichkeit vorenthalten worden sei. Es habe sich um ein Ereignis der niedrigsten Gefahrenstufe gehandelt. Deswegen sei es auch nur auf der Homepage des Ministeriums gemeldet worden.

Demnach kam es am 26. Mai in Block C des Atomkraftwerks bei einem Notstromdieselaggregat "zum unbegründeten Ansprechen des Aggregateschutzkriteriums 'Überdrehzahlschutz' aufgrund einer defekten Baugruppe in der Leittechnik. Dies hatte zur Folge, dass der Diesel bei einer Anforderung im Notstromfall nicht zur Verfügung gestanden hätte."

In Gundremmingen sind nur noch die Blöcke B und C in Betrieb. In Block A des Atomkraftwerks kam es am 13. Januar 1977 zum "Totalschaden", wie sich Atomkraftgegner ausdrücken. Ein Kälteeinbruch und offenbar auch ein Blitzschlag sollen zum Kurzschluss außerhalb des Kraftwerks geführt haben. Aufgrund von mehreren Fehlern in der Steuerung des Atomkraftwerks sei es zur Schnellabschaltung gekommen, was zu einem schnellen Druckanstieg und zur Dampfabblasung ins Reaktorgebäude geführt habe und in Folge dessen zu Rissen in Sicherheitsventilen und Rohrleitungen. Schon nach rund zehn Minuten stand offenbar im Reaktorgebäude das Wasser drei bis vier Meter hoch, die Temperatur sei auf brisante 80 Grad Celsius angestiegen. Das Atomkraftwerk sei nie wieder in Betrieb gegangen.

Nach Angaben der atomkritischen Ärztorganisation IPPNW kommt es in deutschen Atomkraftwerken regelmäßig zu Ausfällen von Notstromdieselaggregaten. Probleme mit der Notstromversorgung seien im Jahr 2005 für 17 Prozent aller offiziell gemeldeten Vorkommnisse verantwortlich.

Am 10-08-2006

Millionen saßen im Dunkeln

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hat nach dem Stromausfall in weiten Teilen Deutschlands und Europas am Samstagabend eine umfangreiche Aufklärung gefordert. Derartige Stromausfälle stellten für die Wirtschaft ein erhebliches Risiko dar, so Glos am Sonntag in Berlin. "Ich erwarte von E.ON eine rückhaltlose Aufklärung des Vorfalls und seiner Ursachen", fügte er hinzu. Sein Ministerium werde von E.ON einen Bericht über die Netzstörung erhalten. "Wir werden diesen Bericht zügig analysieren, um gemeinsam mit den Unternehmen sicherzustellen, dass sich solche Vorfälle wenn irgend möglich nicht wiederholen", sagte er. Am Samstagabend war in weiten Teilen Deutschlands und Europas für rund eine halbe Stunde der Strom ausgefallen. Die Ursache dafür liegt nach ersten Erkenntnissen im Bereich des größten deutschen Energie- und Atomkonzerns E.On.

Die Stromausfälle haben am Samstagabend in weiten Teilen Westeuropas sowie in Italien die Lichter ausgehen lassen. Auch in Deutschland wurden viele Menschen von der plötzlichen Dunkelheit überrascht. Nach Angaben der Polizei war vor allem Nordrhein-Westfalen betroffen. Einige Menschen wurden nach Feuerwehrangaben aus stecken gebliebenen Fahrstühlen befreit.

Tausende Bahnreisende haben aufgrund der bundesweiten Stromausfälle am Samstagabend Verspätungen hinnehmen müssen. Die Lage sei "schon sehr unangenehm" gewesen, sagte der Sprecher Personenverkehr der Deutschen Bahn, Achim Stauß, am Sonntag in Berlin. Zu Behinderungen sei es vor allem im Großraum Berlin-Brandenburg, in Nordrhein-Westfalen und in Hessen gekommen. Im Gegensatz zu Privathaushalten wurde der Deutschen Bahn laut Stauß der Strom "nicht von einer Sekunde auf die andere" abgestellt. Daher hätten ausnahmslos alle der vereinzelt betroffenen Fernverkehrszüge den nächstgelegenen Bahnhof erreicht.

Der Nahverkehr war laut Sprecher mit einer gut dreistelligen Zahl von Zügen weit mehr von dem Stromausfall betroffen. Vermutlich seien auch einige Züge auf freier Strecke liegen geblieben. Im Durchschnitt hätten die Züge nach einer halben Stunde weiterfahren können.

Passagiere der Kölner Rheinseilbahn mussten den Stromausfall in luftiger Höhe aussitzen. Die Gondeln der Rheinseilbahn seien wegen der Langen Nacht der Museen in Betrieb gewesen und kurz nach 22.00 Uhr über dem Fluss stehen geblieben, sagte der stellvertretende Leiter der Kölner Berufsfeuerwehr, Johannes Feyrer, am Sonntag. Aus den Gondeln seien einige Notrufe bei der Leitzentrale eingegangen. Hätte der Stromausfall länger gedauert, wären die Menschen von Höhenrettern aus der Seilbahn befreit worden. Dies sei letztlich aber nicht nötig gewesen. Die Rheinseilbahn ist die nach Angaben der Betreiber einzige einen Fluss überquerende Seilbahn in Deutschland.

Neben Teilen Kölns waren unter anderem Neuss, Essen, Oberhausen und Mühlhausen ohne Strom. Auch in der Innenstadt von Paderborn und in der Region Bielefeld gingen plötzlich die Lichter aus. In Oberfranken, dem nördlichen Saarland und Teilen Baden-Württembergs saßen die Menschen ebenfalls vorübergehend im Dunkeln.

Die Kölner Feuerwehr registrierte laut Feyrer binnen einer Stunde weit über 1000 Anrufe. Meist habe es sich jedoch um falschen Alarm gehandelt. So seien Brandmelder fälschlicherweise ausgelöst worden oder Hausbewohner hätten die Abgase angesprungener Notstromaggregate für einen Brand gehalten. Nach rund anderthalb Stunden sei der "Spuk" vorbei gewesen.

Größere Probleme gab es in den westeuropäischen Nachbarländern. Besonders hart war Frankreich betroffen. Dort mussten laut Medienberichten fünf Millionen Menschen ohne Strom ausharren. Neben Frankreich waren vor allem Teile Belgiens sowie Italien betroffen. Als Ursache habe ein Vorstandsmitglied des französischen Zulieferers RTE eine Panne in Deutschland genannt. Diese habe eine Kettenreaktion ausgelöst, die fast zum völligen Zusammenbruch der Stromversorgung in Europa geführt hätte.

In Frankreich waren offenbar vor allem Paris und der Norden des Landes betroffen. Auch hier hätten Menschen aus Fahrstühlen befreit werden müssen. Etwa ein Dutzend Hochgeschwindigkeitszüge TGV seien auf freier Strecke liegen geblieben. Schwere Zwischenfälle habe es jedoch nicht gegeben. Nach knapp einer Stunde sei die Lage wieder im Griff gewesen.

Allein in Rom waren laut Medienberichten fünf Millionen Menschen für mindestens eine halbe Stunde ohne Strom. Ausfälle bis zu einer Stunde habe es aber auch bis südlich von Neapel gegeben. Zu schweren Zwischenfällen sei es auch hier nicht gekommen.

Am 06-11-2006

Energiewirtschaft will mehr Strommasten

Ein Großteil der Bevölkerung glaubt noch immer, beim Ausbau der Erneuerbaren Energien handele es sich um eine ferne Utopie. Weit gefehlt: Der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch in Deutschland wird im Jahr 2007 offenbar auf 14,5 Prozent steigen. Das teilte Werner Brinker, Präsident des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), am 6. November anlässlich der Konferenz der Energiewirtschaft "Regenerative Energien" in Berlin mit. Damit würde Deutschland als erstes europäisches Land bereits in diesem Jahr die EU-Vorgaben für 2010 zur Förderung der erneuerbaren Energien erreichen. Demnach ist als Ziel ein Anteil von mindestens 12,5 Prozent am deutschen Stromverbrauch vorgesehen.

Die erneuerbaren Energien seien mit der Energieeffizienz und der Energieeinsparung der dritte wesentliche Stützpfeiler, um die Anforderungen an eine zukunftsfähige Energieversorgung erfüllen zu können, meint der Verband. "Der Anteil der Erneuerbaren soll und wird weiter steigen", so Brinker.

Der Wirtschaftsverband bekundet zugleich sein Interesse an einem massiven Ausbau der Stromnetze. Laut Brinker erfolgt der Anstieg der Erneuerbaren sehr viel schneller als der nach seiner Darstellung "parallel notwendige Netzausbau". Um den weiteren Ausbau der Erneuerbaren und gleichzeitig die hohe Stabilität des Netzes meistern zu können, seien erhebliche Anstrengungen erforderlich, so der Verband der Energiewirtschaft.

Den großen Energiekonzernen, die in erste Linie auf große Off-Shore-Windparks im offenen Meer - sowie auf eine solare Großstromerzeugung in der Sahara - setzen, ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) offenbar ein Dorn im Auge. Das Gesetz fördert nämlich den dezentralen Ausbau der Erneuerbaren Energien in der Hand von Bürgerinnen und Bürgern, Kommunen und Kleinunternehmen. Den Konzernen entgeht hierbei das Geschäft.

Sie plädieren vermutlich vor diesem Hintergrund für eine Zentralisierung im Bereich der Erneuerbaren Energien und für den dafür notwendigen Bau zusätzlicher Stromtrassen. Ein Problem mit der zusätzlichen Verschandelung der Landschaft sehen sie hierbei offenbar nicht.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft kritisiert das Erneuerbare-Energien-Gesetz, obwohl der dadurch ausgelöste dezentrale Ausbau Erneuerbarer Energien in erster Linie dafür verantwortlich ist, dass die Erneuerbaren 2007 offenbar 14,5 Prozent der deutschen Stromproduktion stemmen.

Gerade von technischer Seite gebe es viele Erfolg versprechende Ansatzpunkte wie Energiespeicher, virtuelle Kraftwerke, abschaltbare Lasten, intelligente Nachfrageschaften oder neue Energieanwendungen, so Brinker. Allerdings würden diese technischen Ansätze nicht genügend weiter verfolgt und entwickelt, weil das Erneuerbare-Energien-Gesetz in seiner heutigen Form keinerlei Anreize für eine bedarfsgerechte Erzeugung gebe. "Diese Anreize zu schaffen, wird aus unserer Sicht die größte Aufgabe bei der anstehenden EEG-Novellierung sein", so Brinker.

Hier seien Politik, Unternehmen, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft gleichermaßen aufgerufen, um neue Lösungen zu erarbeiten. Kritiker der großen Energiekonzerne befürchten, dass mit den neuen Lösungen gemeint ist, den dezentralen Ausbau der Erneuerbaren Energien "in Bürgerhand" zum Stillstand zu bringen.

Nach neuesten BDEW-Schätzungen wird der Anteil der regenerativen Energien am Stromverbrauch im Jahr 2007 bei etwa 14,5 Prozent (2006: 11,7 Prozent) liegen. Somit dürfte Windkraft mit 6,8 (5,0), Wasserkraft mit 3,4 (3,2), Biomasse mit 3,1 (2,5), der biogene Anteil des Mülls mit 0,7 (0,6) und Photovoltaik mit 0,5 (0,4) Prozent den Stromverbrauch in Deutschland decken.

Am 08-11-2007

Subventionierung der Stromkonzerne befürchtet

FDP-Chef Guido Westerwelle stößt mit seiner Forderung nach einem Steuerrabatt für Energie bei den Verbraucherschützern auf Ablehnung. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) befürchtet bei einer Absenkung des Mehrwertsteuersatzes für Öl, Strom und Gas von 19 auf 7 Prozent eine indirekte Subventionierung der Stromkonzerne. Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sieht den Vorschlag skeptisch.

VZBV-Energieexperte Holger Krawinkel sagte, erfahrungsgemäß würden die Unternehmen derartige Senkungen nutzen, um ihre Gewinne zu erhöhen. Dies sei leicht möglich, da die Energiewirtschaft von einem Oligopol weniger großer Konzerne dominiert werde. "Stattdessen ist es sinnvoller, den Wettbewerb zu stärken, doch das hat die Bundesregierung bislang verpasst." Krawinkel forderte daher die Abtrennung der Hochspannungsnetze von den Kraftwerksbetreibern.

Ähnlich argumentierte DIW-Expertin Claudia Kemfert. "Ein niedriger Mehrwertsteuersatz auf Energiepreise macht keinen Sinn. Das wäre Politik nach Gutsherrenart und kurzfristig gedacht", sagte sie. Die Preise würden bei einer Energiesteuersenkung trotzdem weiter anziehen. Die Energiepreise seien vor allem deshalb so hoch, weil es zu wenig Wettbewerb gebe. "Hier muss die Politik ansetzen. Sie sollte den Netzausbau vorantreiben und eine EU-Regulierungsbehörde schaffen."

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) äußerte sich ebenfalls zurückhaltend zu dem Westerwelle-Vorstoß: "Die Steuerausfälle sind zu bedenken wie auch die Frage, ob Preissenkungen aufgrund eines reduzierten Mehrwertsteuersatzes überhaupt an die Verbraucher weitergegeben würden." Allerdings müsse angesichts explodierender Energiepreise politisch diskutiert werden, wie Menschen mit niedrigen Einkommen etwa durch Transferleistungen unterstützt werden könnten. "Es gibt immer mehr solche Menschen, die von den steigenden Energiepreisen existenziell betroffen sind, die sogar frieren."

Die Politik lässt die Stromwirtschaft weitgehend gewähren. Von einer effektiven staatlichen Energiepreisaufsicht ist nicht die Rede.

Am 27-03-2008

Stromausfall

Mit einem "Grünbuch" will ein überfraktionelles Bündnis von Innenexperten der Union, SPD, Grünen und FDP die öffentliche Debatte über die Folgen von zivilen Katastrophen neben der Terrorbekämpfung anstoßen. Für flächendeckende Bedrohungslagen wie Hochwasser, Stromausfälle oder Pandemien, die Deutschland betreffen könnten, gebe es in der Bevölkerung und bei Entscheidungsträgern nicht das notwendige "Problembewusstsein", erklärten die Autoren bei der Vorstellung des Buches des 2007 gegründeten Zukunftsforums Öffentliche Sicherheit am Dienstag (23. September) in Berlin. Zudem müsse der Katastrophenschutz bundesweit greifen.

Auf einen tagelangen bundesweiten Stromausfall seien beispielsweise weder Staat, noch Wirtschaft und Bevölkerung vorbereitet, weil niemand mit einem solchen "Blackout" rechne, sagte der Bundestagsabgeordnete Gerold Reichenbach (SPD). In diesem Fall fielen nicht nur Telefon, Internet, Heizung oder Kühlung aus, sondern auch die Versorgung der Menschen mit Trinkwasser, Lebensmitteln oder Bargeld.

Der CDU-Innenexperte Ralf Göbel betonte, "wir wollen keine Horrorszenarien entwickeln, aber auf die vielen Probleme bis in den privaten Haushalt hinein aufmerksam machen." Zugleich solle deutlich werden, dass in einer vernetzten Welt die Vorsorge nicht mehr allein Aufgabe des Staates sein könne.

Deshalb sitzen nicht nur Parlamentarier von vier Parteien an einem Tisch, sondern auch Experten von Hilfsorganisationen, Fachverbänden, Wirtschaft und Wissenschaft, wie der Abgeordnete Hartfrid Wolff (FDP) erläuterte. Er sagte, "angesichts der Herausforderungen haben wir bewusst vermieden, einfache Lösungen anzubieten."

Am 23-09-2008