Die Expansion des Energiekonzerns E.on in Osteuropa

Strom & Gas

"Wir sind in Osteuropa noch nicht am Ende unserer Expansionswünsche", erklärte der Vorstandsvorsitzende der E.on AG Wulf Bernotat gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Europas größter privatwirtschaftlicher Energiekonzern hat erst am vergangenen Freitag die schrittweise Übernahme des Gasgeschäfts des ungarischen Öl- und Gasunternehmens Mol Rt. angekündigt. In den vergangenen Wochen hat E.on für zusammen fast 450 Millionen Euro einen der beiden großen Gas-Verteiler in Rumänien sowie zwei bulgarische Stromversorger aufgekauft. Weitere Pläne sehen Übernahmen in Tschechien und in Polen sowie den Einstieg in die Ausbeutung russischer Erdgasfelder vor.

Der Zugang zum russischen Erdgas schreitet voran, seit E.on im vergangenen Juli eine Absichtserklärung mit dem führenden russischen Erdgaskonzern Gasprom unterzeichnet hat. So kann sich E.on beispielsweise an einem westsibirischen Erdgasfeld rund 300 Kilometer südwestlich der Gasmetropole Urengoy beteiligen. Dort sollen von 2008 an jährlich 25 Milliarden Kubikmeter Erdgas gefördert werden, eine Menge, die dem gesamten spanischen Gasverbrauch entspricht.

Weiterhin ist der Bau einer Ostseepipeline aus der Region St. Petersburg nach Greifswald geplant, erläuterte Bernotat der FAZ. Die 2,4 Milliarden Dollar teure Unterwasserpipeline soll über Deutschland und die Niederlande an eine im Bau befindliche Nordseepipeline nach Großbritannien geführt werden. E.on plant damit einen europaweiten Energieverbund. Ein erheblicher Teil der Rohstoffe soll hierbei aus Russland kommen.

Gleichzeitig möchte E.on auch in den russischen Strommarkt einsteigen. Da der Stromverbrauch im Durchschnitt um sechs Prozent wachse, seien erhebliche zusätzliche Kapazitäten erforderlich, so Bernotat.

Die Expansion des einst auf Deutschland beschränkten Energiekonzerns in Westeuropa ist bereits weit vorangeschritten. In einigen Ländern wie England und in Skandinavien hält der Düsseldorfer Energieriese die Marktpositionen zwei oder drei. In Deutschland ist E.on neben seinem Engagement im Gas- und im fossilen Stromgeschäft einer der führenden Atomkraftwerksbetreiber.

Kontrolliert wird das E.on-Management von einem Aufsichtsrat, der sich aus zahlreichen einflussreichen Managern der deutschen Wirtschaft zusammensetzt. Mit Rolf-E. Breuer von der Deutschen Bank, Henning Schulte-Noelle vom Allianz-Konzern, Karl-Hermann Baumann vom Kraftwerkshersteller Siemens und einigen anderen bildet dieses Gremium ein Netzwerk großer Energiekonzerne und Finanzhäuser.