WWF rechnet mit weiteren Wolfsrudeln in Ostdeutschland

Naturschutz

Die Oberlausitz (Sachsen) könnte bald wieder von Wölfen besiedelt werden. Das Rudel, das Mitte Juli auf dem 35.000 Hektar großen Oberlausitzer Truppenübungsplatz entdeckt worden war, ist nach Ansicht des World Wide Fund for Nature (WWF) erst die Vorhut. Da sich die Tiere offenbar wohl fühlten, würden sie sich in Zukunft auch in anderen Teilen Ostdeutschland ausbreiten, vor allem in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, erklärte WWF-Biologe Frank Mörschel am Mittwoch in Frankfurt am Main.

In der Oberlausitz fänden die Tiere ideale Lebensbedingungen wie zum Beispiel ausreichend wilde Beute, ein großes Revier und wenig Störung durch den Menschen. Fälschlicherweise sei der Wolf als gefährliches Tier gefürchtet. In Wirklichkeit sei er jedoch äußerst scheu, betonte Mörschel. "Er ist nicht das Menschen fressende Ungeheuer aus dem Märchen", betonte er.

Sich auf die Suche nach den Wölfen zu begeben, sei allerdings nicht ratsam. Das Sächsische Umweltministerium hatte schon vor einigen Wochen davor gewarnt, die Tiere zu beobachten. Das Betreten des Truppenübungsplatzes in der Oberlausitz sei streng untersagt, erklärte das Ministerium. Zudem bestehe wegen Blindgängern und militärischem Übungsbetrieb hohe Verletzungsgefahr.

Die in Sachsen aufgetretenen Wölfe erreichen etwa die Größe eines Schäferhundes und haben grau-braunes Fell. Sie genießen den höchsten Schutzstatus und dürfen nicht gejagt werden. Wölfe galten bislang in Deutschland spätestens seit dem 19. Jahrhundert als ausgerottet, während in Ländern wie Italien, Spanien, Griechenland, Polen und Bulgarien jeweils einige hundert der Tiere leben. In Rumänien sollen rund 2.000 Wölfe heimisch sein.