Landesbürgschaft für Fluggesellschaft LTU

Wirtschaft will manchmal mehr Staat

Das Land Nordrhein-Westfalen gewährte am Freitag eine Bürgschaft über 100 Millionen Euro für einen Bankenkredit an die Fluggesellschaft LTU gesetzt. Mit diesem Darlehen, zu dem vom zweitgrößten LTU-Aktionär REWE noch 20 Millionen Euro sowie eine Rückbürgschaft in gleicher Höhe dazukommen, ist die Insolvenz der LTU vorerst abgewendet. Die LTU soll nun einem Sanierungsprogramm unterworfen werden.

Der für sechs Monate geltenden Bürgschaft, der die EU-Kommission am Donnerstag grünes Licht gegeben hatte, war ein hartes Ringen mit dem kreditgebenden Bankenkonsortium vorangegangen. Die Kreditinstitute wollten, dass das Land ihre Darlehen mit 100 Prozent verbürgt. Am Ende einigte man sich auf 90 Prozent - zu wenig für die Dresdner Bank, die sich daraufhin aus dem Kreis der Kreditgeber verabschiedete. Stattdessen engagiert sich nun die REWE-Gruppe stärker bei Deutschlands zweitgrößter Ferien-Fluggesellschaft nach der Lufthansa-Tochter Condor.

Bis 2004, so lautet die Zielvorgabe des Landes, soll die LTU wieder in den schwarzen Zahlen fliegen. Das Sanierungskonzept sieht bisher im wesentlichen Einsparungen von 200 Millionen Euro bis 2004 durch Lohnkürzungen bei den 2.300 Beschäftigten und Einschnitte bei den Sachkosten vor.

Das Anteile-Paket von 49,9 Prozent, das die in Konkurs gegangene frühere LTU-Mutter Swissair besaß, wartet bei einer Düsseldorfer Anwaltssozietat treuhänderisch auf einen potentiellen Käufer. Die bisherige Treuhänderin, die Stadtsparkasse Düsseldorf, konnte das Paket aus juristischen Gründen nicht mehr parken, weil sie zugleich Kreditgeberin ist. Die Pleite der Swissair hatte die LTU im Oktober in finanzielle Turbulenzen gebracht.

Nicht zuletzt für die Stadt Düsseldorf und Nordrhein-Westfalen ist das Überleben der LTU von hoher wirtschaftlicher Bedeutung. Rund 20 Prozent der Einnahmen des Düsseldorfer Flughafens kommen von der LTU. Insgesamt sollen zwischen 4.000 und 5.000 Arbeitsplätze an der Fluggesellschaft hängen.