Ab Montag soll Lacoma trotz Dachbesetzung abgebaggert werden

Braunkohletagebau

Seit Freitag halten Demonstranten die Dächer der Kulturscheune und eines weiteren Hauses besetzt um den vom Energiekonzern Vattenfall geplanten Abriss der Gebäude zu verhindern. Sie fühlen sich dazu genötigt, da ,Vattenfall' zu keinen Verhandlungen bereit war und ist. Dem Großkonzern wäre es nach Auffassung der Protestierenden ohne weiteres möglich, die Abrisse der Gebäude des Dorfes bis zur Klärung der rechtlichen Lage auszusetzen.

Strategisches Ziel der Aktion ist die Erhaltung der Teichlandschaft von Lacoma. Um für die ca. 100 bedrohten Arten (z.B. Biber) zu sprechen, halten es die Demonstranten für zwingend notwendig, die Häuser und die Dorfstruktur zu erhalten. Diesem Ziel gegenüber haben hohe und höchste politische Gremien (EU, OECD, Bundestag, Landtag) Zustimmung signalisiert.

Zum 30.9. 2003 hat Vattenfall einen Großteil der Nutzungsverträge in Lacoma gekündigt und plant die betroffenen Häuser in Kürze abzureißen. Die Genehmigung für den Bau der Entwässerungsleitungen, mit denen die Abrisse begründet werden, liegt jetzt und in absehbarer Zeit noch nicht vor. Verschiedene Gesprächsangebote des Lacoma e.V. bezüglich einer Weiternutzung der Häuser bis zum Beginn des Baus der Leitung, hat Vattenfall ausgeschlagen.

Da zum jetzigen Zeitpunkt nicht klar ist, ob es einen Planfeststellungsbeschluß geben wird und ob Braunkohle in Zukunft noch wirtschaftlich sein kann, ist ein Abriss zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht und wahrscheinlich unnötig. Trotzdem möchte Vattenfall schon jetzt abreißen, um Fakten zu schaffen, die Bewohner, die sich für den Erhalt der Teichlandschaft einsetzen, zu vertreiben, und sich die Zerstörung derselben zu erleichtern.

Ab 2005 beginnt der EU Emissionshandel. Das heißt, dass für jede emittierte Tonne CO2 Zertifikate gekauft werden müssen. Braunkohle als klimaschädlichster Energieträger muss sich dann einer neuen Wirtschaftlichkeitsprüfung unterziehen Deshalb versucht die Braunkohlesparte ,Vattenfalls', jetzt schnell viel Geld in den Tagebau Cottbus Nord zu investieren. Die einzige Überlebenschance der Braunkohle ist, dass die Verluste bei einer Stillegung des Tagebaus durch schon investiertes Geld, die Verluste, die der Tagebau ab 2005 sowieso machen wird, übersteigen.

Das bei der EU Kommission anhängige FFH (Flora Fauna Habitat) - Verfahren hat sehr gute Chancen auf Erfolg. Ähnlich zum Fall Mühlenberger Loch bei Hamburg versucht Vattenfall das Dorf und im Anschluß das Teichgebiet zu zerstören, bevor das Verfahren greift.

Um diese Entwicklung zu vermeiden, haben sich Bewohner und Freunde des Dorfes für eine Besetzung der Kulturscheune und eines weiteren Hauses entschlossen, um die Abrisse zu verhindern. Das ist die einzige Chance um ihrem Anliegen bei Vattenfall Gehör zu verschaffen.