Robin Wood kritisiert Atom- und Braunkohlekraftwerke von Vattenfall

Wasserstoffexplosion im Atomkraftwerk

Die Umweltschutzorganisation Robin Wood demonstrierte am Mittwoch gegen die Aktionärsversammlung des Energiekonzerns Vattenfall. Mit einem Transparent "Aus BEWAG wird Vattenfall und Umweltschutz bleibt Lüge. Braunkohlebagger Stopp" kritisierte die Organisation die Atom- und Braunkohlepolitik des Unternehmens. Vattenfall solle "aus der Atomkraftnutzung und aus der extrem klimaschädlichen Braunkohleverstromung" aussteigen und stattdessen in erneuerbare Energien investieren. Robin Wood wirft dem Unternehme außerdem vor, sich durch ein "squeeze out" der öffentlichen Kontrolle auf den Hauptversammlungen zu entziehen. Durch das "squeeze out" würden "die letzten freien AktionärInnen gezwungen, ihre Aktien an den schwedischen Mutterkonzern zu verkaufen".

Die Umweltschutzorganisation weist darauf hin, dass der schwedische Energiekonzern Vattenfall in den vergangenen Jahren die Berliner BEWAG, die Hamburger HEW und das ostdeutsche Verbundunternehmen VEAG übernommen und zu Vattenfall Europe verschmolzen hat. "Die Kontrolle über den Konzern und damit ein beträchtlicher Teil des Stromangebots auf dem deutschen Markt" werde nun komplett in den Händen der schwedischen Regierung liegen, kritisiert Robin Wood.

Der Energie-Konzern Vattenfall setze in Deutschland "voll auf Atomkraft und auf Braunkohle". Nahe der Millionenstadt Hamburg betreibe der Konzern die Atomkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel und sei mit 20 Prozent am Atommeiler Brokdorf beteiligt. Bei Vattenfall sei sogar der Neubau eines Atomkraftwerks im Gespräch.

"Spätestens seit der Wasserstoffexplosion im Atomkraftwerk Brunsbüttel ist klar, dass Vattenfall nicht über die gesetzlich geforderte Kompetenz verfügt, Atomreaktoren zu betreiben", meint Bettina Dannheim von Robin Wood. Für Vattenfall komme "immer erst der Profit und dann die Sicherheit".

Im Dezember 2001 habe es eine Wasserstoffexplosion nahe des Reaktordruckbehälters im Atomkraftwerk Brunsbüttel gegeben, die der Konzern wochenlang verharmlost und herunterspielt habe, um den Reaktor nicht vom Netz nehmen zu müssen. Mehr als ein Jahr habe der Reaktor still gestanden, unter anderem weil sich das Sicherheitsmanagement der Betriebsmannschaft als katastrophal herausgestellt habe.

Auch die Braunkohlenutzung des Energiekonzerns steht in der Kritik der Umweltschützer. Der größte Anteil des von Vattenfall produzierten Stroms stamme aus Braunkohle - "mit üblen Folgen für Menschen, Umwelt und Klima". In Ostdeutschland betreibe Vattenfall vier Braunkohlekraftwerke und vier Braunkohletagebaue. Für die Erweiterung der Tagebaue habe Vattenfall trotz Protesten unlängst die Dörfer Horno und Lacoma abreißen lassen. Und noch in diesem Jahr wolle das Unternehmen "mit der Zerstörung der Lacomaer Teichlandschaft" beginnen. Dabei habe das Land Brandenburg die Lacomaer Teiche als Europäisches Schutzgebiet nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie an die Europäische Kommission gemeldet.

Noch stehe die Genehmigung für die Zerstörung der Teichlandschaft aus. Mit dem wasserrechtlichen Planfeststellungsbeschluss sei in diesem Frühjahr zu rechnen. Zuvor werde die EU-Kommission eine Stellungnahme zur Zerstörung der Lacomaer Teichlandschaft und dem von Vattenfall vorgelegten Ausgleichskonzept abgeben. Die Umweltschützer fordern die EU-Kommission auf, dieses Ausgleichskonzept abzulehnen.