Halbprivate Deutsche Post will hunderte Filialen schließen

Agenturen

Die halb-private Deutsche Post AG möchte offenbar mehrere hundert Filialen schließen. Vor allem im ländlichen Raum stehe die Umwandlung von Eigen-Filialen in so genannte Partner-Filialen an, das heißt in Supermärkten oder anderen Geschäften würden Postschalter eingerichtet, erklärte Postsprecher Jürgen Blohm erklärte am Dienstag in Bonn. In der Vergangenheit wurden bereits etwa 8000 der rund 13.000 Postfilialen in "Agenturen" in Lebensmittelgeschäften, Schreibwarenläden oder Reisebüros umgewandelt. Durch die Einrichtung der Agenturen spare die Post gegenüber herkömmlichen Postfilialen, heißt es in Presseberichten. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) forderte in einer Reaktion "verbindliche Vorgaben und objektive Kriterien zur Qualitätssicherung von Postdienstleistungen". Auch im Zeitalter von E-Mail und SMS gehöre die Versorgung mit Postdienstleistungen weiterhin zu den Dienstleistungen der Daseinsvorsorge.

Postsprecher Blohm widersprach einer Meldung, alle Filialen mit maximal drei Mitarbeitern würden geschlossen. Die Mitarbeiterzahl spiele keine Rolle. Vielmehr gehe es vor allem um die Wirtschaftlichkeit. Bei den zur Umwandlung anstehenden Filialen handele es sich zum Teil um solche, in denen ein Mitarbeiter nur noch für zwei Stunden am Tag geöffnet halte.

Die Verbraucherzentrale Bundesverband verweist auf Angaben der Europäischen Union, wonach Deutschland zwischen 1998 und 2003 europaweit die vierthöchste Abbaurate bei den unternehmenseigenen Postfilialen aufgewiesen habe. Dieser Trend sei ungebrochen.

Mehr als 20 Prozent der privaten Postkunden seien mit der Erreichbarkeit von Postfilialen und -agenturen nicht zufrieden. Fast ein Viertel bemängelten die schlechte Erreichbarkeit von Briefkästen. Das habe eine repräsentative Umfrage ergeben, die der Verbraucherzentrale Bundesverband im Jahr 2004 durchführen ließ.

Nach Darstellung der Verbraucherschützer bewegt sich das Briefporto in Deutschland im europäischen Vergleich im Spitzenfeld. Bis zu 60 Prozent des Konzernergebnisses der Deutschen Post stammten noch immer aus dem bis Ende 2007 laufenden Briefmonopol. Die erwirtschafteten hohen Monopolgewinne machten sich im Kundenservice jedoch kaum bemerkbar. "Wer, wie die Deutsche Post AG, mit Exklusivlizenzrechten bei der Briefbeförderung ausgestattet ist, hat eine besondere Verantwortung gegenüber allen Postkunden, in Ballungsräumen wie auf dem Lande", so von Braunmühl von der Verbraucherzentrale.

Statt einer weiteren Selbstverpflichtung der Deutschen Post AG fordern die Verbraucherschützer konkrete Vorgaben und verbindliche Kriterien für Universaldienstleistungen. Für den Fall einer anhaltenden Verschlechterung des Kundenservices infolge weiterer Rationalisierungsmaßnahmen wurde die Bundesnetzagentur aufgefordert, deutlich niedrigere Entgelte für Standardbriefe vorzugeben, als sie von der Post ab Januar 2006 angeboten worden seien.