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Kinder leiden besonders unter Armut

Forschungsprojekt

Die Armut von Kindern nimmt in Deutschland immer weiter zu. Dennoch spielen Kinder in der sozialwissenschaftlichen Forschung bislang nur eine untergeordnete Rolle. Ein Projekt der Fachhochschule Münster will das ändern. "Bislang wurde immer nur über Kinder gesprochen, nicht mit ihnen. Wir wollen aber gezielt die kindliche Perspektive zu dieser Problematik aufgreifen", sagt Professor Margherita Zander im Gespräch mit der Nachrichtenagentur ddp.

Zusammen mit den Sozialwissenschaftlerinnen Barbara Imholz und Gisela Wuttke erforscht sie, ob Grundschulkinder in der Stadt und auf dem Land mit Armut jeweils unterschiedlich umgehen. Dazu werden Kinder aus Münster und aus einigen größeren und kleineren Städten des Westmünsterlandes befragt. "Dabei wollen wir auch untersuchen, ob sich die Lebensverhältnisse auf dem Land und in der Stadt immer weiter angleichen", erläutert Zander. Zu dieser Frage gebe es zwar Vermutungen, aber noch keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Dass auch Kinder von Armut betroffen sind, sei bisher vor allem aus der Perspektive von Erziehern oder Lehrern wahrgenommen worden. "Den Lehrern fällt auf, wenn ein Junge mit nassem Pullover im Unterricht sitzt, weil keine Wäsche zum Wechseln da ist, oder dass ein Mädchen nicht am Schwimmunterricht teilnehmen kann, weil es keinen Badeanzug besitzt", erläutert Wuttke. Die Münsteraner Wissenschaftler wollen hier aber ganz gezielt erforschen, wie Kinder selbst die Armutssituation erleben und wie sie verarbeiten.

"Kinder reagieren sehr sensibel auf Armut", sagen die Wissenschaftlerinnen. Bei einer vorab durchgeführten Unterrichtsreihe in einer Grundschule habe sich gezeigt, dass schon für die sieben- bis zehnjährigen Arbeitslosigkeit und die damit verbundene soziale Ausgrenzung ein wichtiges Thema sei.

"Die Kinder bemerken soziale Unterschiede, sobald sie in den Kindergarten oder in die Schule kommen", sagt Wuttke. Schon im Grundschulalter schlügen dabei gesellschaftliche Normen durch. "Jedes Mädchen möchte hübsch aussehen und auch bei der Kleidung mit ihren Freundinnen mithalten können", betonen die Wissenschaftlerinnen: "Hierbei nicht mithalten zu können und ausgegrenzt zu werden, davor haben auch Kinder Angst und reagieren mit Scham."

Erste Zwischenergebnisse der Studie werden am Montag auf einer öffentlichen Tagung der Fachhochschule Münster bekannt gegeben. Das Projekt ist Teil des Forschungsverbundes "Duale Armutsforschung und Kindheit" in Nordrhein-Westfalen, an dem sich auch die Universität Köln und die Fachhochschule Düsseldorf beteiligen.

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