Entlassener Reaktorchef ist Experte in Internationale Atomenergiebehörde

Atomkraftwerk Philippsburg

Wie die "Stuttgarter Zeitung" berichtet, war der für die im Jahr 2001 entdeckten, brisanten Sicherheitsmängel im Atomkraftwerk Philippsburg verantwortliche ehemalige Reaktorchef Mitglied der Expertenkommission der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), die dem Kraftwerk vor wenigen Tagen einen Persilschein ausgestellt hat. Gerd Bassing war der einzige Deutsche in der Expertenkommission, die nach dem Vorkommnis das Atomkraftwerk im Auftrag der Betreibergesellschaft beurteilte. 2001 war in den so genannten Flutbehältern zu wenig boriertes Kühlwasser, um im Notfall den Reaktorkern kühlen zu können. Nach Auffassung von Bundesumweltminister Jürger Trittin (Grüne) war das Risiko "bewusst" vom Betreiber eingegangen worden. Daraufhin sollte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) den Zustand der Anlage prüfen. Die Atomenergiebehörde gab zusammen mit dem Betreiber Energie Baden-Württemberg (EnBW) bekannt, dass die Anlage in einem "guten" Sicherheitszustand sei.

Der Journalist Andreas Müller gibt an, auf der Liste der 13 Experten "Bassing, G." ohne Erläuterungen zu seiner Person gefunden zu haben. Gerd Bassing sei jedoch "jener leitende EnBW-Angestellte, der bei den Pannen vor dreieinhalb Jahren eine besonders unrühmliche Rolle gespielt" habe. Der Ingenieur Bassing sei zu der Zeit des Störfalles für den zweiten Reaktorblocks verantwortlich gewesen. Dieser Reaktorblock sei wieder angeschaltet worden, obwohl das Notkühlsystem noch nicht ordnungsgemäß zur Verfügung stand.

Daraufhin sei Bassing "umgehend von seinem Posten in Philippsburg abgelöst und unternehmensintern versetzt" worden. Heute sei er bei der EnBW-Kraftwerksgesellschaft mit "nuklearen Grundsatzfragen" befasst. Im Atomuntersuchungsausschuss des Landtags hätte Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) ihm persönlich die Verantwortung für die Pannen gegeben: Bassing habe um die Probleme im Notkühlsystem gewusst und "dennoch entschieden, die Anlage weiter zu betreiben".

Auf Anfragen, welche Aufgaben Bassing in dem Prüfungsteam habe, gebe es keine konkrete Antwort, sagt Müller: Bassing gehöre nicht zum eigentlichen Prüfungsteam, so die EnBW. Er sei der vom Betreiber benannte Ansprechpartner für die IAEO-Inspektoren gewesen. Als "Mädchen für alles" habe er sich um Organisatorisches gekümmert: Räume reserviert, Flüge gebucht, gedolmetscht und den Kontakt zu den Umweltministerien von Land und Bund gehalten. Mit der inhaltlichen Bewertung des Kernkraftwerks habe er "nichts zu tun" gehabt.

In dieser Eigenschaft sei Gerd Bassing auch Teil des Gesamtteams, jedoch mitnichten und entgegen dem Bericht der Stuttgarter Zeitung Teil des insgesamt 13 Experten umfassenden internationalen Prüfteams. Nur diese 13 Experten hätten das Kernkraftwerk beurteilt und am Prüfbericht mitgewirkt. Die Nennung von Gerd Bassing sei seiner Aufgabe entsprechend auch optisch deutlich abgesetzt vom fachlichen Prüfteam im Prüfbericht gelistet.

Die Stuttgarter Zeitung hatte beton, dass auf der letzten Seite des IAEA-Berichts ausdrücklich auf Bassings langjährige Erfahrungen in Kernkraftwerken verwiesen werde. "Years of nuclear experience: 29", heiße es dort. "Was sollte das für eine Rolle spielen, wenn der Ingenieur wirklich nur Hilfsdienste geleistet hat?", fragt die Zeitung.