Fünf Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen in Badghis getötet

Afghanistan

Am Mittwoch Nachmittag wurden fünf Mitarbeiter der internationalen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in der Region Badghis im Nordwesten Afghanistans getötet. Unter ihnen waren eine Belgierin, ein Norweger, ein Niederländer sowie zwei Afghanen. Bisher gibt es keine genauen Informationen über den Vorfall. Die Opfer wurden in die nächstgelegene Einrichtung von ÄRZTE OHNE GRENZEN in der Ortschaft Khairkhana überführt.

Sie waren auf der Straße von Khairkhana nach Qala-I-Naw in der Provinz Badghis im Nordwesten des Landes unterwegs, als ihr Fahrzeug angegriffen wurde. ÄRZTE OHNE GRENZEN stellt sämtliche Projekte - bis auf akute lebensrettende Maßnahmen - in Afghanistan vorerst ein. ÄRZTE OHNE GRENZEN trauert um: Hélène de Beir (Projektkoordinatorin aus Belgien), Willem Kwint (Logistiker aus Holland), Egil Tynaes (Arzt aus Norwegen), Fasil Ahmad (Übersetzer aus Afghanistan) und Besmillah (Fahrer aus Afghanistan). ÄRZTE OHNE GRENZEN wird Hélène, Willem, Egil, Fasil Ahmad und Besmillah sehr vermissen und ist mit ganzem Herzen bei ihren Familien und Freunden.

Die Mitarbeiter hatten Khairkhana am Mittwoch um 15.00 Uhr in einem Toyota-Geländewagen verlassen. Um 15.45 Uhr sollten sie Funkkontakt mit ihren Kollegen aufnehmen, der jedoch nicht zustande kam. Daraufhin wurden aus Khairkhana und Qala-I-Naw zwei Fahrzeuge entsendet, um das vermisste Team zu suchen. Um 17.20 Uhr wurde der Geländewagen, 25 Minuten von Khairkhana entfernt, gefunden. Dorfälteste hatten zuvor bereits von einem tragischen Zwischenfall berichtet. Beschreibungen zufolge war der Wagen durch die Windschutzscheibe, die Heckscheibe und die vorderen Seitenscheiben beschossen worden. Zudem wurden in der Seitenwand Schrapnellteile gefunden, die darauf hindeuten, dass eine Handgranate explodiert ist.

Bislang gibt es keine Informationen über die Täter und ihre Motive. ÄRZTE OHNE GRENZEN wird den Vorfall in den kommenden Wochen ausführlich analysieren. Die Aktivitäten in Afghanistan werden vorerst im ganzen Land eingestellt und die internationalen Mitarbeiter derzeit nach Kabul verlegt. Die afghanischen Mitarbeiter aus Khairkhana werden ebenfalls an einen sicheren Ort gebracht.

ÄRZTE OHNE GRENZEN arbeitet bereits seit 1979 in Afghanistan und ist sehr besorgt, dass der Zugang der afghanischen Bevölkerung zu medizinischer Versorgung sowie zu weiterer humanitärer Hilfe zunehmend gefährdet ist. Bis Mittwoch waren 80 internationale und rund 1.400 afghanische Mitarbeiter für ÄRZTE OHNE GRENZEN in Afghanistan tätig. Die Aktivitäten reichen von Projekten zur Basisgesundheitsversorgung und Unterstützung von Krankenhäusern bis hin zu psychologischen Programmen.

In der Provinz Badghis ist ÄRZTE OHNE GRENZEN bereits seit 1999 tätig. In Khairkhana unterhält die Organisation seit 2001 ein Gesundheitszentrum. Dort wurden in den ersten vier Monaten dieses Jahres 6.500 Konsultationen durchgeführt. Erst kürzlich wurde ein Tuberkulose-Programm gestartet, und vor zwei Wochen wurde eine Geburts- und Kinderstation eingeweiht.