Ärzte fürchten bis zu 260.000 Tote bei neuem Irak-Krieg

Prognose

Nach einer Studie der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) muss bei einem erneuten Krieg gegen den Irak mit 48.700 bis 261.000 Toten auf allen Seiten gerechnet werden. Dabei wurde ein drei Monate andauernder konventioneller Krieg angenommen. Käme es zusätzlich zu einem Bürgerkrieg im Irak oder zu atomaren Anschlägen, könnte sich die Zahl der geschätzten Todesopfer auf 375.000 bis 3.889.100 erhöhen. "Diese Schätzungen beinhalten nicht Tote durch indirekte oder langfristige Folgen des Krieges", sagte Jane Salvage, eine der Autorinnen der Studie. "Allein durch den völligen Zusammenbruch der Infrastruktur im Irak ist mit bis zu weiteren 200.000 Toten zu rechen, etwa durch Infektionskrankheiten."

Die von der IPPNW als "konservativ" bezeichneten Berechnungen basieren auf den gegenwärtigen Konfliktszenarien der US-amerikanischen Militärstrategen und den gesicherten Daten über die Folgen des zweiten Golfkrieges. Zusätzlich seien Informationen über das gegenwärtige irakische Gesundheitssystem und die derzeitige Versorgungsstruktur im Land herangezogen worden. Zu den Autoren der Studie "Collateral Damage: The Health and Environmental Costs of War on Iraq" zählen Ärzte und Gesundheitsexperten aus verschiedenen Ländern.

Die IPPNW rechnet außerdem mit erheblichen Umwelt- und Gesundheitsbelastungen, etwa durch die Bombardierung von Industrie- und Waffenproduktionsanlagen oder von Ölquellen.

Die Kosten des Krieges werden für die USA mit 50 bis 200 Milliarden US-Dollar angegeben - allein für die Kriegsführung. 5 bis 20 Milliarden US-Dollar jährlich würde eine Besatzung kosten. Die Ärzteorganisation verweist darauf, dass mit 100 Milliarden US-Dollar alternativ vier Jahre lang die Kosten für die Gesundheitsversorgung der ärmsten Menschen in der Welt bezahlt werden könnten.

Für die IPPNW wäre einen Krieg "gegen das durch die Sanktionen und den Diktator Saddam Hussein bereits schwer getroffene irakische Volk zutiefst inhuman".

Am 15. November hatte die IPPNW Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer 31.600 Unterstützer-Unterschriften für den Appell "Mit Fuchs und Flotte" übergeben. Der Appell an die Bundestagsabgeordneten richtete sich gegen eine Verlängerung des Bundeswehr-Mandates für eine Beteiligung am "Krieg gegen den Terrorismus". Die Terroranschläge vom 11. September 2001 seien kein Freibrief für Krieg.

Die Friedensorganisation verlangt als Zeichen einer glaubwürdigen Friedenspolitik, die deutschen Truppen- und Flottenverbände aus Kuweit und vom Horn von Afrika zurückzuholen und keine deutsche Infrastruktur für einen erneuten Krieg zur Verfügung zu stellen.