Ex-RAF-Terrorist Klar sieht sich als politischen Gefangenen

"Die Sache unterlag"

Der frühere RAF-Terrorist Christian Klar sieht sich als "politischen Gefangenen" und nicht als Kriminellen. Er sei nicht damit einverstanden, "die RAF-Geschichte als Kriminalfall zu besprechen", sagte Klar in einem am 19. Dezember vorab veröffentlichten Interview der Wochenzeitung "Freitag". Dies habe er auch Bundespräsident Horst Köhler gesagt, der schließlich Klars Gnadengesuch abgelehnt hatte. Auf die Frage, ob Köhler von ihm verlangt habe, "abzuschwören", sagte der seit rund 25 Jahren inhaftierte Klar: "Was soll eine Unterwerfung unter die Darstellung der RAF-Geschichte als Kriminalfall anderes sein als ein Abschwören". Dies sei stets die Forderung des Staates "gegenüber politischen Gefangenen" gewesen, betonte der 55-Jährige. Diese sollten "ihre Gründe, warum sie kämpfen, hinterher zurücknehmen", so Klar.

Seine RAF-Aktionen im "Deutschen Herbst" 1977 bezeichnete Klar als "Schnee von gestern". Er betonte: "Die Organisation ist aufgelöst. Keine Rückkehr zum bewaffneten Kampf." Zu den Gründen der Selbstauflösung der RAF 1998 sagte Klar: "Die Sache unterlag."

Zum Leid der Hinterbliebenen der Mordopfer meinte der frühere Terrorist: "Dass da eine berechtigte menschliche Klage ist, das muss ich mir gefallen lassen". Diese Klage "würde ich nicht verdrängen wollen", sagte Klar.

Nach seiner voraussichtlichen Haftentlassung im Jahr 2009 will Klar "ein legales Leben führen" und eine "Lohnarbeit" verrichten.

Klar wurde als Mittäter bei den Morden an Generalbundesanwalt Siegfried Buback und seinen zwei Begleitern, am Bankier Jürgen Ponto und am Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer sowie dessen vier Begleitern verurteilt. Die Bundesanwaltschaft hat gegen Klar und drei weitere ehemalige RAF-Mitglieder Beugehaft beantragt, um sie zu einer Aussage über den bislang unbekannten Todesschützen beim Buback-Mord vom April 1977 zu zwingen.